Von Freude erhellte Gesichter waren in großer Zahl zu sehen nach dem 112:55-Sieg gegen Science City Jena. Den Spaßverderber wollte Aito Garcia Reneses da nicht geben, und doch warnte der Alba Berlins Cheftrainer bereits nach dem Abpfiff: „Wir wissen, dass Spiele kommen werden, die schwieriger sind.“ Im Hinterkopf hatte Reneses dabei den kommenden Gegner an diesem Dienstagabend: Im EuroCup erwarten die Berliner Basketballer in der Arena am Ostbahnhof um 20 Uhr mit Tofas Bursa einen relativ unbekannten, aber schweren Gegner. Das Duell mit dem türkischen Meisterschaftszweiten wird „ein ganz anderes Spiel“, sagt Reneses.

Wieder einmal beginnt für Alba eine Reise durch Europa, durch eine unübersichtliche Basketball-Landschaft mit vier Wettbewerben und zwei Veranstaltern. Ihr Ausgang ist für die Berliner ungewiss, ihr Ziel umso klarer. Statt wie derzeit EuroCup wollen sie wieder in der Euroleague antreten, der hochwertigsten Spielklasse des Kontinents.

Der Modus täuscht

Bodenhaftung ist gefragt, der Respekt vor dem Gegner groß. Wichtig war es für Alba-Coach Reneses in den vergangenen zwei Tagen, die richtige Balance für seine Spieler zu finden. „Es ist gut, wenn wir glücklich sind, aber das dürfen wir nicht zu sehr sein“, sagt der Spanier.

Der Modus des EuroCup mag es einfach aussehen lassen, die nächste Runde zu erreichen. Doch gerade Albas Gruppe scheint schwierig zu sein. Die vier besten der sechs Teams werden es in die nächste Runde schaffen. Insgesamt 24 Mannschaften sind auf vier Gruppen aufgeteilt, mit Ulm (Gruppe A) und Frankfurt (Gruppe D) sind zwei weitere deutsche Vertreter dabei, die auch in dieser Woche ihre ersten Spiele in diesem Wettbewerb absolvieren.

Alba macht den Anfang, erst in der kommenden Woche müssen die anderen Bundesligisten antreten – der FC Bayern in der Euroleague, die nach einem Shareholder-Prinzip organisiert ist und Lizenzen vergibt. Ludwigsburg, Bonn, Bayreuth und Bamberg in der Champions League, die der Kontinentalverband Fiba Europe ausrichtet. Im Fall von Bamberg nicht ganz ohne Zwischentöne.

Die Franken waren verärgert, weil die Bayern bereits vor dem Saisonende per Wildcard die Teilnahme an der Euroleague in der Tasche hatten. Und damit bevor klar war, ob die Münchner die Saison vor Bamberg beenden würden. „Deshalb hat sich Bamberg für die Champions League verpflichtet“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „die waren sauer, weil sie jahrelang eine gute Rolle in der Euroleague gespielt und versucht haben, das zu bekommen, was die Bayern jetzt bekommen haben – die Wildcard.“ Baldi meint: „Das war ein klares Zeichen, und da kann ich Bamberg verstehen, dass sie ihr Glück woanders suchen.“

Baldis Beispiel

Die Wildcard für die Bayern hat noch einen anderen Effekt: Es wird für die BBL einen zweiten Platz in der Euroleague geben. Zumindest theoretisch. Baldi erläutert das an einem Beispiel: „Man kann sich ja eine Konstellation vorstellen, in der Bamberg das Finale gegen Oldenburg bestreitet. Und ob Oldenburg dann Euroleague spielt, weiß man nicht. Die Oldenburger waren ja auch schon in der Champions League.“

Nach dem jahrelangen Streit zwischen Euroleague und Fiba mit ihrem Konkurrenzprodukt Champions League ist es nur schwer vorstellbar, dass eine Mannschaft, die einmal in der Champions League aktiv war, in der Euroleague antreten wird. Aber, und das ist auch für Marco Baldi ein Fakt: „Dadurch, dass Bayern München eine Wildcard besitzt, erhöht sich die Chance, dass ein zweites Team aus der BBL in der Euroleague spielen wird.“

Schwieriger Weg, starke Teams

Vor allem Alba könnte in dieser Spielzeit den Sprung in die Euroleague schaffen. Dazu muss natürlich die sportliche Qualifikation in der BBL gelingen. Aber dafür spielen die Berliner auch im EuroCup und geben damit ein indirektes Bekenntnis zur Euroleague ab. Für Marco Baldi ist das ohnehin noch immer der Wettbewerb, den er sich aus sportlich Sicht am liebsten anschaut und sogar der NBA vorzieht. Abgesehen davon – der EuroCup-Gewinner rückt in die Euroleague auf.

Es ist ein schwieriger Weg dorthin mit starken Teams, die sich in den Weg stellen. Bursa ist dabei zum Auftakt ein Gradmesser, wie weit Albas Mannschaft in ihrer Entwicklung bereits ist. Mit Diante Garrett konnten die Türken im Sommer einen Aufbauspieler mit NBA-Erfahrung verpflichten, der in der abgelaufenen Spielzeit noch in Italien für Turin aktiv war. Mit großer Spielübersicht, Vielseitigkeit und Korbgefährlichkeit konnte er sich dort in die Herzen der Fans spielen.

Der dominikanische Routinier Sammy Mejia, der 2014 zum wertvollsten Spieler in der türkischen Liga gewählt wurde, der US-Amerikaner Kyle Weems und die großen Flügelspieler Kenneth Kadji (2,11 Meter) und Jeff Withey (2,13 Meter) werden für Alba am Dienstag eine ganz andere Aufgabe darstellen, als es Jena mit seinen Big Men zum Saisonauftakt in der BBL getan hat.

Auch wenn man den Start gegen Jena nicht überbewerten sollte, so hat er für Marco Baldi doch eine Bedeutung: „Es hilft natürlich, wenn jeder seinen Teil beigetragen hat und jeder auf die Schulter geklopft bekommt. Das hilft gerade in so einer Phase, in der man noch etwas unsicher ist, weil man weiß, dass man eine schwierige Vorbereitung hatte und jeder auf einem unterschiedlichen physischen Level ist.“

Die Entwicklung der jungen Spieler wird vielleicht beschleunigt. Und vielleicht hilft der Start auch im Duell mit Tofas Bursa. Für die richtige Balance wird Coach Reneses in den zwei Tagen zwischen den Partien sicher gesorgt haben.