Berlin - Das hat gerade noch gefehlt. Als wären die Verletzungsprobleme in dieser Saison nicht schon groß genug gewesen, hat sich am Donnerstag bei Alba Berlin eine Baustelle von bisher nicht da gewesener Größe geöffnet. Musste der deutsche Meister in dieser Spielzeit schon mehrfach auf Peyton Siva und damit auf einen etatmäßigen Aufbauspieler verzichten, stand zumindest Jayson Granger nahezu in jedem Spiel zur Verfügung. Lediglich einmal setzte der 31-Jährige aus, aber auch nur, weil er als Spieler mit den meisten Einsatzminuten auch mal eine Pause erhielt. Die muss Granger in den kommenden Wochen unfreiwillig einlegen. Am Dienstag hatte er sich beim Bundesliga-Sieg in Göttingen verletzt, am Donnerstag gab es die niederschmetternde Diagnose für Spieler und Verein: eine Fraktur am linken Mittelhandknochen. Noch am selben Tag wurde er im Unfallkrankenhaus Berlin operiert und wird den Berlinern nicht nur am Freitagabend (20.30 Uhr) beim Euroleague-Spiel in München, sondern auch danach für einen langen Zeitraum nicht zur Verfügung stehen.

Granger selbst zeigte sich bereits am Mittag zuversichtlich: „Die Operation verlief gut. Danke für all die Nachrichten. Ich werde bald zurück sein und die Saison stärker als zuvor beenden“, schrieb er auf Instagram und versah die Nachricht mit zwei Emojis. Eins davon, das lächelnde Gesicht, werden die sportlichen Verantwortlichen nach seinem Ausfall nur bedingt teilen. Nachdem sich Peyton Siva in der vergangenen Woche eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen hatte, fehlt jetzt mit Granger ein weiterer Aufbauspieler. Alba Berlin geht damit nicht nur weitere Qualität in Form von den beiden Spielern mit den meisten Assists, sondern vor allem viel Erfahrung verloren. Siva (30) und Granger (31) sind zwei der drei Alba-Spieler über 30 Jahre – jetzt, wo beide ausfallen, muss Alba Berlin wieder einmal improvisieren. Die Last des Spielaufbaus wird nun auf den Schultern von Jonas Mattiseck, der erst vor wenigen Tagen 21 Jahre geworden ist, und Maodo Lo liegen. Vor allem Lo (28) hat seine Stärken eher auf der Position des Shooting Guards, muss jetzt aber das Spiel lenken und weniger eigene Würfe kreieren.

Alba Berlins großes Glück dürfte in dieser Phase Luke Sikma heißen. Der Flügelspieler gilt als spielintelligent, verteilte bereits beim Sieg Göttingen acht Vorlagen für seine Mitspieler. Wenn in den vergangenen Wochen Siva bereits verletzt zuschauen musste und Granger auf der Bank saß, brachte Sikma schon mal den Ball nach vorne. Sollte Alba Berlin auch diesmal keine Nachverpflichtung vornehmen und die Ausfälle mit den übrig gebliebenen Spielern kompensieren wollen, wird der 31-jährige Flügelspieler häufiger im Ballvortrag zu sehen sein. Vermutlich schon am Freitag in München.