Nikola Mirotic, Barcelonas Topspieler, versucht, Albas Landry Nnoko den Ball wegzuschnappen.
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BerlinEs hatte fast schon etwas von Majestätsbeleidigung. Mit drei erhobenen Fingern lief Tyler Cavanaugh nicht nur zurück indie eigene Spielhälfte, sondern dabei auch ganz nah an Nikola Mirotic vorbei. Ist eigentlich der Starspieler des FC Barcelona für solche Gesten bekannt, so stand ihm zu diesem Zeitpunkt, kurz vor dem Ende des zweiten Viertels, etwas Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Und auch mit der passenden Antwort auf den Dreier des Alba-Spielers wollte es nicht klappen – sein Wurf landete lediglich auf dem Ring. Alba Berlin hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt gegen den großen Favoriten mehr als teuer verkauft. Für die große Überraschung aber sollte es nicht reichen: Am Ende mussten sich die Gastgeber knapp mit 80:84 geschlagen geben. 

Schon die Vorzeichen bei Spielbeginn waren nicht gerade die besten. Alba Berlins Euroleague-Topscorer Rokas Giedraitis musste sich krankheitsbedingt abmelden. Zumindest Landry Nnoko konnte wieder mitwirken, auch Kresimir Nikic rutschte in den Kader. Die Aufmerksamkeit zu Beginn aber gehörte ein anderen Alba-Spielern. Allen voran Niels Giffey, der starten durfte und damit zum 325. Mal das Berliner Trikot trug – die fünftmeisten Einsätze eines Spielers in der Alba-Geschichte.

Barcelonas Superstar hadert

Nach einem Geschenk aus Katalonien aber sah es zu Beginn nicht aus. Barcelona wirkte abgeklärt, war treffsicher und verwaltete über die Dauer des ersten Viertels einen konstanten Vorsprung, der nach zehn Minuten auf neun Punkte angewachsen war (27:18). Aber bereits in zahlreichen Spielen hat Alba Berlin nachgewiesen, dass das nichts ist, wovon sich die Mannschaft beeindrucken lässt. Mit einem 7:0-Lauf waren die Gastgeber auf 25:27 dran, durch einen Dreier von Marcus Eriksson in der 15. Minute mit 34:33 in Führung.

Barcelona zeigte sich beeindruckt, leistete sich unnötige Ballverluste. Und Nikola Mirotic, der Superstar? Der erzielte seine acht Punkte in der ersten Halbzeit lediglich von der Freiwurflinie und konnte keinen Zauber verbreiten. Stattdessen ging er hadernd in die Kabine, auf dem Videowürfel über seinem Kopf stand ein 38:46-Rückstand und vor seinem geistigen Auge hatte er sicher noch die drei ausgestreckten Finger von Tyler Cavanaugh. So unzufrieden Mirotic war, so glücklich zeigte sich Aito Garcia Reneses. „Selbst wenn wir nicht gewinnen, können wir zufrieden sein“, sagte der Alba-Trainer.  

Alba hält die Partie offen

Und das galt auch für die zweite Halbzeit. In der war es nicht überraschend, dass der FC Barcelona den Rückstand schnell aufgeholt und in eine Führung gedreht hatte. Doch Alba Berlin, und auch das stimmte den Trainer zufrieden, steckte selbst das weg, hielt die Partie bis zum Ende offen und sorgte dafür, dass Nikola Mirotic auch bei Abpfiff nicht in großen Jubel verfiel. Der Große des FC Barcelona hat schon bessere Abende als den in Berlin erlebt.