Frust am Schluss: Alba Berlins Spieler nach der Niederlage in der Euroleague gegen die Bayern.
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BerlinEs war die meist gestellte Frage an diesem Abend. Warum nur hatte Alba Berlin bei drei Punkten Vorsprung diesen Dreier von Maodo Lo nicht vorher schon durch ein Foul unterbunden? Von der Freiwurflinie hätte Münchens Aufbauspieler mit Berliner Wurzeln lediglich zwei Punkte erzielen und Alba die verbleibenden 2,8 Sekunden ausspielen können. Die Frage, ob man foult oder nicht, wurde in der Auszeit zuvor von Spielern und Trainer beantwortet. Man wollte, wie es für Teams unter der Leitung von Aíto García Reneses üblich ist, gut verteidigen, aber eben nicht foulen. „Das birgt halt gewisse Risiken und die haben voll zugeschlagen“, sagte Niels Giffey.

Reneses und die Tücke der Situation

Wäre es gutgegangen, wären der Kapitän und seine Teamkollegen auf Händen aus der Halle getragen worden. So aber gingen sie in die Verlängerung, verloren dort das Spiel und mussten sie sich für ihre Herangehensweise im letzten Angriff sowie die 76:77-Niederlage nach Verlängerung erklären.

Am Ende ist das eine Frage der Spielphilosophie. Schon die deutsche Basketball-Nationalmannschaft musste sich im September 2001 die Frage gefallen lassen, warum denn im Halbfinale der Europameisterschaft der letzte Angriff der Türken nicht mit einem Foul unterbunden und damit eine Verlängerung vermieden wurde. Im Unterschied zu Alba am Mittwochabend entschieden sich die Deutschen damals dafür, foulen zu wollen, bekamen es aber nicht hin und kassierten schließlich einen Dreier. „Es ist auch nicht immer einfach, in dieser Situation“, sagt Reneses. Der Alba-Trainer, der heute seinen 73. Geburtstag feiert, hat diese Frage schon mehrfach gestellt bekommen, lässt seine Teams aber in der Schlussphase nicht foulen, sondern verteidigen.

Man kann verschiedene Diskussionen um Freiwürfe, verpasste Rebounds und Ballverluste aufmachen, aber es geht nicht um den einen Grund. Den gibt es nicht.

Marco Baldi

Das im Nachgang als falsch und einzigen Grund für die Niederlage zu bezeichnen, wäre nicht richtig. Genauso könnte man schließlich die Frage stellen, warum Luke Sikma bei noch 2,8 Sekunden auf der Spieluhr ein hohes Anspiel unter den Korb auf Landry Nnoko versuchte und nicht auf die sicherere Variante eines kurzen Passes sowie den daraus möglichen Wurf setzte. Und hatte nicht Giffey mit Ablauf der Spielzeit in der Verlängerung noch einen völlig freien Wurf, den er nicht verwandelte?

„Man kann verschiedene Diskussionen um Freiwürfe, verpasste Rebounds und Ballverluste aufmachen, aber es geht nicht um den einen Grund. Den gibt es nicht“, sagte Marco Baldi zu später Abendstunde, „es gab so viele Rhythmen und so viele Möglichkeiten. Bis zum allerletzten Wurf, bis zur allerletzten Sekunde war es vollkommen offen. Und deshalb muss man es einfach akzeptieren.“

Albas Geschäftsführer war natürlich genauso enttäuscht. Nicht nur über die Niederlage. Denn: „Meistens kommt da auch nicht ein Unglück alleine. Was besonders wehtut, ist, dass Peyton Siva sich wieder verletzt hat“, so Baldi.

Wieder einmal soll es eine muskuläre Sache sein, die den Aufbauspieler erneut in dieser Saison zu einer Pause zwingt. Gegen die Bayern musste Siva in der zweiten Hälfte von der Bank mit ansehen, wie sein früherer Teamkollege Greg Monroe zweistellig punktete (17) sowie reboundete (10) und damit entscheidenden Einfluss auf die Partie nahm. Aber auch, wie mit Makai Mason ein aktueller Mitspieler in seinem bislang besten Spiel für Alba 17 Punkte erzielte und damit überhaupt dafür sorgte, dass man nach der Partie darüber diskutieren konnte, ob man kurz vor Ende hätte foulen sollen oder eben nicht.

An einem Abend mit bitterem Ausgang gingen diese Leistung und das Comeback von Johannes Thiemann freilich unter. Doch viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht: Bereits am Donnerstag ging die Reise nach Lyon, wo es im Stadtteil Villeurbanne schon Freitagabend (20.45 Uhr) in der Euroleague weitergeht.