BerlinSpiele gegen den FC Barcelona sind die ganz besonderen Highlights in einer Saison. Wenn die Superstars aus Katalonien aber am Donnerstagabend (19 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof zu Gast sind, wird alles anders sein. Zuschauer sind nicht erlaubt und die Gastgeber kommen gerade aus einer 14-tägigen Quarantäne. Sieben Corona-Fälle hatten das Profiteam von Alba Berlin und dessen Betreuer lahm gelegt und ihm jeglichen Rhythmus entzogen. Richtig Vorfreude mag ob der vergangenen Wochen nicht aufkommen, wenn Alba Berlin diesmal gegen den großen FC Barcelona in der Euroleague antreten muss. Auch Moritz Morawski wird das Spiel anders verfolgen als sonst. „Ich habe zwar keine großen Bedenken, aber man ist schon angespannter“, sagt der Teamarzt, „weil man Sorge hat, dass sich die negativ getesteten Spieler Verletzungen zuziehen, und bei denen, die das Virus hatten, darauf achtet, dass sie sich nicht überlasten.“

Denn: Die zwei Wochen Quarantäne, die insgesamt 17 Tage ohne Training haben Spuren hinterlassen. „Das war für die ganze Mannschaft ein herber Schlag“, sagt Morawski, „auch für die, die es nicht hatten.“ Auch sie durften in diesen zwei Wochen die Wohnung nicht verlassen und konnten fast nicht trainieren. Folglich hat auch ihre Fitness gelitten. Wenn eine Mannschaft nach so einer langen Unterbrechung und nur zwei, drei Tagen Training am Donnerstagabend wieder in den Spielbetrieb einsteigen soll, „steigt natürlich die Verletzungsanfälligkeit“, sagt der Teamarzt. Das gelte für die negativ getesteten Spieler, die sonst keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen hatten, aber insbesondere „bei den Positiven ist es so, dass dieses Coronavirus eine ernst zu nehmende Erkrankung darstellt“. Die Symptome bei allen Betroffenen seien sehr unterschiedlich gewesen. Aber: „Was wir bei allen sehen, ist, dass das Virus den Körper schwächt, auch wenn sie nicht schwer krank waren. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.“

Am Montag waren die ersten Spieler wieder zurück im Mannschaftstraining, am Dienstag folgten weitere. Bevor sie aber überhaupt einen Fuß auf den Hallenboden in der Schützenstraße setzen konnten, wurden sie genau untersucht. Die Spieler mussten vor dem ersten Training einen Test durchlaufen. Dabei waren Unterschiede zwischen Personen, die infiziert, und denen, die nicht infiziert waren, feststellbar: „Sie sind einfach geschwächter. Man merkt es ihnen an“, sagt Moritz Morawski. Deshalb „ist nur jemand auf dem Spielfeld, der sportmedizinisch, kardiologisch durchgecheckt ist.“

Doch muss man auch damit vorsichtig umgehen. Selbst wenn die Spieler die Trainings- und Spielerlaubnis vom Teamarzt bekommen, quasi als gesund gelten, haben sie trotzdem noch nicht ihre volle Leistungsfähigkeit. Klar ist auch, dass es unterschiedlich lange dauern wird, bis die einzelnen Spieler auf ihr altes Leistungsniveau kommen. „Wir Ärzte müssen darauf achten, dass sie nicht zu schnell wieder in die volle Belastung gehen und dann vielleicht Komplikationen auftreten“, gibt der Alba-Teamarzt zu bedenken: „Wir sind ja noch am Anfang der Forschung, da fehlen noch die Erfahrungswerte. Es gibt nicht so viele Sportler, die Covid-19 hatten – da fehlen einfach Langzeitergebnisse, die Folgeschäden sind noch unklar.“

Peyton Siva ist ein Spieler im eigenen Team, der zuletzt in einem Podcast über einen schwereren Verlauf zu berichten hatte. „Mich traf es ziemlich hart“, sagte er, „ich habe Schüttelfrost bekommen und mein Körper hat sich komisch angefühlt. Ich hatte seltsame Empfindungen, Kopfschmerzen und Probleme mit dem Magen.“ Auch die von ihm beschriebene Kurzatmigkeit war durchaus an einigen Stellen des Podcasts noch zu hören. Moritz Morawski hat natürlich auch diesen Verlauf beobachtet und gibt zumindest etwas Entwarnung: „Der Verlauf bei Peyton ist jetzt nicht so besorgniserregend. Aber er ist noch nicht so weit, das hat er ja auch selber gesagt. Da warten wir halt, bis er gesund ist.“ Die Gesundheit aller Spieler, Trainer und Betreuer, das hat auch Geschäftsführer Marco Baldi in den vergangenen Wochen immer wieder betont, steht bei Alba Berlin über allen Dingen. Selbst über dem bevorstehenden Spielplan, der, das Barcelona-Spiel eingerechnet, acht Partien in 18 Tagen bereithält. Moritz Morawski schaut aber gar nicht so sehr auf diesen knackigen Spielplan, „weil völlig klar ist, dass nur ein Spieler spielt, der der Belastung gewappnet und gesund ist. Wir gehen da kein Risiko ein.“

Wichtiges Element dabei: die Kommunikation mit allen Beteiligten. Den Trainern, aber vor allem den Spielern. „Wir müssen sehr sensibel sein, wie die Spieler auf die Belastung reagieren, häufig mit ihnen sprechen und sie häufig untersuchen“, sagt Moritz Morawski, „es ist entscheidend, dass wir sensibel und aufmerksam sind. Man muss ganz viel mit ihnen kommunizieren und schauen, was die Daten machen. Das Monitoring während der Belastung ist wichtig.“ Auch deshalb wird der Teamarzt am Donnerstagabend weniger auf die Superstars des FC Barcelona, sondern auf die eigenen Spieler schauen.