Alba: Wege aus dem Loch

Alles hat seine zwei Seiten. Sassari zum Beispiel. 20 Grad Celsius werden in der Stadt auf Sardinien dieser Tage gemessen. Andererseits ist die Anreise nicht ganz einfach, und von komplizierten Trips haben Alba Berlins Basketballer ja erst einmal genug. Bamberg liegt dagegen um die Ecke, im Vergleich zu Sassari jedenfalls. Dafür fühlt es sich nicht nach Eurocup an, gegen einen Bundesligisten anzutreten. Jonas Wohlfarth-Bottermann wägt ab, der Center sagt: „Im Endeffekt ist es egal.“

Sie haben es ohnehin nicht in der Hand. Ihr Gegner im Achtelfinale wird zum Abschluss der Zwischenrunde am Mittwoch auf Sardinien ermittelt. Bamberg kann sich eine Niederlage mit elf Punkten Differenz erlauben, um als Zweiter der Gruppe J auf Alba als Primus der Gruppe N zu treffen. Für die Berliner wiederum ist das Heimspiel gegen Kragujevac ohne Bedeutung (Mittwoch, 20 Uhr), wobei auch diese Sache zwei Seiten hat. Zum Beispiel die zwei Seiten im Spiel von Jonas Wohlfarth-Bottermann. Es gibt starke Auftritte wie im November gegen die Bayern oder Ulm. Dann gibt es Auftritte wie am Sonnabend beim 75:81 in Hagen mit fünf Ballverlusten binnen elf Minuten. „Es gibt gute und schlechte Phasen“, sagt Wohlfarth-Bottermann. „Ich versuche, aus einer weniger guten Phase rauszukommen.“ Jetzt gegen Kragujevac.

Um ein Individualtraining hat der 2,08 Meter große Wohlfarth-Bottermann noch am Sonntag gebeten. Es ging um Variabilität in der Verteidigung und darum, was zu tun ist, wenn ein Center in die Falle tappt. So nennt das Albas Trainer Sasa Obradovic. Wohin mit dem Ball dann? Um solche Fragen ging es. „Jonas ist verantwortungsvoll“, sagt der Coach. „Er will an seinem Spiel arbeiten.“ Und bekommt die Chance dazu. Er spielt auch unter schwierigen Bedingungen, das ist Albas neuer Weg. Auf diesem Weg läuft es manchmal wie in Hagen und manchmal wie gegen Ulm.

„Es ist etwas anderes als die Zwiener-Story oder die Seiferth-Story“, sagt Obradovic in Anspielung auf die früheren Talente, denen Albas Ambitionen ein Dasein auf der Bank bescherten und die erst in einem anderen Verein die Chance erhielten, sich zu entwickeln.

Genau deshalb ist Wohlfarth-Bottermann jetzt in Berlin. Sie sollen Verantwortung tragen, die jungen Alba-Profis, ohne daran zu zerbrechen. Sie sollen abgesichert sein durch die Erfahrenen im Kader, durch Levon Kendall etwa, den Center, von dem Obracovic in Hagen noch mehr erwartet hätte angesichts der hitzigen Atmosphäre und der bisweilen überraschenden gegnerischen Strategie. „Eine gute Schule“, sagt der Coach, seien sollche Duelle. Bei Wohlfarth-Bottermann zeigt sie bereits Wirkung, hat Albas Sportdirektor Mithat Demirel festgestellt: „Wenn er in ein Loch fällt, zieht er sich da schon anders raus als am Anfang.“

Neu ist es für Obradovic nicht, den Unterricht in der Schule des Basketballs zu leiten. Er erinnert gern an seine Zeit in Köln und Marcin Gortat. Als junger Bursche kam der Pole 2003 zu dem Bundesligisten. Gortat spielte in sechs Partien der Hauptrunde durchschnittlich nur drei Minuten. Dann spielte er mehr und mehr und ging 2007 in die NBA. Manchmal dauert es, bis die zweite Seite zum Vorschein kommt.