Berlin - Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat ein Gespür für Fußball. Sie hat es offensichtlich auch für das, was um den Fußball herum passiert. Denn als sie sich kürzlich mit kritischen Worten vom Deutschen Fußball-Bund nach Großbritannien verabschiedete, wo sie für den englischen Fußball-Verband tätig sein wird, war das Fazit ihrer Rückschau, dem DFB fehle es an Visionen: „Aus Angst vor Veränderung entsteht selten etwas Gutes“, sagte sie. Aber um zukunftsfähig zu sein, brauche es „eine klare Analyse der aktuellen Probleme und Offenheit für neue Wege“.

Einen neuen Weg wird es mit den immergleichen Funktionären nicht geben. Nicht im DFB und auch nicht im Berliner Fußball-Verband (BFV). Denn dort ist seit Sonnabend klar: Präsident Bernd Schultz, 63, geht in seine fünfte Amtszeit.

Vertreter von 110 Vereinen fehlen bei der Wahl

Zum zweiten Mal seit 2004 hatte er dieses Mal in der ehemaligen Fernsehmoderatorin Gaby Papenburg eine Gegenkandidatin. Die 61-Jährige aus Berlin-Zehlendorf scheiterte jedoch mit ihrem Vorhaben, als erste Frau einen großen Landesverband im Fußball zu führen. Sie bekam 33 Stimmen von 117, Schultz 81. Es gab drei Enthaltungen. „Das Ergebnis war deutlicher, als ich es mir erhofft hatte. Ich bin sehr stolz auf das Votum der Vereine“, sagt Schultz. Der ehemalige Polizeibeamte, der bereits von 1993 bis 2004 Schatzmeister des Verbandes war, gehört dem BFC Alemannia 90 an. Er hatte seine Allianzen im Vorfeld geschmiedet und seine Erfahrung in die Waagschale geworfen. Dabei galt er durchaus als umstritten.

Papenburg, deren Vorschlag abgeschmettert wurde, den BFV in einen gemeinnützigen Spielbetriebsteil, eine GmbH für wirtschaftliche Aktivitäten und eine Stiftung aufzuteilen, findet, der Fußball in der Hauptstadt habe „nicht erkannt, dass er eine riesige Chance hatte und die Möglichkeit zur Veränderung“.

Sie hatte es jedoch verpasst, die kleinen, jungen, unkonventionellen Vereine zu erreichen, zu mobilisieren. Denn als einen Grund für ihre Niederlage sah Papenburg die geringe Wahlbeteiligung, die bei zwischen 50 und 60 Prozent der Berliner Fußballvereine lag. Sie hatte sich mehr Stimmen ausgerechnet. Aber dann nahmen an dem Verbandstag doch wieder nur all die Vereine teil, die immer teilnehmen.

Vertreter von 110 Vereinen fehlten. Sie bekamen nicht mit, wie sich der Fußball strukturell und personell gegen Erneuerung wehrt. Sie hörten nicht, wie der derzeitige DFB-Präsident Rainer Koch eine gar nicht mal so versteckte Wahlempfehlung für Schultz abgab. Sie vernahmen nicht, wie der Sprecher des Ältestenrates die Kompetenz einzelner Mitglieder aus dem Team Papenburg in Zweifel zog.  Jetzt ist wieder alles beim Alten, auch wenn Schultz versprach, aus dem BFV „bis 2025 den modernsten Verband Deutschlands“ zu machen.