Maodo Lo wechselt zum  Deutschen Meister Alba Berlin.
Foto: Imago Images

BerlinAuf den ersten Blick hatten beide Meldungen nichts miteinander zu tun. Außer dass sie zeitgleich für Aufsehen in Berlin sorgten. Maodo Lo wechselt vom FC Bayern Basketball zum Deutschen Meister Alba Berlin. Der 27 Jahre alte Point Guard unterschrieb einen Vertrag über eine Spielzeit. Das war die eine Nachricht. Die andere betraf Aito Garcia Reneses. Der 73 Jahre alte Coach bleibt Alba erhalten. Das haben jedenfalls spanische Medien gleichlautend berichtet.

Lo und Reneses, das könnte passen. Beide wissen, was sie aneinander haben. Der Spieler bekommt einen Trainer, der das Potenzial von Profis zu bergen versteht wie kaum ein anderer. Und der Trainer bekommt einen Spieler, der eben dieses Potenzial besitzt.

Maodo Lo spielt in Berlin vor

Kurz vor Weihnachten erst demonstrierte Maodo Lo in seiner Heimatstadt Berlin seine Fähigkeiten. Es war das Duell der Euroleague, in dem der Regisseur zur Schlüsselfigur für die Münchner wurde. Zwei Dreier versenkte er im Korb von Alba Berlin in den letzten Sekunden, erzwang so eine Verlängerung und machte den Sieg möglich. 9,0 Punkte hat Lo in der abgebrochenen europäischen Saison durchschnittlich erzielt, 3,3 Assists gingen auf sein Konto. In der Bundesliga waren seine Werte mit 8,0 Punkten und 3,4 Assists ähnlich.

Maodo Lo war von den Spielmachern der Münchner derjenige, der sich am besten auf internationalem Parkett präsentierte. Nicht lautstark, aber effizient. Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic hätte seine Nummer eins unter den Regisseure gern behalten. „Wenn er will, kann er seinen Vertrag sofort verlängern. Für fünf Jahre“, zitierten Münchner Zeitungen den Manager.

Was er will, war für Lo schwierig herauszufinden: „Die Zeit des Überlegens war wirklich sehr schwierig“, sagte Lo laut FC Bayern. Doch: „Inmitten dieser verrückten und ungewissen Zeit in Kombination mit einigen familiären Umständen bei mir ist es viel wert für einen Berliner Jungen wie mich, zu Hause zu sein.“ Im vergangenen Sommer starb sein älterer Bruder Lamine bei einem Unfall.

Und Alba zitierte den Neuen so: „Meine Familie und meine Freunde sind mir sehr wichtig, und sie jetzt dauerhaft in meinem Umfeld zu haben, ist neu für mich in meiner Profikarriere und etwas, worauf ich mich sehr freue.“

Es war wohl weniger eine Entscheidung gegen München und den neuen Bayern-Chefcoach Andrea Trinchieri, den Maodo Lo aus seiner Zeit in Bamberg kennt. Es war eine Entscheidung für Berlin und Aito Garcia Reneses: „Ich kenne die Alba-Philosophie aus den letzten Jahren und es hat mir immer sehr gefallen, mit welcher Begeisterung und wie attraktiv das Team gespielt hat.“ Schnell, offensiv, mit jungem, talentiertem Personal.

Eine Philosophie, die nicht mit dem Trainer steht und fällt, sondern die auch auf Sportdirektor Himar Ojeda zurückgeht. Der hat den 27 Jahre alten Regisseur nach Berlin gelotst – und könnte demnächst für weitere Nachrichten sorgen.