Berlin - Die reinen Zahlen auf dem Bogen waren erst einmal ziemlich unauffällig: vier Punkte und fünf Rebounds in Spiel eins, sechs Punkte und gar nur ein Rebound in der zweiten Playoff-Partie. Und doch hat Christ Koumadje der Serie gegen die Hamburg Towers seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Der Center von Alba Berlin hat sich in den ersten beiden Partien zum X-Faktor entwickelt. Sollte der deutsche Meister am Montag (18 Uhr, Magentasport) mit einem weiteren Sieg in Hamburg das Halbfinale erreichen, hat der 2,21 Meter große Spieler aus dem Tschad einen riesigen Anteil daran.

Christ Koumadje nimmt defensiv großen Einfluss

Vor allem in der Defensive ist er, nachdem mit Luke Sikma und Johannes Thiemann zwei Leistungsträger in dieser Serie bislang verletzt zuschauen mussten, ein wichtiger Anker. „Er hat auch schon in den Spielen davor gezeigt, dass er sehr wertvoll sein kann“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi nach Spiel eins. Dieser Wert spiegelte sich dort auch in drei geblockten Würfen auf dem Spielberichtsbogen wider. Aber auch darin, dass er Maik Kotsar auf niedrige Temperatur abkühlen ließ. Dabei war Hamburgs Center in den vier letzten Spielen der Hauptrunde gerade richtig heiß gelaufen, erzielte im Schnitt 22,8 Punkte und lag damit noch einmal sieben Zähler über seinem Wert für die gesamte Saison.

Koumadje und auch Ben Lammers ließen im ersten Spiel gerade einmal acht Punkte von Kotsar zu, vier davon erzielte der Hamburger erst im Schlussabschnitt, als die Partie schon längst entschieden war. Gerade einmal drei Zähler brachte der Towers-Center in knapp 31 Minuten Einsatzzeit in Partie zwei zustande, traf nur einen seiner sieben Wurfversuche.

Die mussten von Christ Koumadje nicht einmal mit einem Block verhindert werden. Allein seine Präsenz und seine langen Arme beeinflussten die Flugkurve des Balles. Immer dann, wenn der 2,21 Meter große Berliner Center die Arme noch oben genommen hatte und vielleicht sogar noch zum Blockversuch nach oben gesprungen war, konnte man deutlich sehen, wie Kotsar und die restlichen Hamburger ihre Würfe höher ansetzten, um den Block zu verhindern und den Ball im Korb unterbringen zu können. Mitte des zweiten Viertels in Spiel zwei hatten sie damit die größten Probleme. Für drei Minuten ging gar nichts, Alba legte einen 15:0-Lauf hin und machte aus einem 33:37-Rückstand eine 48:37-Führung.

Der 24-jährige Koumadje hatte daran einen großen Anteil. Und für seine defensive Arbeit wollten ihn seine Mitspieler offensiv gerne belohnen. „Sie suchen ihn jetzt immer, weil er ein Spitzentyp ist, weil sie ihn mögen, sie spüren, was er ihnen defensiv gibt und wollen ihn oft ins Spiel bringen. Aber das geht das halt manchmal nicht“, sagt Marco Baldi. Die hohen Anspiele sind manchmal noch etwas zu hoch angesetzt oder es fehlt teilweise noch das richtige Timing.

Hin und wieder gelingt es dann doch mal, und dann lässt es Christ Koumadje meist per Dunking krachen. In diesen Situationen sind die Möglichkeiten mit ihm als drittem Center zu erkennen. Doch natürlich ist das Offensivspiel mit ihm ein ganz anderes als mit Ben Lammers und Johannes Thiemann, die beweglicher, schneller und aus der Distanz treffsicherer sind. Der Angriff mit Koumadje hingegen ist „noch etwas statisch“, wie Marco Baldi sagt. Aber er kann eben auch ein neues Element im Spiel von Alba Berlin sein.

Marco Baldi: „Das muss sich alles einspielen“

Nicht nur der schnelle und attraktive Offensivwirbel, sondern ein etwas langsameres Positionsspiel mit einem 2,21-Meter-Leuchtturm, der nur schwer zu stoppen ist und den Gegner vor neue Aufgaben stellt. Christ Koumadje kann dem Spiel eine neue Ebene, eine Mehrdimensionalität geben, die in den vergangenen Jahren immer wieder vermisst wurde und vielleicht in dem einen oder anderen verlorenen Finale gutgetan hätte. Aber: „Natürlich braucht er mit uns mal eine komplette Vorbereitung, eine komplette Saison, dass er die Zeit hat, alles zu verstehen, alles zu wissen und dass seine Mitspieler auch genau wissen, was er kann. Das muss sich alles einspielen, das dauert, das kann man nicht abkürzen“, sagt Marco Baldi.

Und doch helfen auch jetzt schon jede Playoff-Serie, jedes Playoff-Spiel bei der Entwicklung weiter. Und vielleicht ist Christ Koumadje schon in dieser Saison der X-Faktor, den auf dem Weg zur Titelverteidigung niemand so recht auf dem Zettel hatte. Die Hamburger hat er jedenfalls schon zweimal vor eine unüberwindbare Aufgabe gestellt. Am Montag soll das aus Alba-Sicht ein weiteres Mal gelingen.