Schnelle Reife: Alexander Zverev.
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Berlin/New YorkAlexander Zverev lachte laut auf. Eine Tätowierung der so begehrten Trophäe der US Open? Die Idee ist ihm für den Fall seines ersten Grand-Slam-Triumphes noch nicht in den Sinn gekommen. „Ich würde das Turnier liebend gerne gewinnen, aber ich möchte meinen Körper frei von Tattoos halten“, sagte der deutsche Topspieler nach seinem Halbfinaleinzug schmunzelnd.

In die Haut soll die Silhouette also nicht gestochen werden, in seinen Händen will er den silbernen, mehr als drei Kilogramm schweren Pokal an diesem Sonntag aber unbedingt halten, das strahlt Zverev aus. Nach dem hart erkämpften 1:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:1), 6:3 im Viertelfinale gegen den Kroaten Borna Coric ist der 23 Jahre alte Hamburger nur noch zwei Schritte von der Krönung entfernt. Im Halbfinale gegen den Spanier Pablo Carreno Busta (Nr. 20) ist Zverev am Freitag (Ortszeit) Favorit.

Zverev bewies im Duell mit Coric, dass er einen Reifeprozess durchlebt hat. Er fährt nicht mehr ständig aus der Haut und bleibt bei sich, selbst dann, wenn es mal schlecht läuft wie zum Matchbeginn im Viertelfinale. „Das war schon in Australien ein bisschen so“, sagte der Weltranglistensiebte. Anfang des Jahres gehörte er in Melbourne nach einer schwierigen Zeit erstmals zu den letzten Vier bei einem Grand Slam. „Ich musste lernen, mit dem Druck und den Erwartungen an mich umzugehen“, sagte Zverev. „Das hat etwas gedauert, aber jetzt bin ich im Halbfinale der US Open. Und es soll hier definitiv nicht enden.“

Dass er gegen Coric lange nicht sein bestes Tennis spielte und dennoch als erster Deutscher seit Boris Becker 1995 den Weg ins Halbfinale von New York fand, kann man durchaus als vielversprechendes Zeichen werten. Zverev ist in der Lage, sich aus Krisen zu befreien, plötzlich hochzufahren. „Du musst, wenn es zählt, die entscheidenden Punkte machen“, sagte Becker bei Eurosport. Er habe bei Zverev eine mentale Stärke gesehen wie zuvor noch nicht in Matches dieser Bedeutung.

Zverevs Gier ist zu spüren, er will die Gunst der Stunde nach dem „Schock“ der Disqualifikation des Weltranglistenersten und Topfavoriten Novak Djokovic nutzen. Dafür muss er sich steigern und die Schwächephasen minimieren. Denn auch weitere Starspieler der sogenannten „Next Gen“, der nächsten Generation, sehen in Abwesenheit von Roger Federer, Rafael Nadal und nun auch Djokovic ihre große Stunde gekommen.

Jeder will mit aller Macht der neue Major-Champion werden. „Die Grand Slams sind die Turniere, für die man spielt“, sagte Zverev, seine Augen strahlten über dem Mundschutz. „Sie sind der Grund, weshalb ich mit dem Tennis angefangen habe.“