Gast aus einem Risikogebiet: Albas Luke Sikma und Nikola Mirotic von FC Barcelona fixieren den Ball.
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BerlinWenn die Basketballer von Alba Berlin an diesem Dienstag vom Flughafen Tegel aus Richtung Litauen aufbrechen, dürfte sich für sie das nach ein wenig Basketball-Normalität anfühlen. Mit dem Flugzeug reist die sportliche Reisegruppe über Riga zunächst nach Vilnius, von wo aus es per Bus die restlichen rund 100 Kilometer nach Kaunas geht. Dort absolvieren die Berliner zunächst am morgigen Mittwoch ein Testspiel. Am kommenden Wochenende dann nehmen die Berliner an einem Vorbereitungsturnier der sogenannten We‘re Back Preseason Tour teil. Veranstaltet wird es von der Euroleague.

Auswärtsreisen wie diese gehören zum Standardprogramm der Mannschaft im professionellen Basketball. Alba hat in der Euroleague nach einem Modus Jeder-gegen-jeden 17 Auswärtsspiele zu bestreiten. Die Reise nach Kaunas steht diesmal ganz im Zeichen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen, die in Europa ergriffen werden, sie zu bekämpfen. Begleitet wird sie von vielen offenen Fragen. Die wichtigste: Wird die stärkste Basketball-Liga des Kontinents wie geplant starten können?

Albas Trip nach Kaunas liefert erste Antworten. Bereits die Einreise nach Litauen ist für die Mannschaft von Coach Aito Garcia Reneses mit deutlich mehr bürokratischem und organisatorischem Aufwand als sonst üblich verbunden. „Die litauische Regierung hat uns für die Einreise und das Turnier extra eine Ausnahmegenehmigung erteilt“, erklärt Albas Sportdirektor Himar Ojeda.

Normalerweise müssen Personen, die aus dem Ausland nach Litauen reisen, derzeit in eine 14-tägige Quarantäne. In Albas Fall reichen nun zwei negative Corona-Tests, um sich im Land frei bewegen zu dürfen. Dem ersten Test unterzog sich Albas sportliche Reisegruppe bereits am gestrigen Montag, der zweite Test folgt umgehend nach der Ankunft in Litauen. Erst wenn auch dieser bei allen Mitreisenden negativ ausfällt, darf trainiert und gespielt werden.

Besonders die drei anstehenden Spiele sollen nach drei Wochen Teamtraining vor allem als eine erste Standortbestimmung genutzt werden. Von Vorteil ist hierbei, dass Alba nach dem morgigen Testspiel gegen den litauischen Erstligisten Nevėžis Kėdainiai am Wochenende gleich auf europäische Top-Klubs trifft. Am Sonnabend geht es gegen Armani Mailand, am Sonntag dann gegen Panathinaikos Athen oder Gastgeber Zalgiris Kaunas – Mannschaften, die auch in der kommenden Euroleague-Saison Albas Gegner sein werden. Wobei das Wort ‚werden‘ in diesem Fall mehr Klarheit vermittelt als derzeit in Wirklichkeit herrscht.

Die Euroleague plant, ihre Saison Anfang Oktober zu starten und im gewohnten Liga-Format mit insgesamt 34 Spieltagen und anschließenden Playoffs zu spielen. Die vielen Reisen ins Ausland haben ihre Tücken. Die zum Teil und vor allem in Deutschland strengen Einreisebedingungen stellen die teilnehmenden Klubs vor große Probleme. Albas Sportchef Ojeda stellt sogar klipp und klar fest: „Sollte es beim Reisen keine behördlichen Ausnahmeregelungen für Sportvereine geben, ist ein regulärer Spielbetrieb in der Euroleague nicht machbar.“

Allein schon, weil die Hälfte der zehn Länder, aus denen die Euroleague-Klubs stammen, derzeit als Risikogebiete eingestuft sind. Nämlich Spanien, Frankreich, Russland, die Türkei und Israel. Albas Akteure müssten sich folglich nach jedem internationalem Auswärtsspiel für mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben. Dies wiederum ist allein schon zeitlich nicht machbar, ohne Spiele in der nationalen Bundesliga (BBL) zu verpassen.

Wie die Euroleague mit dieser Problematik umgehen wird, stehe laut Ojeda noch nicht fest. Er wisse zwar, dass an verschiedenen Konzepten für verschiedene Szenarien gearbeitet werde, „aber besprochen hat die Euroleague diese mit uns noch nicht.“ Für den Sportdirektor und seinen Klub keine einfache Situation. Schließlich erscheint eine Anpassung des Euroleague-Modus aktuell nicht nur alternativloser denn je, sie würde auch zahlreiche organisatorische und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.

Bei Alba hat man sich mittlerweile ein Stück weit damit abgefunden, nur noch das zu planen und zu organisieren, was in der eigenen Hand liegt. Dinge wie die Reise nach Kaunas beispielsweise. Die ist übrigens nur deshalb möglich, weil Litauen bis dato nicht auf der Liste der Risikogebiete steht. So müssen die Berliner nach ihrer Rückkehr auch nicht in Quarantäne, sondern können ihre Saisonvorbereitung normal fortsetzen. So normal, wie es zu Zeiten von Corona eben möglich ist.