Berlin - Alexander Zverev wusste natürlich, welche Fragen als Erstes kommen. Nach der eher milden Bestrafung durch die Herren-Profiorganisation ATP für seinen Ausraster beim Turnier in Acapulco, als er seinen Schläger vor zwei Wochen am Schiedsrichterstuhl zerstörte und den Referee darauf wüst beschimpfte, ist das Thema in der Tennis-Szene noch längst nicht abgehakt für den Olympiasieger aus Hamburg. Also machte sich der 24-Jährige auch gar nicht erst die Mühe, über etwas anderes reden zu wollen vor dem Start des ATP-Turniers in Indian Wells – an dem er trotz des Vorfalls teilnehmen darf. Denn die acht Wochen Sperre und die Geldstrafe sind zur Bewährung ausgesetzt.

Zverev setzte sich am Mittwoch (Ortszeit) in seiner schwarzen Trainingsjacke also auf den Stuhl in dem Saal, in dem er bald dann doch wieder lieber über Siege in der kalifornischen Wüste sprechen würde. Nach einem Freilos wird Zverev gegen den Amerikaner Tommy Paul oder den Kasachen Michail Kukuschkin in Runde zwei einsteigen.

Zuvor tat er Buße. „Das war wohl der größte Fehler meiner Tennis-Karriere“, sagte er über seinen Kurzschluss in Mexiko, der ihn weltweit viele der Sympathien gekostet hat, die er sich in den Jahren zuvor mühevoll erarbeitet hatte. „Es war sicher der schlimmste Moment meines Lebens und meiner Karriere.“ Entschuldigen sei „wahrscheinlich nicht genug, so wie ich mich verhalten habe. Es war peinlich für mich, es ist noch immer peinlich, wenn ich rumlaufe oder in der Umkleide bin. Es ist kein schönes Gefühl. Wenn mir das wieder passiert, dann sollte ich gesperrt werden. Aber ich werde alles tun, um sicherzustellen, dass es nicht passiert. Nicht nur im kommenden Jahr nicht, sondern hoffentlich für den Rest meiner Karriere“, sagte Zverev.

Das öffentliche Bild von ihm hat ohnehin einige Dellen. Lange war er immer wieder vor allem nach Niederlagen sehr dünnhäutig in der Öffentlichkeit. Die Gewaltvorwürfe seiner Ex-Freundin hat er vehement abgestritten, die Untersuchung der ATP dazu läuft noch. Der Sieg bei den Olympischen Spielen in Tokio und seine glaubhafte Freude daran, Deutschland vertreten zu dürfen, halfen Zverev auf der Sympathieskala dann merklich nach oben – Acapulco aber hat seinem Image nun wieder geschadet.

Dabei arbeitet er nach eigenen Angaben schon seit Monaten daran, um für die Fans in der Heimat einen Leckerbissen zu organisieren: Den Davis Cup, den er gern nach Hamburg holen möchte. Dass es mit der Qualifikation dafür klappt, hat er vergangene Woche in Brasilien mit seiner Teilnahme und ohne Nebengeräusche sichergestellt.