Der Empfang war bereits wenig herzlich, die Verabschiedung stand dem nicht nach. Mit Pfiffen wurden die Spieler des FC Bayern München in der Arena am Ostbahnhof am Mittwochabend begrüßt, Luftballonschlangen auf die Seite der Halle verfrachtet, auf die die Gäste zuerst spielten um sie zu irritieren. Schnell war eine Lautstärke von über 100 Dezibel zu messen, 0,8 Sekunden vor dem Ende war es aber plötzlich ruhig, das Spiel entschieden. Und Alba Berlin musste sich kurz darauf mit 77:82 im zweiten Play-off-Spiel der Finalserie gegen geschlagen geben, liegt damit 0:2 hinten.

Am Tag der Zeugnisübergabe in Berlin ging auch Franz Wagner nicht leer aus. Für den 17-Jährigen gab es einen Platz in der Startformation des zweiten Finalspiels. Neben Dennis Clifford verzichtete Trainer Aito Garcia Reneses diesmal zudem noch auf Joshiko Saibou. Die Änderungen sollten sich bezahlt machen.

Wie schon in Spiel eins erwischte Alba einen sehr guten Start, ging mit dem ganz eigenen Alba-Stil zu Werke: Schnelles Spiel, schnelle Abschlüsse, hohe Intensität in der Verteidigung. Spektakuläre Abschlüsse, wie der Alley-Oop-Dunking von Landry Nnoko, der die Lautstärke in der Halle auf über 110 Dezibel hochschießen ließ. Doch anders als bei der Niederlage in München konnten die Berliner ihr Level diesmal über die vollen zehn Minuten hoch halten.

Qualität im Bayern-Kader

Stück für Stück bauten sie ihre Führung aus, nach einem Zweier von Niels Giffey hatte Alba beim 20:10 den Vorsprung erstmals in einen zweistelligen Bereichen gebracht. 73 Prozent Wurfquote, 9:4 Rebounds, dazu 7:3 Assists und eine 25:15-Führung nach dem ersten Viertel. Alle Werte sprachen für die Gastgeber, aber eben auch dafür, dass das vermutlich nicht so bleiben würde. Zu viel Qualität steckt schließlich im Kader der Münchner.

Und genau das stellte dieser im zweiten Viertel unter Beweis. Mit einer höheren Intensität in der Verteidigung wurden Ballverluste auf Seiten der Berliner erzwungen, gingen im ersten Viertel nur zwei von sechs Dreiern im Korb, so gingen diesmal gleich die ersten beiden Distanzwürfe rein. Bayern München war auf 21:25 ran, das Spiel wieder völlig offen.

Keine Auszeit für die Zuschauer, erst recht nicht, wenn Vladimir Lucic auch nur in der Nähe des Balles war. Immer dann, wenn das der Fall war, ging die Lautstärke noch einmal nach oben, war konstant im dreistelligen Bereich. Erst recht, als Lucic mit seinem dritten Foul auf die Bank musste. Sein Team konnte auch ohne ihn den Druck hoch halten, Maodo Lo und Petteri Koponen strahlten mit jeweils zwei Dreiern Gefahr aus der Distanz aus, Devin Booker war unter dem Korb schwer in den Griff zu bekommen, erzielte zwölf Punkte. Mit einer knappen 46:45-Führung ging es für beide Teams in die Kabinen.

Die Bayern wurden dorthin mit Pfiffen begleitet und natürlich mit solchen empfangen, als sie wieder auf das Feld kamen. In der Pause hatten sich die zahlreichen Luftballons noch nicht in Hunde oder Giraffen verwandelt, hatten aber die Seite gewechselt und kamen immer dann zum Einsatz, wenn ein Bayern-Spieler an der Freiwurflinie stand.

Auf 59:52 davongezogen

Allein ihre Wirkung wollten sie auch im dritten Viertel nicht entfalten. Zu dem einen Fehlversuch aus der ersten Halbzeit kam im dritten Viertel kein weiterer dazu. Auch sonst zeigten sich die Bayern treffsicherer. In der 27. Minute waren sie auf 59:52 davongezogen. Auch, weil sie sich wieder einmal nicht von einem schlechten Start beeindrucken ließen, sondern ihren Stil runterspielten.

 Mit einer 63:59-Führung gingen die Münchner in das Schlussviertel. Dort wuchs der Vorsprung immer weiter an, lag kurz sogar bei zwölf Punkten. Doch Alba Berlin kämpfte sich noch einmal ran, Franz Wagner verkürzte bei noch 13,8 Sekunden per Dreier auf 77:78. Allein es reichte nicht.