Erfolg trotz Fehlerfestival: Alexander Zverev.
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Berlin/New YorkJa, es kann gut sein, dass er nach diesem denkwürdigen Spiel auch mit seinem Hund telefoniert hat. „Ich telefoniere immer mit allen, heute vielleicht auch mit ihm“, sagte US-Open-Halbfinalist Alexander Zverev nach dem hart erkämpften 1:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:1), 6:3 im Viertelfinale der US Open gegen den bissigen Kroaten Borna Coric sichtlich erleichtert. Er habe nicht sein bestes Tennis gespielt, gab Zverev bei Eurosport zu, aber: „Ich bin hier zum ersten Mal im Halbfinale, nur das zählt.“ Als erster Deutscher seit Boris Becker 1995 übrigens.

Nach dem vollkommen missratenen ersten Satz, in dem er von Coric regelrecht vorgeführt wurde, habe er sich gesagt: „So kann man nicht das Viertelfinale in einem Grand Slam spielen. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig aufgewacht.“ Das breite Grinsen hinter der Maske verriet die ganze Erleichterung.

Bruder Mischa, aus Monte Carlo zugeschaltet, beschwerte sich: „Sascha! Wenn ich heute Nacht Bauchschmerzen habe, ist es deine Schuld, ich musste vor lauter Aufregung die ganze Geburtstagstorte von meinem Kleinen essen.“

Deutschlands Topspieler, an Nummer fünf gesetzt, wartet nun auf den Spanier Pablo Carreno Busta oder den Kanadier Denis Shapovalov. „Ich glaube, ich werde mir deren Match im Fernseher anschauen“, sagte er.

Schon einen Schritt weiter als Zverev ist Laura Siegemund (Metzingen). Die 32-Jährige erreichte zusammen mit der Russin Wera Swonarewa als erste Deutsche seit Claudia Kohde-Kilsch 1985 bei den US Open das Finale im Damendoppel. Das Duo schlug die ungesetzten Russinnen Anna Blinkowa und Weronika Kudermetowa (Russland) 5:7, 6:3, 7:5.

Zverev startete überraschend verhalten und viel zu passiv ins vierte Grand-Slam-Viertelfinale seiner Karriere. Coric, Nummer 27 der Setzliste, spielte genau das Tennis, das Zverev nicht mag: Er zwang seinen Gegner in lange Ballwechsel und nahm immer wieder clever das Tempo aus dem Spiel.

Zverev reagierte wie von Coric erhofft. Der 23-Jährige machte Fehler über Fehler, zudem wirkte er seltsam emotionslos und ließ sich weit hinter die Grundlinie zurückfallen. „Je länger der Ballwechsel, umso schlechter für Sascha“, stellte Eurosport-Experte Boris Becker fest und monierte Zverevs „viel zu passive Spielweise“.

Und noch eins passte nicht in Zverevs Spiel: Der Aufschlag, vor allem der erste, in den letzten Spielen ein sicherer Erfolgsgarant, ließ den Hamburger weitgehend im Stich. Mit drei Doppelfehlern im vierten Spiel des ersten Satzes kassierte Zverev das erste Break zum 1:3, nach 24 Minuten war der erste Satz mit 6:1 bei Coric.

Im fünften Spiel des zweiten Durchgangs zeigte Zverev erstmals Emotionen. Er legte sich mit Stuhlschiedsrichterin Eva Asderaki an, weil diese ihm angeblich einen korrekten Punktgewinn nicht zugesprochen hatte.

Wenig später regte sich Zverev darüber auf, dass Coric in einem Satz zweimal den Platz verließ, um seine durchgeschwitzten Sachen zu wechseln. „Das kannst du doch hier machen“, rief er Coric zu. Dessen Antwort: „Ich musste auch die Hose wechseln.“ Becker gab Zverev recht: „Ich würde durchdrehen.“

Trotz aller Widernisse schaffte Zverev den Satzausgleich. Nach 1:40 Stunden machte er den Punkt zum 7:5 im Tiebreak. „Das war so wichtig“, sagte Becker, blieb aber bei seiner Kritik: „Er spielt immer noch zu passiv, vor allem auf den zweiten Aufschlag von Coric muss er mehr draufgehen.“

Eine Stunde dauerte der dritte Satz, es ging erneut in den Tiebreak, aber dieses Mal machte es Zverev mit dem 7:1 zur 2:1-Satzführung deutlich weniger spannend. Im dritten Durchgang sah sich Zverev wieder mehr in der Defensive, im fünften Spiel musste er zwei Breakbälle abwehren, holte sich dann aber seinerseits das entscheidende Break zum 5:3.