Alba-Sieg gegen Jena: So setzt Johannes Thiemann bei Berlins Basketballern Akzente

Wer einen guten Platz hatte und genau hinschaute, der konnte es sehen. Mitte des dritten Viertels, Niels Giffey war gerade einen Korbleger aus einem Fastbreak heraus zum 66:35 gelungen, da huschte ein Lächeln über das Gesicht von Johannes Thiemann. Ein Lächeln, das die letzte Anspannung beim Zugang von Alba Berlin löste. Denn, das gab der 2,06 Meter große Basketballer nach dem 112:55-Heimsieg gegen Jena zu: „Ich war vor dem Spiel ein bisschen nervös. Das erste Mal hier vor heimischen Fans, bei so einem Traditionsverein zu spielen, da hat man auch einen gewissen Respekt.“

Respekt kann ja auch helfen, bei Thiemann führte er zu neun Punkten allein in den ersten fünf Minuten, darunter ein Dunking,  das Publikum hatte er schnell auf seine Seite gezogen. 18 Zähler standen am Ende auf dem Videowürfel der Arena am Ostbahnhof – ein gelungener Einstand in einem Verein, der für den Nationalspieler der nächste Schritt in der Karriere sein soll. „Man merkt schon, dass man hier etwas gewinnen will. Das merkt man jeden Tag im Training. Wir sind da konzentriert, wollen täglich besser werden und arbeiten sehr hart“, sagt Johannes Thiemann.

Umzug nach Mitte

Im Sommer hatte sich der gebürtige Trierer für einen Wechsel aus Ludwigsburg nach Berlin entschieden und damit nicht nur für eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine riesige Veränderung abseits davon. Mit seiner Freundin hat er eine Wohnung in Mitte bezogen. Der Weg zum Alba-Trainingszentrum ist nicht weit. Und dort ging es in den vergangenen Wochen hart zur Sache. Aber: „Der Coach bekommt dabei die Balance sehr gut hin. Im Training arbeiten wir sehr hart, haben aber trotzdem sehr viel Zeit, um uns zu erholen und dem Körper mal eine Pause zu geben. Natürlich kann man hier in der Freizeit auch mal Berlin erkunden. Es ist ein guter Mix.“

Auch kulinarisch bewegt sich Thiemann in der neuen Umgebung auf unbekannten Pfaden. Eigentlich ist er kein Fan der asiatischen Küche. „Aber ich habe einen Vietnamesen um die Ecke, der ist sehr gut, da bin ich sehr oft. Da hat mich meine Freundin ein wenig überredet.“ Thiemanns Lieblingsgericht: „Die 58 D – Reis mit Ente und Gemüse ist super, das schmeckt gut.“

Geschmack auf mehr machte aber auch der Saisonauftakt gegen Science City Jena. Wenngleich man den vierthöchsten Erfolg der Alba-Geschichte nicht zu hoch bewerten sollte. „Da standen teilweise vier Berliner Jungs auf dem Feld, die haben sich gezeigt, aber gegen ganz geringen Widerstand“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi.

Alba im Rausch

Dessen Team spielte sich teilweise in einen  Rausch. Alba  machte aus einem 22:16 nach dem ersten Viertel ein 85:40 vor dem Schlussdurchgang. Den verfolgte Thiemann, genau wie Neuling Rokas Giedraitis (20 Punkte, acht von acht getroffene Würfe), von der Bank. Alba  schonte Spieler, denn schon am Dienstag um 20 Uhr geht es in eigener Halle weiter. Mit Tofas Bursa kommt im EuroCup der türkische zum deutschen Meisterschaftszweiten. „Und da werden wir sehen, wie weit wir wirklich sind“, sagte Baldi, „da werden wir sehen, dass vieles noch nicht so rund ist.“ Diese Aussicht sollte den Auftakterfolg gegen Jena aber nicht schmälern. Und so gingen  Thiemann und  Teamkollegen  mit einem Lächeln aus der Halle.