Alba-Vorstand Axel Schweitzer 
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BerlinDer Unternehmer Axel Schweitzer leitet die international aktive Alba Group als einer von zwei Vorstandsvorsitzenden. Der 51-Jährige ist zudem Präsident der Basketballer von Alba Berlin. Und er ist selbst ein leidenschaftlicher Sportler, ein begeisterter Läufer vor allem. Egal wohin seine Dienstreisen ihn führen, ein Paar Laufschuhe findet sich im Gepäck des Geschäftsmannes. Warum dem so ist, erzählt Schweitzer im Interview.

Herr Dr. Schweitzer, wann waren Sie das letzte Mal laufen und wo?

Es wird Sie wundern, aber das letzte Mal ist tatsächlich schon eine Weile her. Ich versuche, ein bis zwei Mal im Jahr einen Halb-Ironman zu absolvieren. Da die Wettbewerbe im Moment nachvollziehbarerweise nicht stattfinden, habe ich vor einigen Wochen in Hongkong selbst einen organisiert. Mit genau einem Teilnehmer, nämlich mir selbst. Dort bin ich das letzte Mal gelaufen – 21 Kilometer und ein bisschen.

Sie und Ihre Familie wohnen in Hongkong. Wie ist dort aktuell die Situation rund um das Coronavirus?

Hongkong geht aktuell durch die dritte Corona-Welle, weswegen die Restriktionen derzeit wieder strenger sind. Eine von ihnen ist, dass man auch draußen nur mit Maske laufen darf. Aktuell sind hier über 30 Grad und um die 90 Prozent Luftfeuchtigkeit – also nicht die besten Bedingungen, um mit einer Maske laufen zu gehen.

Wie oft sind Sie vor der Corona-Pandemie gelaufen?

Unter Nicht-Corona-Bedingungen bin ich sehr viel unterwegs: mehr oder weniger jeden Tag in China, dem restlichen Teil von Asien oder auch in Europa, speziell natürlich in Deutschland. Wenn ich auf diesen Reisen bin, laufe ich an ungefähr fünf von sieben Tagen.

Zusammen mit Ihrem Bruder Eric sind Sie als Vorstandsvorsitzender eines internationalen Unternehmens für über 8000 Mitarbeiter verantwortlich, die vielen Reisen haben Sie gerade angesprochen. Bleibt da immer genug Zeit zum Laufen?

Wir alle haben ja die gleiche Zeit, die wir unterschiedlich nutzen. Durch meine Tätigkeit kann ich nicht jeden Tag stundenlang Sport machen, sondern muss mir meine Zeit gut einteilen. Ich laufe meistens morgens gegen sechs Uhr. Selten weniger als eine Stunde und selten mehr als zwei.

Ist es Ihnen wichtig, sich diese Zeit zu nehmen?

Für mich ist es ein guter Tag, wenn ich Sport machen kann. Da ich Freude am Laufen habe, muss ich mich dazu auch nicht zwingen. Im Gegenteil: Laufen ist für mich ein guter körperlicher Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag und hilft mir, fit zu bleiben. Sport gibt mir viel Energie, gerade auf Reisen und gegen den Jetlag.

Wie meinen Sie das?

Wenn man von Osten nach Westen fliegt, ist das frühe Aufstehen einfach. Wenn man hingegen von Westen nach Osten fliegt, ist es eine Überwindung. Das Laufen hilft mir dann dabei, in einen guten Rhythmus zu kommen.

Sie laufen also an den verschiedensten Orten der Welt. Was ist beim Laufen in den unterschiedlichen Städten anders?

Fast alles. In Berlin genieße ich es, morgens in den Parks und Wäldern zu laufen und dort die frische Luft zu atmen. Wenn ich in Asien bin, erkunde ich beim Laufen die Städte und sammle ganz andere Eindrücke. Von Gerüchen bis hin zu den Dingen und Leuten, die ich sehe. Ich finde es spannend, durchs Laufen unterschiedliche Städte zu entdecken und die unterschiedlichen Kulturen zu erleben.

Was erleben Sie denn, wenn Sie in Asien laufen?

In Deutschland ist es eher so, dass mir morgens viele andere Läufer entgegenkommen. Wenn ich in China laufe, sehe ich morgens, wie viele Leute aktiv sind und in den Parks ihrem Frühsport nachgehen – von Tai Chi über Basketball und Tischtennis bis hin zum Tanzen. Es ist schön zu sehen, wie die einzelnen Städte und Orte, an und in denen ich gerade bin, morgens aufwachen.

Gehen Sie allein auf diese sportlichen Entdeckungstouren?

Ich laufe überwiegend – wahrscheinlich zu 80 bis 90 Prozent – allein. Weil es schwierig ist so früh am Morgen jemanden zu finden, der mitläuft, aber auch weil ich es genieße, für mich zu sein und in mich hinein zu hören.

Treiben Sie auch Mannschaftssport?

In der Tat gefällt mir am Laufen am wenigsten, dass es kein Teamsport ist. Ich habe wie fast alle kleinen Jungs in Deutschland mit Fußball angefangen und mag mache Mannschaftssportarten, vor allem Basketball, noch immer viel lieber.

Und dennoch besteht Ihr Sportprogramm zumeist aus allein absolvierten Läufen?

Ich passe meinen Sport den jeweils aktuellen Bedingungen an und versuche, das herauszuholen, was eben möglich ist. Wenn ich länger an einem Ort bin, dann versuche ich, eher mehr Mannschaftssport zu machen, am liebsten Basketball mit Freunden. Auf Reisen ist dies aber nur schwer möglich, und Laufen ist dann eine gute Alternative. Und wenn ich beispielsweise die Chance habe, bei einem der Auswärtsspiele von Alba Berlin dabei zu sein, gehe ich gerne gemeinsam mit dem Mannschaftsarzt Moritz und dem Athletiktrainer Pepe laufen, weil ich es genieße, Teil des Teams zu sein.

Profitieren Sie auch beruflich von Ihren Erfahrungen als Mannschafts- und Einzelsportler?

Es ist natürlich nicht so, dass nur derjenige, der Sport macht oder gemacht hat, beruflich erfolgreich sein kann. Aber man kann aus dem Sport viel in andere Lebensbereiche mitnehmen. Ich sehe da viele Parallelen.

Was haben der Sportler Axel Schweitzer und der Unternehmer gemeinsam?

Ich bin der gleiche Mensch, egal, ob ich im Anzug am Schreibtisch sitze oder in kurzen Hosen durch die Städte laufe. Was die beiden Seiten verbindet, ist, dass ich versuche, mit positiver Energie an die Dinge heranzugehen, und ein gewisses Durchhaltevermögen habe.

Genug Durchhaltevermögen auch für einen Marathon. Die laufen sie auch, richtig?

Ich bin ein paar Marathons gelaufen, im Wesentlichen die in Berlin. Ich fand es jedes Mal sehr schön, die Stadt von der Marathonstrecke aus neu zu erleben. Ich bin in Berlin geboren und kenne die Stadt recht gut. Trotzdem entdecke ich auch hier immer wieder neue Ecken und Perspektiven beim Laufen und freue mich über die Begeisterung der Berliner.