Berlin - Die sportlich Verantwortlichen bei Alba Berlin hätten am Dienstagabend sicherlich viel lieber über den deutlichen 101:63-Sieg gegen Frankfurt gesprochen. Das beherrschende Thema rund um den deutschen Meister war jedoch ein ganz anderes: die Personalie Oscar da Silva. Der Center hätte eigentlich zum Saisonstart mit Ludwigsburg gegen Hamburg spielen sollen. Doch der gebürtige Münchner hatte kurzfristig einen anderen Plan geschmiedet und diesen seinem Trainer auf ungewöhnlichem Weg mitgeteilt. „Ich habe heute um 16.30 Uhr eine Nachricht gekriegt, dass Oscar auf seinem Weg nach Berlin ist. Das ist das erste Mal, dass mir ein Spieler ohne Verhandlungen oder Papierarbeit eine Nachricht schickt, dass er auf dem Weg zu einem anderen Verein ist“, sagte John Patrick gegenüber der Ludwigsburger Kreiszeitung.

Eigentlich möchte da Silva in die NBA. Nach einem Sommer in den USA, wo er in der Summer League spielte und an mehreren Camps teilnahm, kehrte er zurück nach Deutschland und machte von seiner Ausstiegsklausel keinen Gebrauch. Zumindest nicht bis zum vergangenen Wochenende und der Überlegung, bei Alba Berlin anheuern zu wollen. Von seinem Berater war er „uns angeboten worden. Uns wurde gesagt, dass er frei ist. Wir haben auch keinen Grund, an dieser Aussage zu zweifeln“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi nach dem Sieg gegen Frankfurt.

Und natürlich passt Oscar da Silva auch nahezu perfekt in das aktuelle Anforderungsprofil der Berliner. Da Johannes Thiemann, Christ Koumadje und Kresimir Nikic weiterhin verletzt fehlen, hat Alba akuten Bedarf auf der Center-Position und würde mit dem 23-Jährigen nicht nur eine Alternative unter dem Korb, sondern durch dessen deutscher Staatszugehörigkeit auch auf dem Spielberichtsbogen einen Zuwachs auf der Habenseite der deutschen Spieler verzeichnen können. Da Silva wiederum könnte mit Berlin in der Euroleague nicht nur auf höchstem Niveau spielen, sondern eine ähnliche sportliche Entwicklung nehmen, wie sie in den vergangenen Jahren bereits viele andere talentierte Spieler genommen haben. Es könnte eine Win-win-Situation sein, wäre da nicht die dann scheinbar doch nicht ganz geklärte vertragliche Situation.

Da Silvas Manager Jan Rohdewald sieht seinen Klienten dabei im Recht, sprach gegenüber den Stuttgarter Nachrichten davon, dass es durch die Ausstiegsklausel „keine zeitliche Einschränkung für einen Wechsel gegeben“ habe und Ludwigsburg bei einem Wechsel zudem eine festgeschriebene Ablösesumme erhalte. Bei Alba Berlin hält man sich zurück und wartet ab. „Das ist eine Angelegenheit zwischen Ludwigsburg und ihm, die jetzt von der BBL geklärt wird. Wir sind uns mit den Spieler einig, doch wenn er keine Freigabe erhält, ist das obsolet und wir nehmen Abstand davon“, sagte Baldi.