Berlin - Am Wochenende wird in der Berliner Arena am Ostbahnhof im Rahmen des Top4 unter Alba, dem FC Bayern, Bamberg und Ludwigsburg der deutsche Basketball-Pokalsieger ermittelt. Mit dabei sind dann auch 25 Spieler mit deutschem Pass. Einer von ihnen ist Ismet Akpinar. Der 21-Jährige in Diensten von Alba Berlin gilt als eines der derzeit größten deutschen Point Guard-Talente. Im Interview spricht er darüber, wie schwer es ist, sich in der Bundesliga gegen etablierte Profis durchzusetzen.

Alba hat zuletzt etliche bittere Niederlagen einstecken müssen. Was rechnen Sie sich für das Top-Four-Turnier aus?

Wir gehen extrem hungrig in das Wochenende und spielen zu Hause mit Heimvorteil. Wenn wir am Sonnabend unseren bestmöglichen Basketball spielen, haben wir unsere Chance gegen die Bayern.

Worauf wird es ankommen?

Wir müssen es schaffen, deren Ballbewegung zu stoppen. Das Rebounding ist sehr wichtig, weil Bayern groß und athletisch ist. Offensiv müssen wir die Dinger rein machen.

Durch den Ausfall von Peyton Siva haben Sie zuletzt mehr Verantwortung. Wie gehen Sie damit um?

Ich versuche zu  beweisen, dass ich auf diesem Niveau spielen kann.

Gelingt Ihnen das?

Na ja, das letzte Spiel war gut von mir, das kann man ja mal auch so sagen (lacht). Auch die letzten Spiele habe ich eigentlich gut gespielt. Bitter ist, dass wir die Spiele alle verloren haben, so dass das dann in einem negativen Bild steht.

Ist diese Saison entscheidend für Sie?

Erstmal ist das mein letztes Vertragsjahr bei Alba. Ich habe hier für vier Jahre unterschrieben, kam als Jugendspieler und bin inzwischen ein etablierter Spieler in der Bundesliga. Das letzte Jahr in einem Vertrag ist immer etwas Besonderes.

Das letzte Jahr bei Alba? Beschäftigen Sie sich schon damit, was im Sommer passiert?

Ich weiß, dass es mein letztes Jahr ist, aber ich fokussiere mich jetzt erst mal auf die Spiele, die kommen, von den anderen Gedanken versuche ich mich nicht stören zu lassen.

Möchten Sie gern in Berlin bleiben?

Ich fühle mich super wohl hier, ich habe hier eine gute Entwicklung gemacht, liebe die Stadt und kann mich auch mit den Fans und dem Verein wirklich identifizieren. Wenn ich hier eine gute Rolle und ein gutes Angebot bekomme, ist Alba für mich erst mal der Favorit.

Gute Rolle heißt mehr Spielzeit?

Genau. Mehr Spielzeit, mehr Verantwortung. Ich habe viel, viel trainiert in den letzten Jahren und muss jetzt langsam auch Spielpraxis kriegen. Ich muss Fehler machen dürfen, Spiele gewinnen und Spiele verlieren. In diesen Momenten entwickelt man sich als Spieler und das wäre der nächste Schritt, der extrem wichtig ist.

Sind Sie zufrieden mit Ihrer bisherigen Entwicklung?

Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst, dass ich irgendwann mal zufrieden bin, ist eher selten. Aber man kann schon sagen, dass die Karriere mit 21 ganz gut läuft.

Manche Jugendspieler gehen ans College, andere  zu einem  kleineren Bundesligisten, um schon etwas Verantwortung zu tragen. Oder eben  direkt zu einem Spitzenklub. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Es ist lustig, ich habe mir damals genau diese Varianten überlegt. Ich habe meine Entscheidung zusammen mit Mithat Demirel getroffen, mit Albas damaligen Sportdirektor. Er meinte: „Wir wollen mit dir das Gesicht von Alba ändern und zeigen, dass Jugendspieler sich trauen sollen, auch zu größeren Vereinen zu kommen.“ Ich habe ihm vollkommen vertraut und hatte mit Sasa Obradovic drei Jahre einen guten Trainer, der mir als Aufbauspieler unglaublich viel beigebracht hat. Aber es gibt da keinen richtigen Weg. Viele wären wahrscheinlich daran gescheitert, wenn sie die ersten zwei Jahre gar nicht gespielt hätten. Sie hätten vielleicht gesagt: „Hier ist alles blöd, ich will irgendwo anders hin.“ Aber  wenn man sich durchbeißt und immer hart arbeitet, schafft man es auch bei einem großen Verein wie Alba Berlin.

Gab es denn Momente, in denen Sie dachten: Vielleicht hätte ich doch lieber einen anderen Weg gehen sollen?

Vor allem im zweiten Jahr. Ich dachte: Okay, ich sollte jetzt langsam mal anfangen zu spielen, ich kann es doch eigentlich, warum passiert jetzt nichts? Im Grunde blieb ich ein reiner Trainingsspieler, aber ich habe mir immer wieder gesagt: „Hey, ich beiß mich hier jetzt durch!“

Wann hatten Sie schließlich das Gefühl, bei den Profis angekommen zu sein?

Der Knackpunkt war in der vergangenen Saison. Da habe ich  dann auch wirklich gute Spiele gemacht, stand lange auf dem Feld und war auch mal Topscorer. Da habe ich gemerkt, dass ich auf diesem Niveau echt mitspielen kann.

Sie sind ein gutes Beispiel, dass sich deutsche Spieler in der Bundesliga durchsetzen können. Wie ist die Situation der Deutschen bei den anderen Klubs?

Die Einführung der 6+6 Regel war  ein wichtiger Schritt. Man sieht aber trotzdem immer mal wieder, das die Teams mit sechs Ausländern und nur einem Deutschen spielen. Wenig deutsche Spieler haben wirklich Verantwortung.  Bisher haben nur eine Handvoll Spieler Führungsrollen: Per Günther, Daniel Theis und Maxi Kleber fallen mir da spontan ein. Da müssen  mehr kommen.

Wie könnte das gehen?

Das ist schwierig. Da muss vor allem das Vertrauen von den Vereinen und von den Trainern kommen. Eine Regel, dass immer mindestens zwei Deutsche auf dem Feld stehen müssen, wäre  eine Möglichkeit,  zumindest in der Bundesliga. Aber ohne richtige Jugendarbeit gibt es später keine Profis. Ich kenne jetzt die Programme von Bamberg und München nicht, aber wenn es mehr Vereine so wie Alba machen würden, sähe das Ganze anders aus.

Hat sich in den vergangenen Jahren schon was getan?

Man sieht, dass die Jugend-Nationalmannschaften international wirklich mitspielen. Der 98er Jahrgang ist extrem stark.

Das heißt, dass beim Top4 in drei, vier Jahren noch mehr deutsche Spieler zu sehen sind?

Wie gesagt: Wenn man hart arbeitet, kann man das schaffen.