Die Zuschauer können kommen, ihre Namen sind im Stadion von Zweiltigist Darmstadt 98 schon da.
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Frankfurt a. M.Christian Seifert führte seinen Kampf gegen die Furcht mit leicht verschwitztem Gesicht. „Natürlich darf man nicht leichtsinnig werden. Aber Angst vor dem, was passieren könnte, darf uns nicht lähmen“, sagte der Boss der Deutschen Fußball Liga (DFL), als er am Donnerstag im heißen Scheinwerferlicht eines Frankfurter Hotelraums die Pläne des Profifußballs hinsichtlich einer Zuschauer-Rückkehr in die Stadien vehement verteidigte.

Nach dem virtuellen Treffen der 36 Klubchefs rund zwei Wochen vor dem Saisonstart gab Seifert zu Protokoll, dass mittlerweile alle Bundesligisten und Zweitligisten dem Beispiel von RB Leipzig gefolgt sind. „Alle Klubs haben Unterlagen erarbeitet und sind mit den Behörden im Gespräch“, äußerte der DFL-Geschäftsführer, der von der „vermutlich anspruchsvollsten und schwierigsten Spielzeit in der Geschichte des Profifußballs“ ausgeht.

Schon vor der Versammlung hatten die Reaktionen auf den bereits genehmigten Plan von RB Leipzig gezeigt, dass sich der Profifußball bei diesem Thema in kaum gewohnter Einigkeit präsentiert. Der Vorstoß der Leipziger, die bei ihrem Bundesliga-Auftakt gegen den FSV Mainz 05 trotz der Corona-Pandemie vor 8500 Fans auflaufen wollen, war von nahezu allen Seiten gelobt worden.

„Die Fragen, ob Menschen in Bundesligastadien das falsche Zeichen ist, sind absolut berechtigt“, gab Seifert zu, betonte aber auch: „Vielleicht hat aber eine andere Perspektive auch ihre Berechtigung. Nämlich, dass es ein wichtiges Zeichen ist. Ein Zeichen, dass sich Tausende Menschen an Verhaltensregeln halten wollen und können.“

Dass sich die Klubs mit ihren Plänen nicht an den vorgesehenen Zeitplan der Politik halten, wonach eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien einen Vorschlag bis Ende Oktober präsentieren soll, scheint die Vereinsbosse kaum zu interessieren. Schon in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals (11. bis 14. September) werden Zuschauer in den Arenen sein.

Die große Mehrheit der Vereine will auch die Wettbewerbsverzerrung aufgrund der regional unterschiedlichen Vorschriften hinnehmen, um den Trumpf des Fakten-Schaffens nicht aus der Hand zu geben. Für dieses Vorgehen plädierten unter anderem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund.

Für Seifert ist der Begriff Wettbewerbsverzerrung ohnehin „viel zu hoch geschossen“, denn: „Das trifft nicht den Kern, weil der Wettbewerb immer noch unter so außergewöhnlichen Voraussetzungen stattfindet.“ Dieser Meinung ist auch Vorstandsboss Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt: „Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder Zuschauer in den Stadien haben.“

Kritik an den Fußball-Plänen übten dagegen Fanvertreter und zahlreiche Politiker. „Jetzt wieder Fußballspiele mit Fans zu erlauben, während gleichzeitig die Infektionszahlen steigen, wäre ein schlechtes Signal“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder der „Passauer Neuen Presse“: „Ein Verein mit Fans, die anderen ohne - das kann weder im Sinn der Liga noch des Sports sein.“

Der CSU-Chef forderte deshalb wie zuvor bereits Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „einheitliche Regeln“ für die Bundesliga. Deutschlandweit geltende Vorschriften will die DFL auch. Das wäre schließlich für die Präsentation des Produkts hilfreich. „Grundsätzlich begrüßen wir, dass bundeseinheitliche Regeln getroffen werden sollen“, sagte Seifert.

Einigkeit gab es bei zwei Themen. So werden die Mannschaften in der kommenden Saison fünfmal auswechseln dürfen. Zudem gab es grünes Licht für das überarbeitete Hygienekonzept. Rund um den Spielbetrieb wird künftig beim Corona-Testungsschema eine Gliederung in drei Stufen der Pandemie-Aktivität vorgenommen werden. Laut Seifert wird der Profifußball etwa 3500 Tests pro Woche benötigen.