Berlin - Als seine Jungs noch emsig Körbe warfen, lag Dirk Nowitzki am Spielfeldrand und ließ seine müden Beine dehnen. Dann verließ er ein paar Minuten früher das Training. Nein, keine vorzeitige Mittagspause. Die nächsten PR-Termine stehen an. Erst Pressegespräch, dann Fan-Zone am Potsdamer Platz und am Abend noch eine Ehrung. Für den Basketball-Star könnte der Tag in Berlin gerade 48 Stunden haben. Wie immer ist Nowitzki ein gefragter Mann - und in der Heimat natürlich noch mehr.

Für den 2,13-Meter-Riesen ist es der erste Auftritt mit seinen Dallas Mavericks in Deutschland, seit er vor 13 Jahren von der DJK Würzburg in die NBA wechselte. Als das Freundschaftsspiel gegen Alba Berlin in der Arena am Ostbahnhof (Samstag, 20.00 Uhr) feststand, waren die Karten innerhalb von 30 Minuten vergriffen. 14.500 Zuschauer wollen den Superstar, den Millionär, der nie die Bodenhaftung verloren hat, sehen.

Und der versprach: „Wir wollen das Spiel voll angehen. Das ist das erste Mal, dass ich hier im amerikanischen Dress auflaufe. Da will ich natürlich nicht verlieren.“ Erst seit fünf Tagen steht er mit der Mannschaft wieder im Training. „Da wird es schon noch einige Abstimmungsfehler geben.“ Für Sightseeing in der Hauptstadt war noch keine Zeit: „Die Jungs sind noch gejetlagt. Einer hat sogar heute Morgen verschlafen und den Bus verpasst.“

Bis zum Saisonstart „noch ein Stück Arbeit“

Gut ein Jahr ist es nun her, seit Nowitzki als bislang einziger Deutscher überhaupt den NBA-Titel gewann und zudem zum wertvollsten Spieler der Final-Serie gekürt wurde. Nach dem deprimierenden Aus in der ersten Play-off-Runde der abgelaufenen Saison vor knapp fünf Monaten nutzte der Power-Forward seine ungewollte Freizeit: Zunächst schaute er in Wimbledon beim Tennis vorbei, danach besuchte er seine Eltern in Würzburg und im August ehelichte Nowitzki schließlich die schwedische PR-Managerin Jessica Olsson.

Bis zum Saisonstart Ende des Monats „liegt noch ein Stück Arbeit vor uns“. Die acht „Neuen“ sind zu integrieren, darunter auch ein alter Bekannter von Nowitzki: Der deutsche Nationalspieler Chris Kaman kam von den New Orleans Hornets und unterschrieb einen Einjahresvertrag. Beide kennen sich aus der Nationalmannschaft, spielten zuletzt bei der EM in Litauen 2011 zusammen im Team. „Wir arbeiten daran, dass Dirk und Chris harmonieren. Das sieht alles sehr gut aus“, meinte Trainer Rick Carlisle, der bei seinem Kapitän ins Schwärmen geriet: „Dirk ist einer der besten Spieler aller Zeiten und sicherlich der besten Spieler, den ich je trainiert habe.“

Dirk Nowitzki ist aber nicht nur einer der Sportgrößen weltweit, er ist auch seit Jahren ein sozial engagierter Promi. Er hat Stiftungen in Dallas und seiner Heimatstadt Würzburg, mit denen er sich für benachteiligte Kinder einsetzt. Dafür ehrt die Amerikanische Handelskammer den 34-Jährigen am Freitag mit dem „Transatlantic Partnership Award“ und bezeichnet den „German Maverick“ als „transatlantischen Brückenbauer“. „Das wird eine große Ehre für mich sein“, sagt Nowitzki. Er selbst aber habe sich nie als Botschafter gesehen. (dapd)