Coach Hansi Flick holt für die Bayern Meistertitel Nummer 30.
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BerlinNatürlich hatte der 3:0-Sieg des 1. FC Union gegen Fortuna Düsseldorf eine gewisse Bedeutung für die Zukunft von Werder Bremen. Aber diese Kleinigkeit stellte beileibe nicht das Wesentliche der Partie in der Alten Försterei dar. Viel bemerkenswerter war, dass sich die Berliner mit dem Erfolg auf den 20. Platz der relativen ewigen Bundesligatabelle vorschoben und dabei ausgerechnet Gegner Fortuna Düsseldorf verdrängten, mit 25 Liga-Jahren auf dem Buckel ein ehrwürdiges Hin- und Wieder-Mitglied der Spielklasse, seit Sonnabend einmal mehr im Hin-Status angekommen.

Die ewige Bundesligatabelle lügt nicht. Sie flunkert manchmal nur ein bisschen, da sie in ihrer absoluten Form, die offiziell zum Maßstab genommen wird, vor allem Langlebigkeit und damit punktuell auch eine gewisse Mittelmäßigkeit belohnt. Das beweist der Umstand, dass sich Klubs wie Hannover 96, der VfL Bochum oder MSV Duisburg, die niemals besonders große Bäume ausrissen, nach wie vor in den Top Twenty tummeln. Und Union ist dort bloß 49., anders als in der relativen Tabelle, die den erheblich aussagekräftigeren Punkteschnitt berücksichtigt, statt die insgesamt erreichten Zähler. 41 Punkte in 34 Partien bedeuten 1,206 je Match und Platz 20, Düsseldorf hat in seiner Erstligageschichte nur 1,199 geschafft, und Hertha BSC auf dem nicht weit von Union entfernten 15. Platz 1,339 in 1216 Spielen mehr.

Zweiter in dieser effizienzgesteuerten Rangliste ist übrigens keineswegs Borussia Dortmund, Werder Bremen oder gar der HSV, sondern RB Leipzig. 1,853 Punkte, da können alle anderen, außer den Bayern (2,011), nur staunen. Und unter den letzten Fünf der insgesamt 56 Klubs, die jemals Bundesligaluft schnupperten, befinden sich drei Berliner Teams, Tennis Borussia, Blau-Weiß 90 und das souveräne Schlusslicht Tasmania 1900, aber die armen Neuköllner konnten ja auch nichts dafür, dass es sie damals in diese undankbare Liga verschlug.

So einsam wie Tasmania das Ende der Tabelle ziert, so unangefochten thront der FC Bayern an der Spitze, ganz egal, wie man rechnet und welche Kategorien herangezogen werden. Seit die Münchner 1983 in der offiziellen Tabelle den schon am 1. Spieltag führenden und zwischendrin nur sporadisch verdrängten 1. FC Köln ablösten, bauten sie ihren Vorsprung kontinuierlich aus.  Mit ihrem aktuellen 100-Tore-Sturm, der den eigenen Rekord von 1972 nur um einen Treffer verpasste, schraubte das meisterliche Perpetuum mobile die gesamte Torausbeute auf 4133 und brauchte dafür nur 76 Partien mehr als Borussia Dortmund, das im vergangenen Januar endlich Werder Bremen vom zweiten Platz verdrängte, für seine läppischen 3216 Treffer. Sollten die Bremer das Kunststück schaffen, doch noch abzusteigen, würden die Bayern, die ja die ersten beiden Bundesliga-Saisons aus für sie völlig unverständlichen Gründen (1860 wurde vorgezogen) verpassten, auch bei den absolvierten Spielen auf Platz eins rücken. Bei den Gegentoren (2033) werden sie erst vom zehntplatzierten Klub Bayer Leverkusen (1872) unterboten, und der hat 476 Matches weniger.

Zwischen den beiden entrückten Antagonisten Tasmania und FC Bayern bietet der Blick auf die ewige Tabelle eine nostalgische Reise durch die Geschichte der Bundesliga. Immer noch liegen Teams auf den vorderen Plätzen, die wie der Hamburger SV (4.), der VfB Stuttgart (5.), der 1. FC Kaiserslautern (11.) , der 1. FC Nürnberg (14.), Karlsruher SC (19.) oder Eintracht Braunschweig (20.) lange die Liga prägten, inzwischen aber mehr oder weniger vom Sturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit bedroht sind. Andere wie Waldhof Mannheim (29.), Kickers Offenbach (30.) Energie Cottbus (34.), Wattenscheid 09 (36.), der FC Homburg (43.) oder das von der Auswahlkommission des Deutschen Fußball-Bundes anno 1963 leicht überschätzte Gründungsmitglied Preußen Münster (52.) sind bloß noch blasse Erinnerungen an eine Zeit, als die Bundesliga noch keine relativ geschlossene Gesellschaft mit fixem Meister war, in der 15 der 22 Aufsteiger seit 2010 wieder abgestiegen sind.

Der 1. FC Union immerhin darf weiter punkten und wird kommende Saison in der offiziellen ewigen Bundesligatabelle zweitbestes Berliner Team aller Zeiten werden. Zu Tennis Borussia auf Platz 48 fehlen noch acht Zähler.