Wenn man Johannes Thiemann in den vergangenen Tagen nach seinem Gemütszustand fragte, hatte der Basketballer von Alba Berlin je eine logische und eine gänzlich untypische Antwort parat: Die „große Vorfreude“ Thiemanns auf die Finalserie der Basketball-Bundesliga (BBL), in der Alba ab Freitag (20.30 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) gegen den FC Bayern München seine dritte Meisterschaft in Serie klarmachen will? So weit, so erwartbar. Dass Albas Forward sich aber auch „sehr ausgeruht“ fühlt? Das ist höchst ungewöhnlich.

Nach knapp 80 Spielen in der laufenden Saison hatte Albas Mannschaft vor dem Saisonhöhepunkt zuletzt ganze sechs Tage spielfrei. Genug Zeit, die müden Beine zu schonen und sich dann mit neuer Energie auf die Best-of-Five-Finalserie, in der es drei Siege zur Meisterschaft braucht, vorzubereiten. Hauptgrund für diesen Luxus: Albas beeindruckende Konstanz der vergangenen Monate. Sie hat die Berliner zuletzt zu 16 Siegen in Serie geführt. Eine Konstanz, für die Johannes Thiemann und sein Kollege unter dem Korb, Ben Lammers, symbolisch stehen – wenn auch jeder auf seine ganz eigene Art.

Thiemann lobt Lammers’ exzellentes Timing

Da wäre zunächst die sportliche Beständigkeit des Duos. Im Falle von Thiemann reicht ein Blick auf dessen Statistiken, um diese zu erkennen: Mit 13,6 Punkten pro Spiel ist er Albas Topscorer in den Play-offs. Dazu holte er bislang pro Partie mindestens fünf Rebounds (7,8 im Schnitt) und glänzt zuverlässig auch durch seine Effektivität. Alba-Trainer Israel Gonzalez kann sich schon lange darauf verlassen, dass Thiemann Spiel für Spiel einen Weg findet, mit konstant hohem Einsatz zum Berliner Erfolg beizutragen. „Mit der Euroleague-Doppelbelastung gewöhnst du dich daran, jeden Abend Leistung bringen zu müssen“, meint der 28-Jährige und ergänzt: „Wenn der Wurf mal nicht fällt, versuche ich halt noch besser zu verteidigen und noch mehr Rebounds zu holen.“

Verteidigung und Rebounds – zwei Stichworte auch für Ben Lammers: „Defensiv ist Ben unglaublich“, sagt Thiemann über seinen Kollegen, der noch dazu einen beeindruckend sicheren Wurf aus der Mitteldistanz besitzt. Allen voran Lammers’ exzellentes Timing beim Blocken gegnerischer Würfe begeistert Thiemann: „Er sieht nicht aus, als ob er überhaupt jemanden blocken kann. Aber plötzlich ist er innerhalb einer Millisekunde über Ringniveau.“ So wie im Finale des Vorjahres, als Lammers kurz vor Schluss mit gleich zwei Blocks gegen die Bayern Albas Meisterschaft sicherte.

Spricht man den 26-Jährigen ein Jahr später hierauf an, antwortet er mit einem verhaltenen Lachen: „Es macht natürlich Spaß, in wichtigen Momenten Würfe zu blocken.“ Der Amerikaner sagt diesen Satz mit einer Stimme, die so ruhig klingt, wie sein Gesicht während Albas Spielen aussieht. Es ist nahezu unmöglich, aus Lammers’ immer gleichen Zügen Emotionen abzulesen. Während etwa Thiemann nach gelungenen Aktionen gerne mal lautstark feiert, trottet Lammers selbst nach seinen spektakulärsten Blocks und Dunks scheinbar unberührt übers Feld. „Die ruhige Art ist einfach mein Naturell“, sagt der Center. Unaufgeregte Konstanz auf dem Parkett und abseits davon.

So machen sich Albas andere Akteure gelegentlich nicht nur darüber lustig, dass „Ben gefühlt nur im äußersten Notfall den Mund aufmacht“, wie der stets außerordentlich kommunikative Thiemann sagt, sondern auch über dessen Freizeitbeschäftigung. Der studierte Ingenieur für Maschinenbau ist keiner, der sich den ganzen Tag mit Basketball befasst. „Ich genieße es, Basketball zu spielen“, sagt Lammers, „aber mir ist es wichtig, meinen Fokus auch mal auf etwas anderes zu richten.“ Etwa aufs Ingenieurwesen oder das Zusammenbauen unterschiedlichster Lego-Sets. „Ich habe letztes Weihnachten nichts anderes geschenkt bekommen“, sagt Lammers mit einem Lachen und berichtet von komplexen „Star Wars“-Konstruktionen aus tausend Teilen.

Albas Mischung aus unterschiedlichen Typen stimmt

Es ist diese Mischung unterschiedlicher Typen, die Albas Mannschaft sportlich und menschlich ausmacht. „Es würde nicht funktionieren, wenn wir nur Leute wie JT oder nur Charaktere wie mich im Team hätten“, ist sich Lammers sicher. Johannes Thiemann ergänzt mit Blick auf das Basketballerische: „Unsere Variabilität ist ein Riesenvorteil.“ Die Skillsets und Stärken der einzelnen Spieler machen Alba schwer ausrechenbar. „Der gegnerische Big Man sinkt viel ab? Alles klar, wir bringen Ben und der trifft einen Wurf nach dem anderen. Der Center ist körperlich etwas schwächer? Dann geh ich ins Post-up“, erklärt Thiemann.

Das Konzept geht auf. Pünktlich zum vierten Meisterschafts-Finalduell mit dem FC Bayern in den vergangenen fünf Jahren hat Alba seine Bestform gefunden. Angesichts dreier Niederlagen gegen die Münchener in der laufenden Saison bei nur einem Alba-Sieg wird es sie im Endspiel auch brauchen – die Bestform und die beeindruckende Beständigkeit.