Berlin - Es war eine kleine Sensation, die sich um exakt 15.04 Uhr in der Arena am Ostbahnhof ereignete: Keine drei Minuten waren zwischen Alba Berlin und den Niners Chemnitz gespielt, als Alba-Coach Aito Garcia Reneses beim Stand von 2:6 eine Auszeit nahm. Wer den Spanier kennt, weiß, dass er dies nur höchst ungern tut, insbesondere so früh im Spiel. Aber die ungewohnte Maßnahme zeigte Wirkung: Knapp zehn Spielminuten lang hinderten die Berliner ihre Gäste im Anschluss am Punkten, zogen schnell auf 19:6 davon und legten so den Grundstein für den 83:65-Sieg, der ihnen anderthalb Stunden später zu Buche stand.

Vor dem ersten Duell zwischen Alba und Chemnitz überhaupt schienen die Rollen klar verteilt: der amtierende Meister und Pokalsieger gegen den Aufsteiger. Allerdings blieb die Frage, wie regeneriert Albas Akteure sowohl physisch als auch psychisch keine 48 Stunden nach der bitteren 95:101-Niederlage beim FC Bayern in der Euroleague sein würden. Eine Frage, die sich augenscheinlich auch Trainer Garcia Reneses stellte: So verzichtet er im wettbewerbsübergreifend schon 40. Saisonspiel bei der Auswahl seiner Starting Five auf zuletzt viel geforderte Leistungsträger wie Luke Sikma und Ben Lammers.

Marcus Eriksson bot bei Alba Anlass zur Freude

Spätestens als gleich eine Reihe unterschiedlicher Berliner Akteure Ende des ersten Viertels ihren Touch aus der Distanz fanden, wurde das erwartete Kräfteverhältnis auch tatsächlich Realität. Das Klatschen und die lobenden Zwischenrufe hallten – statt von der Chemnitzer Bank – jetzt aus Albas Reihen in die Arena. Insbesondere Top-Scorer Marcus Eriksson (20 Punkte) bot Anlass zur Freude: Ein ums andere Mal schlängelte er sich um die indirekten Blöcke seiner Mitspieler, kam so zu zahlreichen guten Wurfmöglichkeiten und verwandelte fünf Dreier.

Und weil auch besagte Mitspieler in der zweiten Halbzeit offensiv zunehmend ihren Rhythmus fanden und defensiv weiter sicher standen, zog Alba Stück für Stück davon. Am Ende ergab dies nicht nur den 13. Sieg im 14. Bundesligaspiel, sondern auch die aus Alba-Sicht richtige Reaktion – auf die Niederlage vom Freitag und die ungewöhnlich frühe Auszeit.