Auf einmal wurde es laut in der Trainingshalle von Alba Berlin. Plötzlich wurde gebrüllt, die Hände zu Fäusten geballt, und Center Dennis Clifford, der wie seine Kollegen von der Bank aufgesprungen war, posierte mit angespannten Muskeln in bester Arnold Schwarzenegger-Manier.

Anlass für den emotionalen Ausbruch: Ein spektakulärer Dunking von Tim Schneider während des jüngsten und finalen Berliner Testspiels gegen Bayreuth am vergangenen Sonnabend. Kraftvoll hatte Schneider da einen vom Ring abgeprallten Fehlwurf eines Kollegen in den Korb gestopft, ohne zwischendurch zu landen und ohne jeden Respekt vor seinen verdutzten Bayreuther Gegenspielern.

Tim Schneider ist selbstbewusst. Nicht ohne Grund. Der 20-jährige Berliner hat in den vergangenen Monaten eine überraschend steile Entwicklung hingelegt und sich eine elementare Rolle in der diesjährigen Kaderplanung von Alba Berlin verdient.

Für Schneider dürften die diesjährigen Sommermonate die vielleicht ereignisreichsten seines bisherigen Lebens gewesen sein. Er bestritt eine überzeugende Saison beim Kooperationspartner Lok Bernau, unterzeichnete danach einen Drei-Jahres-Vertrag bei Alba, reiste zur U 20-EM und startete sogleich in seine erste Saisonvorbereitung als professioneller Basketballspieler.

Schneider fing mit neuen Jahren mit dem Basketballspielen an

Und weil Schneider ganz nebenbei im August auch noch seine erste eigene Wohnung bezog, klingt es nur logisch, wenn er sagt: „Die letzten Wochen liefen sehr gut, waren aber auch sehr anstrengend.“

Die Grundlagen für den spannenden diesjährigen Sommer wurden vor mittlerweile elf Jahren in Kleinmachnow am Rande von Berlin gelegt. „Da habe ich mit neun Jahren bei Stahnsdorf angefangen, Basketball zu spielen“, erinnert sich Schneider.

Es folgte der typische Weg eines Berliner Talents: Nachdem er sich bei der RSV Eintracht für die Auswahl der besten Berliner Basketballer seines Jahrgangs empfohlen hatte, wechselte er erst zur siebten Klasse auf das renommierte Schul- und Leistungssportzentrum Berlin und 2011 schließlich in das Jugendprogramm von Alba Berlin.

Dort gewann der 2,08 Meter große Forward nicht nur 2014 die deutsche U19-Meisterschaft, sondern entwickelte sich zeitgleich zu dem Spieler, der auch den neuen Alba-Trainer Alejandro Reneses ins Schwärmen bringt: „Tim hat mich positiv überrascht“, erklärte die spanische Trainerlegende kürzlich und lobte seinen Schützling neben seiner starken Form vor allem für seine sehr gute Einstellung.

„Tim ist unser zweiter Power Forward“

Dass Schneider in Training und Spielen ebenso motiviert wie intensiv agiert und arbeitet, dürfte auch mit der glänzenden Perspektive zusammenhängen, die sich ihm derzeit bietet. So haben ihn die Verantwortlichen bei Alba nach nur einer Saison bei Bernau in der ProB zum vollwertigen Bundesligaspieler befördert. Um zu erkennen, dass ihn dort nun mehr als nur die Rolle des Bankdrückers erwartet, reicht ein Blick auf den aktuellen Kader der Hauptstadtbasketballer.

Was da auffällt ist, dass Schneider einer von nur vier Spielern auf den Positionen Power Forward und Center ist, die fest für den Profikader eingeplant sind. „Tim ist unser zweiter Power Forward“, sagt auch Sportdirektor Himar Ojeda. Man habe alles für Schneider aufbereitet und gebe ihm eine große Chance, sagt Ojeda: „Das ist das, was wir als Klub tun können, jetzt liegt es an ihm hart zu arbeiten, sich zu entwickeln und auch zu performen.“

Daran, dass Schneider gewillt ist, die ihm gegebene Chance zu nutzen, besteht kein Zweifel. Auch hat er gewissermaßen schon einen Plan, wie er sich in der Mannschaft etablieren will: Mit Einsatz und viel Training.

Der Nachwuchsspieler hat das nötige Selbstvertrauen

„Als junger Spieler musst du immer einhundert Prozent geben, da gibt es keine Momente, in denen die halbe Kraft reicht“, sagt er, und fast klingt er wie sein Sportdirektor, wenn er anfügt: „Es liegt an mir: Wenn ich hart arbeite, wird es eine gute Saison für mich.“

Bei Alba jedenfalls wäre man froh, sollte sich Schneider in der Bundesliga etablieren. Nicht nur, weil man dann einen fähigen zweiten Power Forward in seinen Reihen hätte, sondern vor allem auch, weil Schneider ein Produkt eben jener Jugendarbeit ist, auf welche die Berliner so viel Wert legen.

Was die Verantwortlichen schon jetzt positiv stimmen dürfte ist, dass ihre Nachwuchshoffnung das nötige Selbstvertrauen zu haben scheint. „Das ist eine Riesenchance für mich, die ich jetzt auch nutzen werde“, sagt Schneider. Der Dunking vom Wochenende war ein guter Anfang.