Über Geld spricht man nicht, Geld hat man, lautet ein Sprichwort, dessen Wahrheitsgehalt sich wegen der Verschwiegenheitspflicht allerdings schwer überprüfen lässt. Bei den Basketballern von Alba Berlin muss es daher bei der Feststellung bleiben, dass sie einen neuen Trikotsponsor haben, mithin einen neuen Hauptsponsor: die ZhongDe Metal Group, ein Projekt der chinesischen Metallindustrie, die an der Küste im Süden einen Industriepark anlegt, die Eco Metal City in Jieyang. Darüber haben Klub und Unternehmen gestern in Berlin gesprochen, nicht über konkrete Summen, aber über Ziele, die während der vorerst ins Auge gefassten drei Jahre erreicht werden sollen.

ZhongDe bedeutet chinesisch-deutsch. Einen Industriepark nach deutschem Vorbild will das Konsortium errichten und dafür hiesige Mittelständler gewinnen. Eine Firma aus Berlin-Adlershof übernimmt etwa die Verwaltung. Die Alba Group, Gesellschafter der Basketball-GmbH, ist schon seit den Neunzigern in China aktiv, als ihr Chef Axel Schweitzer mit der damaligen Bundesumweltministerin Angela Merkel das Land besuchte und Chancen erkannte. Schweitzer war es, der jetzt in seiner Funktion als Aufsichtsrat der Alba-Sportsparte die Kooperation forcierte. Sie fügt sich ein ins Gesamtpaket. Schweitzer und die Partner aus Jieyang wissen um die großen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China. An dieser Stelle kommen die Basketballer ins Spiel, als Plattform, zur Verständigung.

Alba sei im deutschen Basketball Spitze, hat der Vizepräsident von ZhangDe, Feizhou Liu, gestern sehr chinesisch, weil sehr höflich gesagt und darauf hingewiesen, dass Basketball bei den Chinesen populär ist, seit sie 2002 mit Yao Ming einen der Ihren in der NBA brachten. Nicht nur die NBA sieht das Potenzial: Das Durchschnittseinkommen beträgt derzeit pro Kopf und Jahr 7 000 US-Dollar, laut Schätzungen soll es in 15 Jahren bei 30 000 liegen – für Marketingstrategen ein Traum.

Panathinaikos Athen dekorierte vorige Saison seine Bank mit Ping Shang, dem ersten Chinesen in der Euroleague. Diesen Weg wollen die Berliner nicht gehen, sagt ihr Geschäftsführer Marco Baldi, der in Etatfragen sprichwörtlich nur verrät, dass sie mit dem Wechsel des Trikotsponsors im bisherigen „finanziellen Korridor“ bleiben, somit Klubs wie Bamberg nach wie vor kein Wettbieten um Spitzenkräfte liefern könnten. Auch nicht um chinesische, die ohnehin von ihren Heimatklubs ungern abgegeben werden. Alba unterhält aber eine Kooperation mit Pekings Basketballverband, mit Unis und Schulen. Gut möglich, dass irgendwann doch ein Chinese im Alba-Trikot spielt.

Herr Liu hat erklärt, wofür das neue Logo darauf steht. Das Runde symbolisiert Bewegungen wie beim Tai Chi, es bedeutet: Nachhaltigkeit. Es sieht aus wie das chinesische Zeichen für Mitte: Reich der Mitte. Ein D lässt sich erahnen: Deutschland. Und das Senkrechte? Eine 1: Sie wollen die Ersten sein. Als chinesischer Hauptsponsor im deutschen Basketball sind sie das ja schon mal.