Rokas Giedraitis (r.) war in diesem Sommer nicht zu halten. Damit Martin Hermannsson (l.) bleibt, will Alba Berlin alles tun.
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BerlinZugparty, Meisterdinner, Empfang im Roten Rathaus, der Abschied von drei Spielern – die vergangene Woche war für Marco Baldi sehr ereignisreich. Zumindest am Wochenende war es für Alba Berlins Geschäftsführer etwas entspannter, wenngleich er das Telefon aktuell nur selten aus der Hand legt. „Das ist so eine Zeit, in der ich sehr häufig am Telefon hänge“, sagt er und beschreibt sein aktuelles Aufgabenfeld: „Ich kümmere mich darum, wie man in Corona-Zeiten die Zukunft designen kann.“ Die Zukunft von Alba Berlin, aber, in Zusammenarbeit mit den anderen Klubs, auch die der gesamten Basketball-Bundesliga (BBL).

Am Dienstag wird Baldi zu einer BBL-Tagung nach Frankfurt fahren. Bekannt geworden ist bereits, dass die Liga den Mindestetat von drei Millionen Euro für das Lizensierungsverfahren aussetzen und auch die Mindestzahl der in den Klubs beschäftigten  Personen von vier auf drei runtersetzen will. „Es wird gerade an einigen Standards geschraubt“, sagt Marco Baldi. In Zeiten der Corona-Pandemie ist das unumgänglich. Zu Lasten der hohen Qualität, die in den vergangenen Jahren in der BBL geschaffen wurde und die sich bei vielen Vereinen in der Ausbildung von deutschen Talenten zeigt, soll das aber nicht gehen. Das macht Albas Geschäftsführer auch beim Blick auf die gewünschte Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison deutlich: „Wir wollen unsere Kadergröße beibehalten, deutsche Spieler sind für uns dabei immer interessant.“

Aktuell nur drei Deutsche unter Vertrag

Mit Blick auf die aktuell unter Vertrag stehenden Spieler ist da noch etwas Arbeit notwendig. Makai Mason, der einen deutschen Pass besitzt, wird Alba Berlin nach nur einem Jahr wieder verlassen und zum spanischen Erstligisten Basket Manresa wechseln. Da zudem die Verträge von Tim Schneider und Kenneth Ogbe ausgelaufen sind, hat der Deutsche Meister im Moment lediglich drei deutsche Profis unter Vertrag. Der Name Louis Olinde, dessen Vertrag in Bamberg ausgelaufen ist, steht im Raum. Mit seinen 22 Jahren und seinem Potenzial würde der Flügelspieler in das Berliner Anforderungsprofil passen. „Wir sind ein Klub, der Spieler holt, die besser werden wollen, und sie besser macht“, sagt Baldi. Gerüchte um neue mögliche Zugänge kommentiert er aber nicht. 

Beim Double-Sieger der gerade abgelaufenen Saison verkündet man lieber Fakten. Nach den Feierlichkeiten nach dem Meistertitel hat man das nicht nur in der Personalie Mason, sondern auch bei Landry Nnoko und Rokas Giedraitis so gehandhabt. Gleich im Dreierpack wurde deren Abschied zum Start in das vergangene Wochenende vermeldet. Nnoko zieht es zu Roter Stern Belgrad, Giedraitis hat beim spanischen Meister Baskonia Vitoria unterschrieben und machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch. Schon nach seiner ersten Saison in Berlin war der litauische Nationalspieler von europäischen Vereinen umworben, wurde sogar mit der NBA in Verbindung gebracht. Dass er sich für Alba und den Standort Berlin entschied, war eine Anerkennung dessen, was ein Spieler dort bekommt. Aber: „Es war natürlich abzusehen, dass es in diesem Sommer passieren könnte“, sagt Marco Baldi.

Angebot an Hermannsson ist unterbreitet

Wenn die großen Klubs aus der Euroleague oder der NBA bei den Spielern ihr Interesse hinterlegen, werden die weichen Faktoren wie die spannende Stadt, die besondere Beziehung zu den Fans, die Entwicklungsmöglichkeit und Atmosphäre im Klub nicht mehr ausreichen. Martin Hermannsson etwa gehört zu den zehn begehrtesten Spielern auf dem europäischen Markt, die keinen Vertrag besitzen. Bei Alba hat sich der Isländer in seinen zwei Jahren zu einem Leistungsträger entwickelt. „Wir würden uns freuen, wenn er bleibt, und tun alles, was wir können“, so Baldi. Ein Angebot haben die Berliner dem Isländer vor seiner Abreise in die Heimat unterbreitet, doch der lässt sich, verständlicherweise, mit einer Unterschrift noch etwas Zeit.

Vor dem Finalturnier um die Deutsche Meisterschaft hatte er betont, wie wohl er sich in Berlin fühlt. „Wenn ein anderer Verein aber das doppelte Gehalt zahlt, muss man genau überlegen“, so Hermannsson. Das Zeitfenster, in dem ein Profi-Basketballer mit seinem Job Geld verdienen kann, ist schließlich nicht lange geöffnet. Vielleicht würde ein Verbleib von Aito Garcia Reneses für eine Verlängerung in Berlin sprechen. Der 73-Jährige gilt als ein Trainer, der Spieler besser macht und deren Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Auch mit ihm haben Marco Baldi und Sportdirektor Himar Ojeda in der vergangenen Woche gesprochen. Eine zeitliche Vorgabe, bis wann sich der Trainer äußern muss, gibt es nicht. Ohnehin werden die Spielerverpflichtungen unabhängig von Reneses’ Entscheidung getroffen. Und da sieht es aktuell so aus, als ob es in diesem Sommer etwas mehr Veränderungen als vor der Double-Saison geben wird. „Es braucht nach so einem Höhepunkt auch immer eine Auffrischung“, sagt Baldi und hat schon gleich das nächste Telefonat. Das ist in dieser Zeit nun mal so.