Glückliche Berliner: Die Alba-Profis aus der Ehrenrunde.
Foto: Armer/dpa

BambergDas kennt man eigentlich von Boxern vor einem Kampf. Noch einmal ein tiefer Blick in das Gesicht des Gegners, um die Kräfteverhältnisse klarzustellen und keine Schwäche zu zeigen. 4:47 Minuten vor dem Ende des dritten Viertels hatte Rokas Giedraitis gerade gegen Louis Olinde einen krachenden Dunking zum 60:41 versenkt und den Bamberger mit einem selbstbewussten Blick in Richtung der Bank geschickt. Spätestens in dieser Szene waren die Kräfteverhältnisse am frühen Sonntagabend geklärt: Ein dominantes Alba Berlin auf der einen, ein verunsichertes und in sich zusammenfallendes Brose Bamberg auf der anderen Seite – das Halbfinale um den BBL-Pokal war praktisch entschieden. 

„Man hat es heute vom ersten bis zum letzten Spieler gesehen, wie sehr wir gewinnen wollten“, sagte Martin Hermannsson, „den Fokus für das Projekt Finaleinzug konnte man bereits beim Frühstück sehen.“ Mit diesem Fokus setzten sich der Aufbauspieler und seine Teamkollegen am Sonntag überraschend deutlich mit 82:66 bei Brose Bamberg durch und erreichten erneut das Finale.

Unterstützung bei dieser Mission gab es von rund 300 Alba-Fans. Die ersten von ihnen wurden bereits gegen 15 Uhr im Zug gesichtet, ein anderer Teil hatte sich für die Anreise mit dem eigenen Auto entschieden und ein paar ganz Hartgesottene legten die letzten Meter vom Bahnhof zur Halle sogar zu Fuß zurück. Doch bevor sich der erste Alba-Fan in der Halle auf dem ihm zugewiesenen Platz gesetzt hatte, war die eigene Mannschaft dort schon eingetroffen.

Angeführt von Peyton Siva betraten die Berliner die Spielstätte, an der sie vor knapp einem Jahr in letzter Sekunde das Pokalfinale verloren hatten. Diesmal wollten sie das genau dort erreichen. Und während sich Bamberg und Berlin erwärmten, hatte Oldenburg dieses Endspiel in Ulm bereits erreicht. Als Gegner wurde im Vorfeld Alba Berlin gehandelt.

Den Kampf angenommen

Der Favorit aber, und das war eigentlich auch klar, würde sich gegen kämpferisch starke Bamberger erwehren müssen. Diesen Kampf aber nahm die Mannschaft von Trainer Aito Garcia Reneses sofort an. Dass sich die Berliner der physisch starken Spielweise nicht würden entziehen wollen, war gleich in zwei Details sichtbar.

Gerade in der Anfangsphase suchten die Berliner immer wieder den Weg zum Korb und kamen dort auch zu ihren ersten zehn Punkten. Ein zweiter, im Verlauf der ersten Halbzeit entscheidender Faktor für Alba Berlin war die Arbeit unter den Körben. Mit 10:4 wurde das Rebound-Duell im ersten Viertel gewonnen, auch zur Pause lagen die Berliner in dieser Statistik mit 18:10 deutlich in Führung.

Etwas knapper gestaltete es sich allerdings mit den Punkten. Auch, weil die Dreier zu Beginn noch nicht fielen und insbesondere deshalb, weil die Bamberger mit ihrer intensiven Verteidigung die Berliner zu viel Geduld im Angriff zwang. Dass Alba aber nicht zu Unrecht als Favorit in die Partie gegangen war, zeigte die Mannschaft mit zunehmender Spieldauer. Die Tiefe des Kaders wurde einmal mehr erfolgreich genutzt und auch die Qualität flackerte immer mehr auf.

Wir haben es geschafft, die Intensität hoch zu halten und konnten das im dritten Viertel ernten.

Marco Baldi

Als sinnbildlich dafür war Peyton Siva zu sehen. Ohne Punkte war Alba Berlins Spielmacher im ersten Abschnitt geblieben, leistete sich zudem zwei Ballverluste und haderte auf dem Feld mit seinem Spiel. Doch im zweiten Durchgang hatte er mit seinen sieben Punkten und zwei Assists entscheidenden Anteil daran, dass die Berliner sich einen kleinen Vorsprung erarbeiten konnten, 1:59 Minute vor der Pause mit 40:33 in Führung lagen. Und als Johannes Thiemann - an alter Wirkungsstätte zu Beginn freundlich empfangen - kurz darauf noch ein Offensivfoul annahm, sanken die vorher fast konstant mehr als 100 Dezibel Unterstützung der Bamberger Fans auf ein Minimum. Es sollte ein Vorgeschmack dessen sein, was nach der Halbzeitpause, in welche die Berliner mit einem 42:36-Vorsprung gingen, passierte.

Direkt nach dem Seitenwechsel erwischte Alba Berlin den besseren Start, lag in der 22. Minute beim Stand von 49:38 erstmals zweistellig in Führung. Neben der hohen Intensität fielen jetzt auch die Würfe. Für Marco Baldi war das nur logisch: „Wir haben es geschafft, die Intensität hoch zu halten und konnten das im dritten Viertel ernten“, sagte Albas Geschäftsführer, „in dem Moment, als wir zwei, drei Dreier getroffen haben, hat sich das Spiel weiter geöffnet und Bamberg hat gemerkt, dass das heute nichts wird.“

Terminkonflikt mit dem EHC

Nach dem dritten Viertel hatte sich Alba auf 70:43 abgesetzt, erste Bamberger Fans schnappten sich ihre Jacke und verließen frustriert die Halle. Die Entscheidung war praktisch gefallen. Verständlich, dass es die Berliner, die bereits am Dienstagabend in der Euroleague bei Olympiakos Piräus spielen (20 Uhr), im Schlussviertel einen Gang zurückschalteten.

Minuten nach dem Spiel konnten sie mit ihren Fans in Bamberg feiern und bekamen zusätzlichen Grund zur Freude, als kurz darauf ein Heimspiel für das Finale gegen Oldenburg ausgelost wurde. Einziges Problem: Für den Termin am 16. Februar ist die Arena am Ostbahnhof von den Eisbären belegt, die Füchse bespielen an diesem Tag zudem die Schmelinghalle. „Wir sind seit geraumer Zeit für diesen guten Fall in Gesprächen und sind noch nicht fertig. Aber wir werden es hoffentlich in den kommenden Tagen kundtun können“, sagte Marco Baldi und verließ Bamberg mal wieder mit einem Lächeln.