Alles andere als typisch Union Berlin: Die Eisernen verlieren in Leverkusen 0:5

Die Elf von Urs Fischer kassiert innerhalb von zwölf Minuten drei Gegentore und gibt infolge einer sehr schwachen Leistung die Tabellenführung an die Bayern ab.

Düsterer Nachmittag: Union-Keeper Lennart Grill muss fünf Gegentreffer hinnehmen.
Düsterer Nachmittag: Union-Keeper Lennart Grill muss fünf Gegentreffer hinnehmen.dpa/Becker

Der 1. FC Union Berlin ist nicht mehr Tabellenführer der Bundesliga, weil sich die Elf von Trainer Urs Fischer am Sonntagnachmittag beim Gastspiel in Leverkusen im Besonderen in der zweiten Hälfte eine ganz schwache Leistung erlaubte, innerhalb von gerade mal zwölf Minuten drei Gegentore kassierte und schließlich nicht mehr zu einer Reaktion fähig war. Am Ende hieß es aus Sicht der Köpenicker 0:5, was so unwirklich erschien wie all die Erfolge zuvor. Kurzum: Das war alles andere als typisch Union. Nach der dritten Saisonniederlage steht der FCU mit 26 Punkten hinter dem FC Bayern (28 Punkte) und dem SC Freiburg (27 Punkte) in der Tabelle jedenfalls „nur“ noch auf Platz drei.

„Wir haben gleich nach der Pause zwei Tore bekommen, die man nicht bekommen darf. Danach wollten wir kompakt bleiben, aber das ist uns nicht gelungen. Das passiert aber mal. Und wir wussten auch, dass es auch mal ein Spiel geben wird, bei dem es eine Packung gibt“, sagte Kapitän Christopher Trimmel unmittelbar nach der Partie und lächelte dabei.

Als Ersatz für den verletzten Frederik Rönnow, der schon beim Europapokalspiel bei Royale Union Saint-Gilloise zur Pause wegen einer strukturellen Muskelverletzung ausgewechselt werden musste und nun schauen muss, dass er bis zur WM in Katar rechtzeitig fit wird, hütete in der BayArena Lennart Grill dieses Mal das Tor der Eisernen. Außerdem stand András Schäfer nicht zur Verfügung. Der Ungar sah sich nämlich umgehend zu einem operativen Eingriff am Fuß gezwungen. Wobei die Unioner mal wieder alle Außenstehenden über das Wo und das Warum im Unklaren ließen. Für Schäfer spielte Morten Thorsby auf der offensiven Halbposition im Mittelfeld.

Grill, der im Sommer auf Leihbasis von Leverkusen nach Köpenick gewechselt war, schnappte sich zu Beginn der Partie gleich mal zwei Flanken, erwies sich bei zwei, drei Ballaktionen, welche die Gastgeber durch ihr Forechecking erzwingen konnten, auch gleich noch als guter Kicker. Und mehr war da erst mal nicht zu tun für den 23-Jährigen, der in der zweiten Hälfte jedoch mit einem groben Schnitzer Bayer entscheidend in die Karten spielen sollte.

Verantwortlich für seinen unkomplizierten Einstieg in den Fußballnachmittag waren seine aufmerksamen Mitspieler, die es fertigbrachten, dass das Team von Trainer Xabi Alonso einfach keinen Schwung aufnehmen konnte. Die Leverkusener kamen nicht so recht ins Laufen, nicht so recht ins Passen, weil die Unioner zunächst mal wieder ihrem Ruf als Deutschlands beste Verhinderer gerecht werden konnten.

Khedira hat erst mal alles im Griff

Rani Khedira tat sich dabei mal wieder hervor, als derjenige, der den anderen Mittelfeldspielern in der höchsten deutschen Spielklasse ein Beispiel gibt, wie man ballführende Gegner in Zweikämpfe verwickelt beziehungsweise zum Rück- oder Querpass. Auch Trimmel brachte 45 Minuten lang eine richtig gute Leistung auf den Platz, war so fleißig, dass Abwehrmann Timo Baumgartl (für Danilho Doekhi in der Startelf) fast nie in eine Eins-gegen-zwei-Situation geriet.

Im Endeffekt kamen die Leverkusener im ersten Spielabschnitt nur zu einem Torschuss. In der 40. Minute zog Nadiem Amiri von halblinks aus 20 Metern ab, Grill flog quer durch die Luft, was er sich allerdings hätte sparen können, da der Ball doch gut einen Meter über die Querlatte hinweg in die Kurve flog.

Zufrieden war Fischer, wie sich an seiner Miene zeigte, mit dem Auftritt seiner Mannschaft aber dennoch nicht. Was ihm missfiel, war vor allem das Offensivspiel. Jordan Siebatcheu war bemüht, fand aber nicht ins Spiel. Sheraldo Becker wiederum wartete nur auf eine Chance, als sich selbst um die Einleitung einer solchen Chance kümmern zu wollen. Ja, Unions Erfolgscoach grummelte bis zum Halbzeitpfiff vor sich hin – und änderte erst mal nichts, weil seine Spieler letztendlich doch alles im Griff zu haben schienen.

Doch unmittelbar nach Wiederanpfiff erlaubten seine Jungs den Leverkusenern einen ersten Eckstoß, schließlich auch einen Abschluss, wobei Khedira gegen Robert Andrich einen Schritt zu spät kam. Andrich verwertete aus sechs Metern mit dem linken Fuß, verzichtete aus Respekt vor den ehemaligen Kollegen auf einen Torjubel, während seine Mitspieler ihrem Glück freien Lauf ließen.

Neue Erfahrung für Urs Fischer

Die Leverkusener zogen aus diesem Treffer unglaublich viel Energie und Zuversicht, während sich die Unioner sogleich um eine Antwort bemühten. Dabei kamen sie in der 56. Minute selbst zu einem Eckstoß, der allerdings abgewehrt wurde und bei Khedira landete, der in dieser Situation als Abfangjäger agierte. Khedira passte von der Mittellinie zurück auf Grill, der bei der Spielfortführung allerdings zu lange zögerte, von Jeremie Frimpong geblockt wurde, sodass sich für Moussa Diaby plötzlich die Chance zum Sololauf Richtung Union-Tor eröffnete. Der Franzose blieb dabei ganz cool, ließ „Torhüter“ Khedira keine Chance. Zwei Minuten später liefen die Eisernen erneut in einen Konter, den erneut Diaby nach finalem Pass von Mitchel Bakker erfolgreich zu Ende führen konnte.

Der Rest war eine neue Erfahrung für Urs Fischer. Denn so konfus wie im Anschluss an den dritten Gegentreffer war Union unter seiner Führung noch nie. In der 68. Minute traf Leverkusens Adam Hlozek per Hackentrick zum 4:0, acht Minuten später erhöhte Bakker sogar noch auf 5:0.