Tim Schneider will auch gegen Moskau Zug zum Korb haben.
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BerlinEinzelgespräche vor dem Training sind eher selten. Ein paar Minuten aber steht Tim Schneider an diesem Vormittag in Alba Berlins Trainingshalle in der Schützenstraße und beugt sich zu seinem Coach, der ihm auf dem Handy ein paar Sachen zeigt. Ob es sich dabei um taktische Hinweise von Aíto García Reneses an seinen Flügelspieler handelt oder sich beide Fotos von ihren letzten Auswärtsfahrten angeschaut haben, wollte Schneider nicht verraten. Viel lieber spricht der 22-Jährige derzeit über seine gute Form. Die hatte schon in der Vorbereitung gestimmt und konnte von ihm auf die Bundesliga, den BBL-Pokal, aber auch auf die Euroleague übertragen werden. „Für mich ist es ein extrem wichtiges Jahr. Ich kann mich auf der Bühne Euroleague präsentieren und dann ist es auch mein letztes Vertragsjahr“, erzählt der Berliner.

Gut begonnen hatte er auch schon in der vergangenen Saison, wurde dadurch sogar von Bundestrainer Henrik Rödl in die A-Nationalmannschaft berufen und absolvierte ein paar Minuten in einem Qualifikationsspiel. Danach aber stagnierte die Leistung. „Ich war nicht so mit der Saison zufrieden, weil es etwas runter gegangen ist“, sagt Schneider, „ich möchte jetzt den nächsten Schritt machen und habe deshalb im Sommer auch extrem viel gemacht.“ Auch wenn er sich bereits in seinem dritten Vertragsjahr als Profi bei Alba befindet, zählt er noch immer zu den jungen Spielern im Kader, zum ersten Mal in seiner Karriere darf er sich in dieser Saison in der Euroleague beweisen, kann gegen gestandene Teams wie Barcelona oder an diesem Freitagabend (20 Uhr ) in der Arena am Ostbahnhof gegen Titelverteidiger ZSKA Moskau ran. Und das nicht zu kurz: 14:32 Minuten hat Tim Schneider in den bisherigen drei Euroleague-Spielen gegen St. Petersburg, Anadolu Istanbul und den FC Barcelona durchschnittlich spielen dürfen.

Punkteschnitt gesteigert

Als er vor der Saison sein Gespräch mit Sportdirektor Himar Ojeda führte, sei das so nicht absehbar gewesen. „Danach hatte ich schon ein paar Bedenken, wie es mit der Spielzeit aussieht“, sagt Schneider. Dass auf den großen Positionen Johannes Thiemann seit Saisonbeginn verletzt fehlt, hat Schneider geholfen, mehr Zeit auf dem Feld zu verbringen. Es gelingt ihm derzeit aber auch, diese Zeit zu nutzen. In der Bundesliga hat er seinen Punkteschnitt im Vergleich zur Vorsaison von 4,4 auf 9,8 Zähler gesteigert, aus 2,2 Rebounds pro Partie sind 4,3 geworden. Dazu wirkt er fokussiert und unaufgeregt.

Nur bei der 84:103-Niederlage in Barcelona zeigte auch er sich beeindruckt von Umfeld, Atmosphäre und dem Kader um Nikola Mirotic. „Jetzt weiß man, wie fünf Millionen Euro, oder was auch er immer er bekommt, aussehen“, sagt Schneider, „Barcelona hat mit uns das gemacht, was wir normalerweise mit anderen Teams machen.“ Diese Erfahrung gilt es zu verarbeiten und es schon im nächsten Euroleague-Spiel besser zu machen. Vielleicht hat ihm Coach Reneses auf dem Handy gezeigt, wie das aussehen kann.