Niklas Zulciak (l.) von den Würzburger Kickers versucht vergeblich, Unions japanischen Flügelflitzer Keita Endo vom Ball zu trennen. 
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BerlinDichter dran war keiner. Keita Endo hatte den besten Sitzplatz im Stadion An der Alten Försterei. Zusammen mit Grischa Prömel und Sheraldo Becker saß der Japaner auf dem Fahrradergometer dicht hinter der Werbebande. Vor dort aus schaute er den neuen Kollegen zu, die gegen den Zweitliga-Aufsteiger Kickers Würzburg einen sicheren 2:0 (1:0)-Sieg einfuhren. 

An dem hatte der 22-Jährige auch seinen Anteil. Denn bevor er das Spinningrad eigenhändig aus dem Fitnessraum zum Spielfeld hinschleppte, hatte er ja auch 45 Minuten beim zweiten Test der Vorbereitung mitgewirkt. Es waren seine ersten Minuten im Union-Dress. In Cottbus am Sonnabend beim 3:1 war er ja noch geschont worden, weil er mit einer leichten Wadenzerrung aus Fernost angereist war. Und natürlich wollten sich einige japanische Reporter das nicht entgehen lassen. Das Interesse an dem zweifachen Nationalspieler ist in Fernost nicht gerade gering. 

Sein Debüt für die Köpenicker fiel gar nicht mal so übel aus, auch wenn es nur 45 Minuten dauerte. Endo wusste sich in Szene zu setzen. Auch wenn es ihm naturgemäß noch an der Bindung zu den neuen Kollegen fehlen musste. Nach sechs Minuten setzte er sich erstmals am linken Flügel durch, aber seine Hereingabe fand in der Mitte keinen Abnehmer, obwohl Cedric Teuchert da gelauert hatte. Nach 20 Minuten versuchte er es selbst einmal. Ein kurzer Haken, Gegner am Strafraumeck vernascht und mutig abgezogen. Dennoch kein Problem für Würzburgs Vincent Müller. Nach 25 Minuten fand er erneut seinen Meister in dem Keeper der Unterfranken. Für ein erstes Mal gar nicht so übel.

Die Jungs waren unterwegs. Mit schweren Beinen. Bei hohen Temperaturen. Hat mir gefallen.

Union-Trainer Urs Fischer

Ähnlich sah das auch Coach Urs Fischer, der im Großen und Ganzen mit dem Test zufrieden war, wenn man von der Anfangsviertelstunde nach der Pause absah, als die Gäste, die in Halbzeit eins mit 0:1 in Rückstand geraten waren (Florian Hübner per Kopfball in der 38. Minute), ein klein wenig Morgenluft witterten. „Die Jungs waren unterwegs. Mit schweren Beinen. Bei hohen Temperaturen. Hat mir gefallen“, meinte der Schweizer, dem dann beim Interview am Spielfeldrand allerdings missfiel, dass die LED-Werbebanden oben mit einer solchen Schmutz- und Staubschicht bedeckt gewesen waren, dass seine Finger aussahen, als hätte er fleißig im Kohleeimer gewühlt.

Anders als Endo, der in Halbzeit zwei dann noch einen Treffer von Zugang Cedric Teuchert (64.) bejubeln konnte, ehe er das Ausradeln beenden durfte. Für Endo haben die Köpenicker übrigens eigens Jumpei Yamamori als Übersetzer engagiert, damit er die taktischen Feinheiten von Fischer in seiner Muttersprache mitbekommt. Yamamori sitzt in diesen Tagen bei Spielen immer mit auf der Bank. „Endo hat, glaube ich, angedeutet, dass er was drauf hat. Bei ihm müssen wir aber auch ein bisschen vorsichtig sein. Er versucht sich zu integrieren, versucht unsere Prinzipien umzusetzen. Er ist auf einem guten Weg und spricht sogar schon ein paar Brocken Deutsch“, sagte Fischer.