Berlin - Himar Ojeda war am Montag trotz Reisestress bei bester Laune. Gerade erst war Albas Sportdirektor mit seiner Mannschaft nach einer achttägigen Auswärtsreise mit den Stationen St. Petersburg, Moskau und Ulm wieder in Berlin gelandet, da diktierte er hörbar glücklich und fast ein wenig aufgeregt in das Telefon: „Das ist riesig für uns als Klub, ein Gamechanger.“

Zwei Jahre Planungssicherheit für Alba Berlin

Grund für die überschwängliche Freude Ojedas war eine Nachricht, welche die Euroleague am Montag verlauten ließ. Auf ihrer Website verkündete diese, dass der Vorstand des sogenannten Euroleague Commercial Assets (ECA) Alba Berlin auch für die kommenden zwei Spielzeiten mit einer Wildcard für die europäische Beletage des Basketballs ausgestattet hat. Ein Beschluss, der weit mehr tut, als Ojeda den Tag vor dem Bundesligaheimspiel am Dienstag gegen Oldenburg (19 Uhr/MagentaSport) zu versüßen: Die Wildcard sorgt bei Albas Verantwortlichen für Planungssicherheit, macht den Klub auf dem Spielermarkt so noch attraktiver und dürfte endgültig den Weg für eine dauerhafte Teilnahme an der Euroleague ebnen.

Die Entscheidung der Euroleague, Alba sich weiterhin mit Mannschaften wie Real Madrid, Anadolu Istanbul oder dem FC Barcelona messen zu lassen, hatte sich bereits angedeutet. Seit Jahren spricht ihr Präsident Jordi Bertomeu in höchsten Tönen von Alba. Zuletzt betonte er im vergangenen Sommer, dass man „auf einem sehr guten Weg“ sei, Alba auch längerfristig in den erlesenen Kreis der Euroleague-Teams aufzunehmen. Sein spanischer Landsmann Ojeda erklärt den Grund für die Lobhudeleien, indem er sagt: „Wir erfüllen alle Kriterien, die die Euroleague an ihre Klubs stellt.“

Es ist kein Geheimnis, dass die Euroleague bei ihrem Bestreben nach Wachstum auch auf andere Aspekte als nur den sportlichen schaut. Beispielsweise, ob ein Klub in einer Metropole zu Hause ist, ob er strukturell und finanziell aufgestellt ist und ob er seine Heimspiele in einer großen Arena austrägt. Alba erfüllt all diese Anforderungen, ist als Sozialakteur tief in Berlin verwurzelt und zusätzlich auch noch sportlich erfolgreich.

Die Attraktivität des Klubs steigt

Alba als Klub profitiert enorm: Allen voran bei der sportlichen und finanziellen Planung der nächsten Jahre. Zum einen, weil man nun fest mit den finanziellen Vorteilen, die eine Teilnahme an der Euroleague gegenüber der am Euro-Cup mit sich bringt, kalkulieren kann. Zum anderen, weil die Attraktivität des Klubs noch einmal steigt und man in Vertragsverhandlungen – sowohl mit Sponsoren als auch mit den eigenen und potenziellen neuen Spielern – die große Bühne Euroleague nun für zwei Jahre garantieren kann. „Jetzt zwei Jahre Planungssicherheit zu haben, ist großartig“, sagt Ojeda.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi spricht gar davon, dass die Wildcard ein „Meilenstein“ in der Entwicklung Albas sei. Was im ersten Moment vielleicht sehr monumental klingt, wird spätestens dann verständlich, wenn man die Entwicklung des FC Bayern und die von Asvel Villeurbanne aus Frankreich betrachtet: Nachdem die beiden Klubs vor zwei Jahren ebenfalls mit einer Wildcard ausgestattet wurden, will die Euroleague sie nun in den kommenden Wochen mit einer A-Lizenz final zu dauerhaften Teilnehmern und Anteilseignern machen. „Sie haben bewiesen, dass der Weg zu einer A-Lizenz über die zweijährige Wildcard geht“, sagt Himar Ojeda, der bestätigt, dass man bei Alba hoffe, 2023 ebenfalls eine solche A-Lizenz zu bekommen.

Die Chancen stehen gut. Auch weil Alba in der aktuellen Saison auch sportlich endgültig in der Euroleague angekommen ist. Trotz des, laut Ojeda, „kleinsten Budgets der Liga“ und großen Verletzungspechs ist Alba selbst gegen die größten europäischen Klubs mittlerweile wettbewerbsfähig. Davon zeugen nicht nur Siege über Teams wie Fenerbahce Istanbul und ZSKA Moskau, sondern auch die Anerkennung, die Albas Team und dessen Spielweise selbst von gegnerischen Trainern und Spielern regelmäßig erfährt.

Dass Ojeda sich über diese Art des Lobes und insbesondere auch den Erhalt der Wildcard ehrlich freut, ist ihm deutlich anzumerken, wenn man mit ihm spricht. Diese sei schließlich nicht nur eine große Chance, sagt er dann, „sondern auch eine Anerkennung für die Arbeit, die hier in den letzten Jahren geleistet wurde“.