Wie viele andere Männer machte sich auch Rasid Mahalbasic am Vatertag vormittags auf den Weg. Allerdings nahm er nicht einen Bollerwagen, sondern das Auto. Mit gepackter Sporttasche ging es für den Center in die Oldenburger Trainingshalle. Trotz des Vatertags „habe ich mir das Frühstück selber gemacht“, sagte er auf der Fahrt zur Halle. Am Vorabend war der 28-jährige Österreicher mit der Familie Essen gewesen. Nun aber richtet sich der Fokus auf das Play-off-Halbfinale gegen Alba Berlin. Oder wie Mahalbasic sagt: „Volle Vorbereitung, Alarmstufe Gelb.“

Und zur Vorbereitung gehört die perfekte Frisur. Die hat sich Mahalbasic bereits Anfang der Woche verpassen lassen. Alle ein, zwei Wochen lässt der 2,10 Meter große Basketballer sich in dieser Saison die Haare schneiden. „Im vergangenen Jahr war ich ja mit einer Glatze unterwegs. Aber jetzt, wo ich Vater geworden bin, muss ich ja mal ein bisschen normal ausschauen.“ Er lacht.

Mr. Triple Double lacht

Bei elf Vereinen spielte der Wandervogel bis zur Landung in Oldenburg, lediglich bei zwei Klubs hielt er es länger als eine Saison aus. Nicht nur in Österreich lebte er, auch in der Türkei, Tschechien, Kroatien, Polen, Kasachstan, Russland, Spanien. In Oldenburg scheint er jetzt sein Nest zu bauen, seinen Vertrag bei den Baskets hat er jedenfalls bis 2021 verlängert. Oldenburg und Mahalbasic, das scheint zu passen. Menschlich, aber vor allem sportlich. Seine Statistiken sind im Vergleich zur Premierensaison in der Bundesliga (BBL) bei den Punkten zwar von 16,1 auf 14,2 gesunken, dafür aber hat der 2,10 Meter große Center in zwei weiteren wichtigen Statistiken draufgepackt. Aus 6,2 Rebounds pro Partie in der Saison 2017/18 sind in der abgeschlossenen Hauptrunde der BBL 9,0 geworden, seine Assistrate steigerte Mahalbasic von 3,3 auf 4,8.

Seine Statistiken brachten ihm in dieser Spielzeit vor allem am 2. Februar deutschlandweite Beachtung: Im Spiel gegen Braunschweig erzielte Rasid Mahalbasic ein Triple Double, legte bei den Punkten (19), Rebounds (13) und Assists (10) jeweils zweistellige Werte auf. Das war in der BBL seit dem 1. Mai 2010 keinem Spieler mehr gelungen. Seit Aufzeichnung in der digitalen Datenbank in der Saison 1998/99 war es erst das sechste Mal, dass einem Spieler dieses Kunststück gelang.

Mahalbasic ließ es darauf nicht beruhen, legte gegen Würzburg und Gießen sowie im Play-off-Viertelfinale in Bonn drei weitere Triple Doubles nach. Das trug ihm den Beinamen Mr. Triple Double ein. Doch er bleibt gelassen. „Ich bin kein Vertreter von individuellen Statistiken. Wenn die BBL 50 Jahre feiert, werden sie mich vielleicht irgendwo kurz erwähnen, aber mehr kann ich mir davon auch nicht kaufen.“

Sein Team profitiert. Seine Rebounds ermöglichen zweite Wurfchancen, seine Pässe finden oft die besser postierten Mitspieler. Ohnehin findet er, „dass die Punkte das Problem“ bei einem Triple Double sind. „Wir sind im Offensivspiel so breit besetzt, da halte ich mich oft zurück und dann klappt es ab und zu mal mit zehn Punkten.“ Mahalbasic wirkt bescheiden: „Das Rebounden kann ich nicht so gut.“ Deshalb müsse er ab und zu auch werfen und Pässe spielen, „damit ich mir meine Minuten auf dem Feld verdiene“.

Tragende Säule

Tatsächlich aber ist Mahalbasic eine tragenden Säulen in einem Team, das es Alba  am Sonntag in Oldenburg schon beim Start ins Halbfinale schwer machen kann. „Er ist ein großartiger Spieler, hat sehr viele Fähigkeiten, einen großen Körper und ist trotzdem ein so smarter Spieler. Es ist sehr schwer ihn zu verteidigen“, sagt Luke Sikma. Der Forward hat mit Alba zudem den Nachteil, dass es bei maximal fünf Spielen dreimal nach Oldenburg ginge.

Beide Spiele der Hauptrunde aber gewann der Gast. Ob der Heimvorteil den Ausschlag gibt, kann Mahalbasic nicht nur deshalb  schwer einschätzen. „Man weiß ja nie, wie die Verfassung an dem Tag ist. Wir spielen am Sonntag um 15 Uhr und Mittwoch in Berlin um 20.30 Uhr. Wenn der Luke Sikma kein Frühaufsteher ist, haben wir sicher zu Hause bessere Karten“, sagt Mahalbasic und lacht schelmisch. Stattdessen glaube er, dass es für sein Team psychologisch von Vorteil sein könne, dass Alba diese Saison zwei Finals verlor.

Am Sonntagabend weiß Mr. Triple Double mehr. Bis dahin „versuche ich mich so gut wie möglich zu entspannen, weil ich glaube, dass ab Sonntag 15 Uhr bis zum Ende der Serie genug Druck ausgeübt wird. Es wird das Euroleague-Ticket verteilt.“ Es gilt Alarmstufe Gelb.