Die Rückkehr von Salomon Kalou (2.v.l.) ins Teamtrainig freut offensichtlich seine Hertha-Kollegen. 
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Berlin-WestendDie Freude wieder dabei zu sein, war nicht nur ihm anzusehen. Als Salomon Kalou gemeinsam mit Vedad Ibisevic, Karim Rekik und Dodi Lukabkio am Dienstagvormittag den Schenckendorffplatz betrat, versprühte Herthas Quartett gute Laune. Es wurde gegrinst, gelacht und gefeixt, was wiederum bemerkenswert war, hatte die blau-weiße Seele doch noch am Wochenende durch den desolaten Auftritt gegen den 1. FC Köln (0:5) arg gelitten.

Dass Kalou und auch sein Kollege Alexander Esswein das erste Mal seit fast zwei Wochen Herthas Trainingsgrün gemeinsam mit den Kollegen bespielen durften, lag an einer Intervention des Mannschaftsrates. Das teaminterne Gremium wurde vor der Saison von Ex-Trainer Ante Covic mit den beiden etatmäßigen Kapitänen Ibisevic und Niklas Stark sowie Per Skjelbred, Arne Maier und Kalou besetzt. Die Mannschaftsprecher wurden bei Cheftrainer Alexander Nouri, 40, vorstellig, baten ihn, das Duo wieder zu integrieren, da beide wichtige Figuren für die Stimmung im Team seien.

Eigentlich hatten beide nach dem Kamikaze-Rücktritt von Jürgen Klinsmann unter Nouri zunächst am Spielbetrieb wieder teilnehmen dürfen. In der vergangenen Woche fehlten sie allerdings. Während Esswein bei der U23 trainierte und mithelfen sollte, den Junioren bei der 1:3 Niederlage beim Berliner AK in der Regionalliga unter die Arme zu greifen, aber letztlich ohne Einsatz blieb, fehlte Kalou angeblich aufgrund von „individueller Belastungssteuerung“. Von einer erneuten, offiziellen Verbannung sprach Nouri nicht.

Wichtig für das Binnenklima 

Das Einlenken Nouris durch das Eingreifen der Mitspieler freut Kalou. „Darum geht es doch im Fußball. Man kämpft füreinander“, sagt der Ivorer nach der fast 90-minütigen Einheit unter den Augen von Manager Michael Preetz.

Die kollegiale Intervention zeigt, was vielen Beobachtern klar war und deswegen größtenteils nur Kopfschütteln hervorrief, als Nouris Ex-Chef Jürgen Klinsmann den Champions League Sieger von 2012 im Winter final aussortierte. Kalou ist weiterhin wichtig für Hertha. Auf und neben dem Platz. Mit seiner Aufgeschlossenheit, seinem Humor und seiner positiven Art, wirkt er entscheidend auf das Binnenklima in der Mannschaft ein. Seine Ausstrahlung und seine Erfahrung sind, insbesondere für die vielen jungen Spieler in der Kabine, eine wichtige Stütze. Zum mittlerweile 34-Jährigen schauen fast alle Mitspieler auf, sein Wort hat nach wie vor Gewicht.

Kalou träumt vom Comeback

Zudem versprüht der Stürmer mit seiner Art eine Lockerheit, die Hertha gewiss derzeit gut gebrauchen kann. Wie er der Mannschaft helfen kann? „Mit meinen Lächeln“, sagt Kalou verschmitzt. Man kämpfe doch für das gleiche Ziel. „Wir wollen gewinnen“, erklärt er, „das schaffen wir aber nur gemeinsam und wenn wir einen guten Teamgeist haben".

Obwohl Kalou seit Wochen auf der Suche nach einen neuem Klub in den USA ist, bei dem er noch mindestens zwei Jahre in der MLS spielen will, liebäugelt er weiter mit einer Rückkehr in den Kader. Zuletzt hatte er am 30. November für 12 Minuten gegen Borussia Dortmund gespielt. „Ich bin hier und trainiere gut“ sagt er, „vielleicht darf ich dann auch nochmal spielen. Ich brauche nur noch zwei Tore, um 50 Treffer in der Bundesliga zu haben“.

Die Zielmarke nach fünfeinhalb Jahren bei Hertha BSC noch zu erreichen wird schwer. Nouris Umdenken soll nur für die Trainingsgruppe, nicht für den Spieltagskader gelten.