Reggie Redding konnte es nicht glauben. Gerade hatte er von einem Fernsehkommentator gesagt bekommen, dass seine Bayern ihren 72:66-Sieg über Alba Berlin trotz unglaublicher 27 Ballverluste geholt hatten. „Das ist unglaublich“, antwortete Redding und fügte an: „Das ist nicht normal.“ Redding hatte recht. Normalerweise gewinnt man mit 27 eigenen Ballverlusten kein Basketballspiel.

Und doch waren die Basketballer des FC Bayern am Sonntagabend in Spiel drei im Finale der Basketball-Bundesliga dennoch siegreich. Zum einen, spielten nämlich auch ihre Widersacher von Alba Berlin ebenfalls alles andere als fehlerfrei. Zum anderen konnte Alba aus den Münchner Fehlern kein Kapital schlagen.

Ein folgenreiches Unvermögen: In der Best-of-five-Serie steht es aus Berliner Sicht nun 1:2. Will man eine Münchener Meisterschaft noch abwenden und ein entscheidendes fünftes Spiel erzwingen, muss am Mittwoch (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof, Sport 1) in Spiel vier zwingend ein Sieg her.

Peyton Siva kugelt sich Finger aus

Die erste Schrecksekunde ereignete sich nach nicht einmal zwei gespielten Minuten. Gerade hatte Albas Peyton Siva Münchens Stefan Jovic gekonnt den Ball aus der Hand gespitzelt, nur um sich dann schreiend und mit entsetztem Gesichtsausdruck auf dem Hallenboden sitzend wiederzufinden. Autsch!

Albas Aufbauspieler hatte sich den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt. Und auch wenn er zurückkommen sollte, zwecks Einrenkung des lädierten Fingers ging es zunächst auf die Bank. Von dort aus musste Siva eine schwerfällige Anfangsphase mit ansehen.

Nervös und nachlässig

Keine fünf Minuten waren gespielt, da hatte Alba bereits fünf Ballverluste auf dem Konto. Und wurde der Ball mal nicht verloren, gelang es keinesfalls, sich aussichtsreiche Wurfpositionen zu verschaffen. Mit 4:12 lagen die Berliner früh im Hintertreffen.

Dass Alba anders als noch in Spiel zwei in der Folge dennoch dranbleiben konnte, lag dann vor allem daran, dass sich auch die Gastgeber aus München schwertaten. Auch sie präsentierten sich nervös und deutlich zu nachlässig mit dem Ball. 7:6 stand es nach gut sieben Minuten mit Blick auf die Ballverluste, 12:16 nach Punkten.

Auch zum Ende von Viertel eins und im folgenden zweiten Abschnitt wurde es nicht besser. Vor allem offensiv fand Alba weiterhin keinen Rhythmus. Die variablen Angriffe, mit denen sie sonst begeistern, ließen die Berliner genauso vermissen wie die übliche Treffsicherheit, die noch den Auswärtssieg in Spiel eins beschert hatte.

Weder die gut verteidigten, noch die seltenen offenen Würfe wurden getroffen. Selbst der sonst so hochprozentig werfende Spencer Butterfield scheiterte per Dreier aus der Ecke, obwohl meterweit kein Münchener bei ihm war. Das Ergebnis waren magere dreizehn Berliner Punkte im zweiten Abschnitt und ein 29:46 zur Pause.

Dürftige Dreipunktwurfquote

Und obwohl 29 Punkte in einer Halbzeit alles andere als ideal sind, so waren sie gestern dennoch nicht der Hauptgrund für Berlins Niederlage. Der ließ sich in Hälfte zwei finden. In dieser waren es nämlich plötzlich die Münchener, die offensive Probleme hatten. Auf einmal waren sie es, die sich Ballverluste en masse leisteten und ihre Würfe nicht mehr trafen. „Wir haben zur Halbzeit ein paar Dinge angepasst und konnten so ein paar Turnover und viele schwere Würfe erzwingen“, erklärte Luke Sikma nach Spielende.

Dass er die allerdings mit enttäuschtem Gesicht tat, lag daran, dass seine Mannschaft Münchner Fehler nicht ausnutzte. Zwar kämpften die Berliner sich heran, das Spiel drehen konnten sie dennoch nicht. Auch, weil sie in den entscheidenden Momenten entweder selber den Ball verloren oder abermals ihre Würfe nicht trafen.

Eine mit 26 Prozent mehr als dürftige Dreipunktwurfquote war genauso Ausdruck dessen, wie die 40 Prozent, die Alba insgesamt aus dem Feld geworfen hatte.

Und so war Alba am Ende nah dran an den Bayern, mehr aber auch nicht. Spätestens als Siva anderthalb Minuten vor dem Ende einen einfachen Korbleger danebenlegte und Sikma kurz darauf beim Einwurf ein zwar nach Regelwerk konformes, aber doch diskutables unsportliches Foul gepfiffen bekam, war das Spiel entschieden.