Angeschlagen in Paris: Alexander Zverev.
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ParisAlexander Zverev schmerzten die Glieder, sein Kopf brummte. „Ich bin komplett krank, kann kaum atmen und hatte 38 Grad Fieber“, sagte der beste deutsche Tennisspieler mit belegter Stimme, kurz nachdem in Paris sein großer Traum vom ersten Grand-Slam-Titel einmal mehr geplatzt war. Zverev hustete bei der virtuellen Pressekonferenz immer wieder hinter seiner Maske.

Natürlich werde er sich nun noch einmal auf Corona testen lassen, kündigte der Weltranglistensiebte an, bisher waren die regelmäßig durchgeführten Tests negativ. Der letzte wurde offenbar am 29. September durchgeführt, ein weiterer stand noch am Sonntag an, dies berichtete unter anderem ein Journalist der New York Times mit Verweis auf den veranstaltenden französischen Tennisverband FFT. „Ich denke eher, dass es das Wetter hier ist. Ich habe nicht die richtigen Symptome von Corona“, sagte Zverev: „Ich hoffe wirklich, dass es das nicht ist.“

Kurz zuvor hatte er ohne seine gewohnte Power kaum eine Chance gegen den 19 Jahre alten italienischen Shootingstar Jannik Sinner und verpasste mit einer 3:6, 3:6, 6:4, 3:6-Niederlage seinen dritten Einzug ins Viertelfinale der French Open. „Vielleicht hätte ich nicht spielen sollen“, sagte Zverev: „Aber ich habe irgendwie auf einen Dreisatzsieg gehofft."

Seine starke Major-Saison mit dem Finale bei den US Open und der Halbfinalteilnahme bei den Australian Open endete mit einer Enttäuschung. Insgesamt sei er zwar definitiv auf einem guten Weg, sagte Zverev. Aber er hatte sich für Paris mehr erhofft, er wollte der Krönung bei einem der vier wichtigsten Tennisevents wieder so nah wie möglich kommen und in der Runde der letzten Acht Rekordchampion Nadal herausfordern. Das übernimmt nun Sinner.

Der Südtiroler ist der erste French-Open-Debütant seit Nadal 2005, der die Runde der letzten Acht erreichte. Daniel Altmaier (Kempen) kann es ihm am Montag gleichtun, auch Laura Siegemund ist weiter im Rennen für den Deutschen Tennis Bund (DTB). Die Doppel-Titelverteidiger Kevin Krawietz/Andreas Mies haben das Viertelfinale bereits erreicht.

Zverev war seine mangelnde Frische zu Matchbeginn anzumerken, schnell suchte er auch den Kontakt zu den Medizinern und erhielt ein Nasenspray. Mit Sinner, den er „aus dem Stand schon jetzt als einen der besten Spieler der Welt“ ansieht, konnte er nur schwer mithalten. „Bei jedem langen Ballwechsel habe ich ein Brennen in der Brust gespürt“, sagte Zverev, der sich laut eigenen Angaben bei seinem Physio Hugo Gravil angesteckt haben könnte, der ebenfalls krank war.

Sinner, den Zverev aus etlichen gemeinsamen Trainings gut kennt, war ohne Satzverlust ins Achtelfinale marschiert und dominierte die Partie mit seinen wuchtigen Grundlinienschlägen. „Zverev muss heute sein bestes Match spielen“, stellte Becker bei Eurosport fest: „Das ist nichts für schwache Körper und weiche Nerven.“ Zverev bekam trotz schwächelnden Körpers seine Chancen, konnte sie aber nicht nutzen. Aus Frust knallte er seinen Schläger auf den Boden.

Sinner, noch 75. der Weltrangliste mit klarer Tendenz nach oben, beeindruckte mit seiner Wucht, spielte aber weiter nicht fehlerfrei. Zverev musste um fast jeden Punkt hart kämpfen, ihm fehlte in den Ballwechseln oft auch der Killerinstinkt. Und er pumpte sichtlich. Zverev gab nicht auf, kämpfte verbissen und nutzte Sinners Schwächephase zum Ende des dritten Satzes. Doch dann schaltete Sinner noch einmal hoch und setzte sich verdient durch.

Nachziehen will am Montag Altmaier, der nach dem Dreisatzsieg gegen den an Nummer sieben gesetzten Italiener Matteo Berrettini selbstbewusst ins Duell mit dem Spanier Pablo Carreno Busta (Nr. 17) geht. „Das war erst der Anfang“, sagte Altmaier. Auch Siegemund rechnet sich nach dem Coup gegen Petra Martic (Kroatien/Nr. 13.) gegen Paula Badosa Gilbert (Spanien) gute Chancen aus.