Die Fenster sind geöffnet. Stefan Peno hat es gleich bemerkt, als er die Trainingshalle betrat. Er hat Albas Assistenzcoach Thomas Päch darauf hingewiesen, der aber gerade nicht kann, weil er mit Nachwuchsspielern eine Angriffssituation durchexerziert. Also geht Stefan Peno zurück in den Vorraum, verschwindet hinter einer Tür. „Zutritt verboten“ steht darauf. Schalter klicken bis nebenan in der Halle ein Summen einsetzt und sich die Fenster automatisch schließen. „So ist es gut“, sagt der 20-Jährige und grinst. Dann beginnt er, sich auf die abendliche Übungseinheit vorzubereiten.

Albas Stefan Peno

Stefan Peno ist es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Schon von Berufs wegen. Als Point Guard lenkt er das Spiel. Und als ein hochbegabter Basketballer mit Ambitionen steuert er seine Karriere auf dem bestmöglichen Weg.

Er hat bei Alba einen Dreijahresvertrag unterschrieben, kam leihweise vom FC Barcelona, „weil dort viele gute Spieler sind und man manchmal nicht die Einsatzzeit bekommt, die man verdient“. Peno sagt: „Für mich ist es wichtig, Erfahrung zu sammeln. Deshalb bin ich hier.“

Deshalb wird er am Sonntag im Spitzenspiel beim FC Bayern auf dem Parkett stehen (17.30 Uhr, Telekom Sport). Der Serbe wird auf seinen Landsmann Stefan Jovic treffen. Die beiden stehen für das Duell Alba gegen Bayern. Jovic ist 27 Jahre alt und Nationalspieler. Er hat 2016 bei Olympia in Rio mit Serbien Silber gewonnen. 

Stefan Jovic vom FC Bayern

Jovic ist das, was Albas Geschäftsführer Marco Baldi „gestandene Profis“ nennt. Profis, für die ein Klub tiefer in die Tasche greifen muss. Baldi sagt: „Aber dafür müssen sie performen.“ Und das tun sie. Baldi sagt: „Kann sein, dass einer mal einen schlechten Tag hat, aber unter ein bestimmtes Niveau fallen sie nie.“

Jovic spielt 19,29 Minuten durchschnittlich pro Partie. Münchens Trainer Sasa Djordjevic verfügt über Alternativen bei den Guards, die 28-jährigen Braydon Hobbs und Vladimir Lucic etwa. Für Amar Gegic bleiben nur rund vier, für Georg Beyschlag sechs Minuten.

Beide sind 20, so alt wie Peno also. Den lässt Albas Trainer Aito Garcia Reneses im Schnitt 18:22 Minuten spielen. Er ist ein wichtiger Teil der Rotation und stand im Fokus, als Albas erster Point Guard Peyton Siva ausfiel. Wobei Peno betont: „Ich will keine Geschenke, ich will mir meine Minuten verdienen.“

Das tut er. Seine Statistik ist gegenüber der von Jovic und angesichts des Alters beachtlich. 4,8:4,6 steht es bei den Punkten im Fernduell Peno-Jovic, 3,8:4,7 bei den Assists, 2,3:2,1 bei den Rebounds.

Einsatzzeiten für Talente unter 22 Jahren

„Wir wollen Spieler entwickeln“, sagt Baldi, „wollen zugleich mit finanzstärkeren Klubs konkurrieren können.“ Bei den Einsatzzeiten für Talente unter 22 Jahren liegt Berlin auf Platz zwei der Bundesliga. Gotha führt mit rund 1300 Minuten, Alba kommt insgesamt auf gut 860, vor allem dank Power Forward Tim Schneider (346) und Peno (440), der hinter dem Gothaer Andreas Obst und Frankfurts Isaac Bonga Platz drei der U22-Dauerläufer belegt.

Die Minuten sind ein Argument, das Umfeld ein anderes. „Die Infrastruktur ist hier sehr gut“, sagt Peno. „Es gibt einen Individualtrainer, einen ganzen Stab von Spezialisten.“ Und es gibt Chefcoach Reneses selbst. „Er will dich in allen Bereichen verbessern und schafft das mit großer Geduld.“

„Wer weiß schon, was die Zukunft bringt“

Irgendwann wird Peno so gut sein, dass reiche Klubs ihn haben wollen. Der FC Barcelona könnte ihn schon im Sommer zurückfordern. Ein Passus im Leihvertrag ließe das zu. „Aber ich werde jetzt keine Prognosen abgeben“, sagt Baldi. In Barcelona herrschte zuletzt Unruhe. Svetislav Pesic übernahm als Cheftrainer. „Es ist unklar, ob die Stefan im Blick haben.“

„Wer weiß schon, was die Zukunft bringt“, meint Peno. „Vielleicht gehe ich zu einem ganz anderen Klub. Oder ich bleibe mein Leben lang bei Alba.“ Er hat es zwar selbst in der Hand, aber wahrscheinlich ist das trotzdem nicht.