Paarlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko setzt als Trainerin zu einem Karrieresprung an – allerdings nicht in Deutschland. Die sechsmalige Weltmeisterin wird neuer Bondscoach der Niederlande, wie der nationale Eislauf-Verband am Montag in Utrecht bekannt gab. Die 38-Jährige soll auch ein neues Eiskunstlauf-Trainingszentrum in Heerenveen leiten, das im Frühjahr 2023 eröffnet wird.

„Ich versuche, so schnell wie möglich in Heerenveen anzufangen. Es ist eine große Herausforderung, den Eiskunstlauf in den Niederlanden auf ein höheres Niveau zu bringen. Ich freue mich, dass mir diese Möglichkeit geboten wird“, sagte die gebürtige Ukrainerin, die aktuell noch in Oberstdorf lebt.

Paarlaufprojekt in Berlin gescheitert

Dort arbeitete Savchenko zuletzt als Privattrainerin. Nun soll sie in den Niederlanden ein spezielles Förderprojekt für den Eiskunstlauf nach vorne bringen. International spielen die Kunstläufer bislang im Vergleich zu den Eisschnellläufern, die absolute Weltspitze sind, nur eine unbedeutende Nebenrolle. Genau das will Savchenko ändern: „Diesen Ehrgeiz habe ich.“

Damit sind Bestrebungen hinfällig, die erfolgsbesessene, mitunter aber auch launische viermalige Europameisterin in Deutschland zu halten. Nach Informationen des Sportinformationsdienstes scheiterten Planungen für ein internationales Paarlaufprojekt in Berlin an Vorbehalten in der Deutschen Eislauf-Union (DEU).

Dem als Projektleiter vorgesehenen Alexander König, der Savchenko und ihren Partner Bruno Massot 2018 in Pyeongchang zu Olympiagold geführt hatte und seinen früheren Schützling in die Arbeit einbinden wollte, wurde gekündigt. Der 55-Jährige steht seit Jahresbeginn als Coach für die Bereiche Wissenschaft, Aus- und Fortbildung bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) unter Vertrag.

Savchenkos Brüder sind in der Ukraine geblieben

Aus dem Allgäu heraus versucht Savchenko derzeit, ihre Verwandten in der unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Ukraine zu unterstützen und Kontakt zu ihnen zu halten. Die Eltern der sechsmaligen Weltmeisterin befinden sich mittlerweile in Deutschland. Ihr Vater allerdings wollte zunächst nicht fliehen, seine Söhne, sein Land nicht zurücklassen. Es habe viel Überredungskunst gebraucht, bis er sich doch auf den Weg machte, erzählte Savchenko. Vier Tage lang dauerte die Reise ihres Vaters bis nach Deutschland. „Es war einfach schrecklich, wie ein Horror-Movie“, berichtete die 38-Jährige, die ihre ersten Pirouetten auf einem zugefrorenen See in der Nähe von Kiew drehte und dort auch zur Juniorenweltmeisterin im Paarlaufen wurde. Ihr Vater habe auf seiner Flucht „Schießerei ohne Ende“ erlebt, erzählte Savchenko.

Sie sei sehr erleichtert, ihre Eltern nun beide in Sicherheit zu wissen. „Aber meine drei Brüder dürfen nicht raus und wollen auch nicht. Sie sagen, wir verteidigen unser Land“, berichtete Savchenko am Wochenende im ZDF-„Sportstudio“.