Alba Berlin: Neues Reizklima bei Alba

Das Schicksal von Alba Berlin lag in der Schlusssekunde in den Händen von Djordje Pantelic. Ein Korbleger des so kinderleicht freigespielten, 2,04 Meter großen Centers vom Mitteldeutschen BC (MBC) hätte dem zuletzt so krisengeplagten Gastgeber gewiss weitere beträchtliche Turbulenzen mit unabsehbaren Folgen beschert.

Doch das Schicksal in Gestalt von Pantelic meinte es gut mit Alba. Der Serbe vergab und der erst sechs Sekunden zuvor bewerkstelligte Führungswechsel durch Ali Traoré zum 82:81 hatte Bestand.

Im Falle einer Niederlage gegen den Aufsteiger aus Weißenfels hätte Albas Geschäftsführer Marco Baldi am Sonnabend weitaus mehr Mühe gehabt, die Wogen zu glätten, die sich bereits vor dem Spiel aufgetürmt hatten. „Stimmung ist nicht wichtig“, lautete die gewagte Kernthese seines Vortrags.

Der Spielmacher Heiko Schaffartzik war unter der Woche mit der Aussage in den Fokus gerückt, dass die öffentliche Kritik der Vereinsführung an Yassin Idbihi, der scheinbar seit Monaten seine Vertragsverlängerung herauszögert, zu einer großen Verunsicherung innerhalb der Mannschaft geführt habe. Schaffartzik sagte: „Die Spieler denken doch: 'Wenn Yassin, den jeder wertschätzt und der immer alles fürs Team gibt, so fertiggemacht wird, was ist dann mit mir'?“

Im Nachhinein erhielt die bittere Auswärtsniederlage in Braunschweig vergangenen Dienstag, die Alba wahrscheinlich endgültig um den Heimvorteil in den Playoffs gebracht hatte, so noch eine andere Färbung. Baldi jedoch hielt dagegen: „Seit wann ist Stimmung denn so wichtig? So ein Spiel wie in Braunschweig darf man nicht verlieren. Heute gegen den MBC ist uns das gelungen. Mit Stimmung hat das nichts zu tun.“

Schaffartzik profitierte vom Reizklima bei Alba

Just Schaffartzik, der am Sonnabend mit seiner Ruhe und Treffsicherheit noch zu den Besten im verunsicherten Alba-Team zählte, schien Baldi mit seiner Leistung recht zu geben. Über diese zum Ausdruck gebrachte Beobachtung musste der Alba-Chef aus voller Kehle lachen. Wobei der Spielmacher natürlich wusste, dass er bei diesem Spiel besonders aufmerksam betrachtet wurde. So gesehen ist Stimmung eben doch wichtig.

Schaffartzik profitierte vom neuen Reizklima bei Alba. Allen scheint das aber nicht zu behagen. Yassin Idbihi läuft zwar seiner Form schon seit der vergangenen Saison hinterher, aber in den letzten beiden Spielen misslang ihm mehr denn je. Nur 7:31 Minuten ließ ihn Trainer Sasa Obradovic auf dem Feld und teilte hinterher mit: „Es ist derzeit nicht einfach für ihn. Ich kann ihn auch verstehen.“

Auch die Alba-Fans machen sich so kurz vor dem Beginn der Playoffs Sorgen um die Stimmung im Verein. Sie beschworen vor der Partie gegen den MBC den Zusammenhalt, indem sie ein Transparent mit der Aufschrift „United we stand, divided we fall“ hochhielten. Matchwinner Ali Traoré mahnte: „Es ist nicht der richtige Moment für diese Sachen.“ Was genau er damit meinte, blieb indes im Dunkeln.

Marco Baldi ist nun ebenfalls redlich bemüht, die Spannungen abzuschwächen, die durch die öffentliche Maßregelung von Idbihi ausgelöst wurden. Anders als im Fall Idbihi will Baldi jetzt den Ärger mit Schaffartzik intern klären. Seinem Angriff auf die Vereinsführung soll keine öffentlichkeitswirksame Strafverkündigung folgen. Dass dadurch der Eindruck entstehen könne, Alba lasse sich von seinen Spielern auf der Nase herumtanzen, sei ihm egal, behauptete Baldi.

Es ist gewiss vernünftig, sich nicht von Revanchegelüsten zu demonstrativen Machtgesten verleiten zu lassen. Der Schaden könnte beträchtlich sein. Schließlich hat man bei Alba seit geraumer Zeit Probleme, deutsche Spitzenspieler an sich zu binden. Ein Weggang von Yassin Idbihi oder Heiko Schaffartzik wäre für den Klub fatal. Schließlich muss Alba seit dieser Saison sechs deutsche Spieler im Kader haben, und Idbihi und Schaffartzik sind die einzigen festen deutschen Stützen in der Rotation. Auch das erklärt Baldis Deeskalationskurs.

So versuchte er die atmosphärische Probleme aus dem öffentlichen Diskurs herauszuhalten. Die Stimmung, erklärte er, sei nicht anders als vor ein paar Wochen. Die Verunsicherung der Mannschaft wollte er partout nur sportlich begründet sehen. Eine solche Niederlage wie in Braunschweig würde man nur „schwer aus den Klamotten bekommen“, betonte er. Und für den hauchdünnen Sieg gegen den Mitteldeutschen BC hatte er zudem noch eine andere Erklärung: „So einen MBC habe ich noch nie gesehen. Sie haben einen exzellenten Basketball gespielt.“