Eigentlich könnte sich Alba Berlins Manager Marco Baldi in seinem symbolischen Bürostuhl ein wenig entspannter zurücklehnen. Mit 2:0 führen Albas und somit auch Baldis Basketballer in den Play-off-Halbfinals der Bundesliga (BBL) gegen die Riesen Ludwigsburg. Und weil die Mannschaft, die als erste drei Siege sammelt, ins Finale einzieht, spricht vor Spiel drei in Berlin am Sonntag (15 Uhr) vieles für die Berliner.

Aber Marco Baldi wäre nicht Marco Baldi, würde er sich schon jetzt in Sicherheit wiegen. Stattdessen warnt und mahnt Baldi. „Ich erwarte ein totales Aufbäumen“, sagt er und ergänzt: „Die werden physisch und psychisch noch mal alles aus sich herausholen. Das wird hart.“

Nichtsdestotrotz ist Albas erster Finaleinzug seit 2014 beileibe kein unwahrscheinliches Szenario. Neben Albas beeindruckender Konstanz im Angriff, liegt dies vor allem an einer verbesserten Defensive und einem starken Rebound-Verhalten.

„Die Rebounds sind der Schlüssel“ 

Die Antwort, die Baldi auf die Frage nach den entscheidenden Faktoren im dritten Spiel gibt, ist eindeutig: „Wir müssen sehr gut verteidigen“, sagt er und spezifiziert: „Die Rebounds sind der Schlüssel.“ Eine treffende Analyse.

Wirft man einen Blick in die Statistik des 100:74-Auswärtssieges der Berliner am vergangenen Donnerstag wird deutlich, dass schon in Ludwigsburg die Verteidigung und das Einsammeln der gegnerischen Fehlwürfe entscheidend waren. Die Berliner hielten ihre Gastgeber mit ihrer druckvollen Verteidigung nicht nur bei einer Feldwurfquote von mageren 36 Prozent, sie sammelten anschließend auch die abprallenden Bälle zuverlässig ein. 43 Rebounds holte Alba insgesamt, Ludwigsburg lediglich 32.

Dies ist umso bemerkenswerter, da das Rebounding eigentlich die große Stärke der Mannschaft vom Neckar ist. „Ludwigsburg ist da eines der besten Teams der Liga“, sagt auch Baldi. Zuletzt wirkten die Berliner dem entgegen, indem sie auch das Rebounden angingen, wie sie derzeit alles angehen: als Team. Statt sich nur auf die langen Leute zu verlassen, arbeiten auch die Guards beim Ausboxen kräftig mit. Mit Ausnahme des kaum eingesetzten Bennet Hundt, holte in Ludwigsburg so zuletzt jeder Alba-Akteur mindestens zwei Rebounds.

Die Zeichen stehen gut

Von ähnlich großer Wichtigkeit wie das Rebounding selbst wird in Spiel drei auch das, was in der Regel auf einen Rebound folgt: die Offensive. Obwohl sie bei Alba zuletzt höchst selten Anlass zur Sorge gab, dürfte diese, sofern Baldis Prognose der sich aufbäumenden Ludwigsburger tatsächlich eintritt, am Sonntag zusätzlich herausgefordert werden. „Wir dürfen uns da nicht aus dem Konzept bringen lassen“, predigt Baldi.

Zuletzt gelang das hervorragend. In sieben Play-off-Spielen bisher erzielte Alba mindestens 85 Punkte, viermal waren es gar 100 oder mehr Zähler. Beeindruckend. In Kombination mit der zuletzt starken Defensive herrschen also beste Voraussetzungen für den Finaleinzug. Allen Mahnungen und Warnungen Marco Baldis zum Trotz.