Berlin - Lisa Unruh schoss sich in Rio mit markantem Fischerhut in die Herzen Millionen deutscher Fernsehzuschauer, erfüllte sich mit der Silbermedaille einen Kindheitstraum – doch vollends genießen konnte sie das nicht. Die Berlinerin plagte nach dem größten Erfolg ihrer Karriere ein innerer Zwiespalt, die verpasste Olympia-Qualifikation ihres Freundes Florian Kahllund drückte aufs Gemüt. „Es schmerzt, seinen Partner zu Hause zu lassen und seine eigene Freude zurückzuhalten, damit der andere nicht verletzt ist“, beschreibt Unruh rückblickend ihre Gefühlslage.

Nur gut, dass ihr solche Gewissensbisse in Tokio erspart bleiben. Denn in der Zwischenzeit ist Florian Kahllund nicht nur zu ihrem Ehemann Florian Unruh geworden, sondern kann 2021 selbst Olympialuft schnuppern. „Es ist etwas Besonderes, dass der Partner auch im Nationalteam ist und wir alles miteinander teilen können. Alle Erfolge, aber auch Niederlagen, große Wettkämpfe und nun auch die Olympischen Spiele“, schwärmte Lisa: „Das ist sehr, sehr schön.“

Unruhs Chance auf gemeinsamen Mixed-Start

Und das olympische Programm meint es gut mit dem seit 2020 verheirateten Traumpaar des deutschen Bogensports, erstmals ist auch der Mixed-Wettbewerb olympisch. Rein theoretisch könnten die Unruhs damit am Sonnabend sogar gemeinsam nach Edelmetall greifen. „Sicherlich wäre es sehr schön, mit Flori Mixed schießen zu dürfen, aber da sind auch zwei andere starke Schützinnen, die ebenfalls dafür infrage kommen“, sagte Lisa Unruh.

Während Florian in Tokio als einziger startberechtigter deutscher Mann für den Mixed-Wettbewerb gesetzt ist, muss sich seine Gattin einer internen Ausscheidung mit Michelle Kroppen und Charline Schwarz stellen. Die Beste des Trios in der Einzelqualifikation am Freitag erhält den Startplatz. Die Unruhs haben schon bewiesen, dass es sportlich zusammen funktioniert.

Florian Unruh und sein Drama vor Rio

2017 holten Lisa und Florian zusammen WM-Silber, täglich stehen sie sieben Stunden auf dem Bogenplatz. „Es wäre ein super Erlebnis, aber ich denke nicht, dass es einen wirklichen Vorteil im Wettkampf bringt, da wir auch im Mixed einzeln gut schießen und treffen müssen“, sagte Florian. Der Europameister von 2014 hatte vor Rio sein ganz persönliches Drama erlebt.

Er selbst sicherte dem deutschen Team den olympischen Quotenplatz, unterlag aber dann in der internen Qualifikation Florian Floto und musste beim Großereignis zuschauen. „Ich war sehr enttäuscht, dass ich nicht fahren durfte, aber zugleich froh, dass Lisa es geschafft hatte“, erinnert er sich. Danach sei der unbedingte Wille da gewesen, „zusammen“ nach Tokio zu fahren.

Lisa kam die Olympiaverschiebung nach einer Schulter-Operation im Oktober 2019 entgegen. Mittlerweile ist die Bundespolizistin wieder in Topform.