New York - Alexander Zverev legte den Turbogang ein und auch Angelique Kerber ließ nach einer kurzen Nacht die Muskeln spielen: Die deutschen Tennisstars haben am vierten Tag der US Open so gar nichts anbrennen lassen und spielen nun um den Einzug ins Achtelfinale. Überraschend gilt das auch für den Kölner Qualifikanten Oscar Otte.

Erst räumte Olympiasieger Zverev aus Hamburg den überforderten Spanier Albert Ramos-Vinolas bei wieder bestem Tenniswetter in New York in nur 1:14 Stunden problemlos mit 6:1, 6:0, 6:3 beiseite. Dann, nur 90 Minuten später, ließ die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber einen überzeugenden 6:3, 6:2-Sieg gegen ihre French-Open-Bezwingerin Angelina Kalinina folgen. Kaum später schaffte Otte erstmals den Sprung in die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers mit einem 6:4, 6:4, 6:2-Erfolg gegen den Amerikaner Denis Kudla.

Angelique Kerber siegt mit einem Tag Verspätung

Für die Kielerin Kerber war es ein Drittrundeneinzug mit einem Tag Verspätung. „Es war wirklich hart, was gestern Abend und in der Nacht passiert ist“, sagte Kerber: „Ich bin froh, dass ich jetzt heute hier ein richtig gutes Match gespielt habe.“ Die Partie war aufgrund des Unwetters in New York vom Mittwoch auf den Donnerstag verschoben worden, Kerber saß bis nach Mitternacht bei starkem Regen und heftigen Windböen auf der Anlage fest. Am vierten Turniertag strahlte wieder die Sonne über dem Arthur-Ashe-Stadium – und Kerber war voll da.

Zuvor hatte schon Zverev als zweiter deutscher Profi nach dem Münchner Peter Gojowczyk seine Zweitrunden-Prüfung bestanden und seine Siegesserie auf der Tour auf 13 Matches verlängert. Der 24-Jährige hat seinen ersten Majorsieg weiter klar im Blick. „Es ist großartig, dass ich weniger als anderthalb Stunden für den Sieg gebraucht habe“, sagte der deutsche Spitzenspieler, der mit der Dominanz eines Titelanwärters aufspielte: „Ich werde die Energie, die Power noch brauchen. Ich spiele hoffentlich um den Grand-Slam-Titel, dafür bin ich hier.“

Nächster Gegner des Mitfavoriten ist der frühere Weltranglistenachte Jack Sock aus den USA, während Otte auf Andreas Seppi aus Italien trifft. Kerber, Turniersiegerin von 2016, erwartet mit Sloane Stephens eine schwere Aufgabe. Die Amerikanerin triumphierte vor vier Jahren in New York und spielte gegen ihre Landsfrau Cori Gauff stark auf.

Doch das galt auch für die deutsche Nummer eins, die sich nicht allein auf ihr Konterspiel verließ, sondern auch aggressiv auf Punktgewinne ging. Das Selbstvertrauen, das sie sich mit Halbfinalteilnahmen in Wimbledon und Cincinnati aufgebaut hat, war im Tennis-Tempel der Weltmetropole deutlich zu spüren.

Vorjahresfinalist Zverev ließ gegen den 33 Jahre alten Ramos-Vinolas ebenso keine Zweifel zu. Bei einem Challenger-Turnier 2014 war er einst mit 1:6, 0:6 gegen den Weltranglisten-48. unter die Räder gekommen. „Da war ich 16, da haben wir auf Sand gespielt. Aber ich habe während des Matches kurz dran gedacht“, sagte Zverev bei Eurosport.

Alexander Zverev kann Kraft sparen

Die Kräfteverhältnisse sind heute andere. Der Spanier konnte dem Tempo der deutschen Nummer eins überhaupt nicht folgen, es kam zu keinem Zeitpunkt Spannung auf. „Das macht er wirklich sehr gut, kein Zweifel“, sagte Boris Becker am Eurosport-Mikrofon: „Wir haben aber alle erwartet, dass Ramos wettbewerbsfähig ist, das ist er im Moment nicht. Das liegt nicht nur an Alexander Zverev.“

Zverev war es recht, er sparte Kraft und hat sich als Hauptkonkurrent von Tour-Dominator Novak Djokovic ohnehin schon in Stellung gebracht.