Berlin - Das Gefühl hat sogar eine Farbe. Sie ist öde und trist. „Ein gewisses Grau“, sagt Marco Baldi. Alba Berlins Geschäftsführer hat dieses Gefühl empfunden, nachdem seine Basketballer bereits im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft ausgeschieden waren, gegen Würzburg, einen Emporkömmling. Wieder haben sie also alles umgekrempelt. Coach Gordon Herbert haben die Berliner entlassen und für ihn Sasa Obradovic verpflichtet. Sie haben den Kader auf fünf Positionen neu besetzt. Am heutigen Mittwoch reisen Trainer und Spieler nach Kranjska Gora. Mehr als zwei Wochen stimmen sie sich in dem slowenischen Ort auf die Saison ein. Die beginnt am 3. Oktober. Wie sie endet, ist auch diesmal völlig offen.

Eine andere Handschrift wird sie prägen, so viel aber steht fest. Obradovic will aufs Tempo drücken. „Mobilität und Geschwindigkeit werden eine wichtige Rolle spielen“, sagt Baldi. Nach diesen Kriterien wurde das Personal zusammengestellt. Yassin Idbihi ist mit 2,08 Metern der Längste. Unterstützt wird der Center von Deon Thompson. Der misst nur 2,04 Meter. Dafür vertraut Obradovic gleich auf drei Spielmacher, von denen meist zwei gleichzeitig auf dem Parkett stehen sollen. Zum einen, weil wendige Spieler zum Konzept des Trainers gehören. Zum anderen, weil Da-Shaun Wood einen Vertrag für diese Saison besitzt. Er teilt sich nun mit Heiko Schaffartzik und Vule Avdalovic die zwei Guard-Positionen.

Wood kam vor einem Jahr als Paketlösung mit Herbert nach Berlin, Obradovic brachte Avdalovic vom ukrainischen Meister Donezk mit. Eine gute Vertrauensbasis zwischen Coach und Regisseur ist nicht ganz unwichtig, Avdalovic sagt: „Sasa Obradovic ist nicht die Art Trainer, der seinen Spielern freie Hand lässt. Er will viele Dinge auf dem Platz kontrollieren.“ Dass ein Serbe nach der serbischen Schule verfährt, erscheint nur konsequent.

Verschärfter Artenschutz

Auf dem Parkett lässt sich das Tempo steuern, schwieriger dürfte das bei der Geschwindigkeit sein, in der die Neuen Deon Thompson, Nihad Djedovic, Nathan Peavy, Zach Morley und Vule Avdalovic mit den Verbliebenen Yassin Idbihi, Joey Ney, DaShaun Wood, Sven Schultze und Heiko Schaffartzik zu einer Einheit werden. Acht von ihnen dürften in Obradovics Rotation eine tragende Rolle spielen. Da in der Bundesliga (BBL) erstmals mindestens sechs der zwölf Mann im Kader einen deutschen Pass haben müssen, Alba bisher aber nur vier Deutsche unter Vertrag hat, soll der eigene Nachwuchs helfen. „Es wird einen Pool von jungen Spielern geben“, sagt Sportdirektor Mithat Demirel. Sechs Talente reisen schon mal mit nach Kranjska Gora. Ob sich die Jungen in der Auseinandersetzung mit den Profis behaupten können, zählt zu jenen Fragen, auf die erst der Spielbetrieb die Antwort gibt.

Mit der Pool-Lösung reagiert Alba darauf, dass etablierte Profis aus eigenen Landen durch das Artenschutzabkommen der BBL deutlich teurer geworden sind. Das Gebaren auf dem Transfermarkt ändert sich. „Fußball-Verhältnisse“, hat Baldi ausgemacht. Die bringen es etwa mit sich, dass Bundesligisten Spieler verpflichten, um sie dann auszuleihen. Der globale Spielermarkt ist in Bewegung. Nicht nur durch spendable Vereine, wie es sie noch in Russland, Spanien, der Türkei oder China gibt. Der interne Wettbewerb in der BBL hat ebenfalls zugenommen. Quakenbrück zum Beispiel hat personell erheblich aufgerüstet. National ist der Konkurrenzdruck größer denn je.

„Sehr erfreulich“, findet Baldi das. Ohnehin hat sich seine Stimmung im Vergleich zum Ende der vorigen Spielzeit aufgehellt. In der Europaliga dürfen die Berliner nämlich mitmachen. Sie richten zudem die Endrunde des BBL-Pokals aus und sind somit automatisch dafür qualifiziert. Und gleich in der ersten Saisonwoche, am 6. Oktober, empfangen sie die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki und Chris Kaman an der Spitze. Es mag längst nicht alles rosig sein, doch den Grauschleier ist Alba erst einmal los.