Heißes Duell unter dem Korb: Albas Landry Nnoko (l.) und der Mailänder Arturas Gudaitis.
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BerlinBei Alba Berlins Spielplan in dieser Woche könnte durchaus Andreas Möller seine Finger im Spiel gehabt haben. „Mailand oder Madrid − Hauptsache Italien“, soll der Fußball-Weltmeister von 1990 einst auf die Frage, wo er denn in Zukunft spiele, geantwortet haben. Für die Berliner jedenfalls heißt es in dieser Mailand und Madrid, wenn es um die Namen der Gegner geht. Am Montag ging es für den Basketball-Bundesligisten aus Hamburg nach Mailand, wo am Dienstag (20.45 Uhr) gespielt wird. Eine Reise nach Madrid hingegen wird es nicht geben. Das Team aus der spanischen Hauptstadt wird am Donnerstag um 20 Uhr in der Arena am Ostbahnhof erwartet. Und so bleibt es in dieser Woche bei Italien, was auch Marco Baldi begrüßt. „Es ist ja nicht so, dass Spanien nicht auch schön ist, aber ich habe natürlich eine richtige Beziehung zu Italien“, sagt Albas Geschäftsführer.

Schließlich liegen seine familiären Wurzeln in Italien. Dort allerdings in der Toskana, weshalb er Mailand auch gar nicht so gut kenne. Viel Zeit für Sightseeing wird aber auch diesmal nicht bleiben. Montag Anreise, Dienstag Spiel, Mittwoch Abreise, Donnerstag Spiel. Noch bis zum 10. April und dem letzten von 34 Saisonspielen in der Euroleague wird sich an dieser engen Taktung und der hohen Belastung für die Spieler von Alba Berlin nichts ändern. Es sei denn, sie erreichen noch die Play-offs.

Verletzungen warfen Alba Berlin zurück

Das ist theoretisch machbar, entspricht aber weder der Zielsetzung des Klubs, noch der bisherigen Leistungsfähigkeit des Teams gegenüber der starken Konkurrenz. „Wenn es ideal gelaufen wäre, könnten wir schon weiter sein, als wir sind“, sagt Baldi mit Blick auf sieben Siege aus 22 Spielen, „an den Punkten, wo wir bestimmte Entwicklungsstadien hätten durchlaufen können, haben wir nur improvisiert.“

Viele Verletzungen von Leistungsträgern oder denen, die als solche aufgebaut werden sollten, warfen das Team immer wieder zurück. „Was die reine Entwicklung hinsichtlich Erfahrung, Abgebrühtheit und den Umgang mit bestimmten Situationen angeht, sind wir eine lange Zeit nicht hingekommen, weil die Trainer immer Löcher stopfen mussten“, sagt Baldi. Der Geschäftsführer meint damit Spiele wie etwa die Ein-Punkt-Niederlage nach doppelter Verlängerung bei Panathinaikos Athen, das ebenfalls mit einem Zähler verlorene Spiel nach Verlängerung bei Anadolu Efes Istanbul oder das unnötig verlorene Hinspiel gegen Mailand.

Gerade in diesen engen Partien bekommen die in der Euroleague noch unerfahrenen Berliner mit, wie man in den entscheidenden Momenten zu spielen hat, welche Fehler man vermeiden muss. In einem Stil, welcher auf Spielfluss, Spielwitz und Rhythmus angelegt ist und welcher auch eine gewisse Fehlerzahl beinhaltet und erlaubt, „muss man lernen, welche Fehler zu unserem Spiel gehören und welche Fehler mit mangelndem Fokus, mit der Qualität, der Schnelligkeit, der Abgebrühtheit und Erfahrung des Gegners zu tun haben“, sagt Marco Baldi.

In puncto Erfahrung unterlegen

Gerade die elf dauerhaften Teilnehmer der Euroleague sind den Berlinern in puncto Abgebrühtheit und Erfahrung noch einen Schritt voraus. Und dennoch ist es dem unerfahrenen und in weiten Teilen jungen Alba-Team gelungen, die Höhe der bislang 15 Niederlagen in Grenzen zu halten. Lediglich bei den Partien in Tel Aviv und Kaunas waren die Berliner chancenlos, aber solche Ausrutscher unterlaufen nahezu jedem Team im Laufe einer solch langen Saison. Den Respekt der Gegner konnte man sich damit schnell erarbeiten, bei den Schiedsrichtern ist der nach vierjähriger Abstinenz in der stärksten europäischen Spielklasse nicht immer zu spüren.

Unser Ziel ist eine ständige Präsenz in der Euroleague. Ob wir dann ein Jahr Eurocup spielen oder nicht, ist nicht so entscheidend.“

Marco Baldi

Den kleinen Vorteil des Pfiffes, den nicht jeder Spieler bekommt, muss man sich erst über viele Jahre erarbeiten. Genau da will Alba Berlin hin. Die A-Lizenz, also eine dauerhafte Zugehörigkeit zur Euroleague, wurde vor wenigen Wochen im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin von Seiten der Ligaverantwortlichen in Aussicht gestellt. Allein am Zeitpunkt wird noch beidseitig gearbeitet. Bis dahin herrscht Ungewissheit darüber, ob Alba Berlin auch in der kommenden Saison Euroleague spielen wird. Planungssicherheit herrscht lediglich bei den elf A-Lizenzinhabern, den beiden Eurocup-Finalisten sowie Bayern München und Villeurbanne, die eine Wildcard besitzen. Der Deutsche Meister erhält nicht automatisch einen Startplatz für einen der drei freien Plätze. „Wie die verteilt werden, wird spannend“, sagt Marco Baldi, „unser Ziel ist eine ständige Präsenz in der Euroleague. Ob wir dann ein Jahr Eurocup spielen oder nicht, ist nicht so entscheidend.“

Ein kleiner Schritt zurück, für einen großen Schritt in die Zukunft. Doch mit jedem weiteren Erfolg in dieser Saison macht Alba Berlin Werbung dafür, einen der drei freien Plätze zu ergattern. Mailand oder Madrid – Hauptsache Euroleague.