BerlinEs hätte der Showdown in der NOFV-Oberliga Nord sein sollen: Tasmania Berlin, Tabellenführer mit 21 Punkten, zu Gast beim Greifswalder FC (17). Doch daraus wurde nichts, die geplante Partie am Sonntag wurde wegen des „Lockdown light“, den die Bundesregierung vergangene Woche beschlossen hatte, abgesagt. Noch bis mindestens Ende November muss der Amateurfußball nun wieder pausieren. Für Tasmania kommt diese Zwangspause zur Unzeit. Denn die Neuköllner treten trotz der schwierigen Umstände so erfrischend auf wie lange nicht.

Maßgeblich mitverantwortlich hierfür ist Almir Numic. Der Unternehmer (Hotelservice und Facility Management) hat in diesem Frühjahr in Detlef Wilde den langjährigen Vorstandsvorsitzenden des Klubs abgelöst und so gleichzeitig einen Neuanfang im Verein eingeläutet. Während Außenstehende diesen mitunter skeptisch betrachten, hat er sich für Tasmania bislang als Glücksfall erwiesen.

„Wir haben hier in den letzten Monaten viel geleistet“, sagt Numic, während er es sich auf einem der Stühle in dem frisch ausgebauten vereinseigenen Stadion-Casino gemütlich macht. Er sagt dies nicht ohne Stolz, legt viel Wert auf das Wir. Ausschlaggebend für das Engagement sei vor allem das Potenzial gewesen, das Numic im Verein und der Marke Tasmania Berlin sieht. Während die anderen Vereine der Oberliga Nordost Nord höchstens Insidern ein Begriff sind, ist Tasmania noch heute über Berlins Stadtgrenzen hinaus für seine Bundesliga-Negativrekorde von einst bekannt. Aber: Tasmania ist weit mehr als der schlechteste Bundesligaverein der Geschichte, gehörte etwa 2003 zu den Gründungsmitgliedern der U19-Bundesliga und holte dort in der ersten Saison 31 Punkte. „Dieser Verein lebt. Er ist eine Legende, ein schlafender Riese“, sagt Numic. „Wir haben ein brutales Potenzial, das es nun mit viel Arbeit auszuschöpfen gilt.“

Mit viel Arbeit, die in diesem Jahr im Eiltempo begonnen hat. Das Trainerteam der ersten Mannschaft wurde bereits ausgetauscht, da war Numic noch nicht einmal offiziell in seinem neuen Amt. Auch die Jugendabteilung wurde personell neu besetzt. Der heimische Werner-Seelenbinder-Sportpark wurde auf Vordermann gebracht, man hat sieben weitere Jugendmannschaften kreiert und gleich mehrere neue Sponsoren akquiriert. Er gehe Dinge lieber sofort an, statt sie auf die lange Bank zu schieben, sagt Numic.

Und er verfolgt einen Plan: „Ich wollte wegkommen davon, mit viel Geld teure Spieler zu verpflichten und so zwanghaft zu versuchen aufzusteigen“, sagt Numic. Stattdessen wolle er einen sportlich und wirtschaftlich gesunden Verein aufbauen. Daraus, dass es auch hierfür anfangs zusätzlicher finanzieller Mittel bedarf, macht Numic kein Geheimnis. Das Geld, das er selbst seit seinem Einstieg bei Tasmania investiert hat, sei vor allem für strukturelle Aus- und Verbesserungen ausgegeben worden, sagt er und betont: „Es ist nicht so, dass ich hier hingekommen bin und angefangen habe, mit Geld um mich zu schmeißen.“ So habe auch niemand, der im Sommer einen Vertrag bei Tasmania unterschrieben hat, dies allein des Geldes wegen getan, so Numic. „Jeder Führungsspieler hat bei uns auf mindestens hundert Euro verzichtet. Sie tun das, weil sie von unserer Philosophie überzeugt sind.“

Eine Grundvoraussetzung für sein Engagement ist eine gute Beziehung zwischen Verein und Fans. Vielleicht auch in dem Wissen, dass Einstiege von Unternehmern und Investoren im Amateurfußball immer auch mit Kritik verbunden sind, hat Numic es früh zu einer Priorität gemacht, auch Tasmanias Anhänger von sich und seiner Philosophie zu überzeugen. Erstes Mittel war hierbei ein Treffen in deren Stammkneipe, noch bevor er sich endgültig für das Projekt entschieden hatte. „Hätte ich da bei nur einem gemerkt, dass es Vorbehalte gibt und Stress geben könnte, dann hätte ich die Sache abgeblasen“, sagt er.