In Berlin tritt Tommy Haas als Spieler an, in Indian Wells musste er Anfang März eines der größten Turniere wegen der Corona-Krise absagen.
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BerlinAuf diesen ersten Platz hätte Tommy Haas gerne verzichten können. Als die großen amerikanischen Sportarten im Frühjahr noch spielten und erst wenige Tage später ihre Saison unterbrachen, hatte der frühere Tennisprofi bereits eine für ihn wenig erfreuliche Botschaft zu übermitteln. „Niemand wollte mehr als ich, dass dieses Turnier stattfindet“, hatte Haas am 9. März via Instagram übermittelt, „alle Fans, Spieler und involvierten Personen möchten wir wissen lassen, dass wir sehr enttäuscht sind, dass das Turnier ausfällt. Aber am Ende des Tages steht die Gesundheit an erster Stelle.“ Als Turnierdirektor hatte er die Veranstaltung in Indian Wells, eins der renommiertesten Turniere der Welt, absagen müssen. Es war die erste große Sportveranstaltung in den USA, die der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. 

Vier Monate später tritt der 42-Jährige in Berlin bei zwei Show-Turnieren als Spieler an. Noch immer aber beschäftigt ihn die Absage des Turniers in Indian Wells. Drunter und drüber sei es wenige Tage vor dem geplanten Auftakt der Veranstaltung gegangen. Ständig habe er im Austausch mit seinem Organisationsteams gestanden. „Als es dann am 6. März in der Nähe den ersten bestätigten Covid-19-Fall gab, war es uns klar, dass wir keine andere Wahl hatten, als das Turnier abzusagen“, erzählte er nun im Rahmen einer Pressekonferenz. Zu Beginn habe er dafür verwunderte Blicke von allen Beteiligten, warum man denn absage, erhalten. Fast alle Spieler seien damals schon angereist gewesen, Challenger-Turniere liefen bereits. „Aber im Nachhinein war es die richtige Entscheidung“, sagte Haas, „wir sind alle daran beteiligt und schauen mal, wie sich das alles entwickelt. Das Corona-Virus kennt keine Grenzen.“

Das hat Haas, der in den USA lebt, deutlicher als viele Deutsche vor Augen geführt bekommen. Während in Deutschland das Leben zur Normalität zurückzukehren scheint, er ab Montag sogar Teil eines Tennisturniers vor Zuschauern sein wird, ist die Lage in seiner Wahlheimat eine ganz andere. „Wir hören jeden Tag, wie viele neue Fälle es in den USA gibt. Wir kommen wieder mehr zu einer Art Lockdown, wo Bars und Strände zugemacht werden, wo die Leute sich nicht so nah kommen können. Das muss offenbar sein“, sagt Haas und erzählt auch davon, dass trotz steigender Infektionszahlen auch wieder Tennis gespielt werden soll: „Da geht man sicher allen Vorkehrungen nach, um Ansteckungen zu vermeiden. Die Turniere hatten genug Zeit, um sich darauf vorzubereiten.“

Der gebürtige Hamburger hat die Zeit des harten Lockdowns genutzt, um sich sportlich in Form zu halten. Kleine Übungen an der Tenniswand, Volleytraining im eigenen Haus oder Fitnesstraining unter blauem Himmel und das eine oder andere Match waren auf seinem Instagram-Account zu sehen. „Ich muss sehr viel trainieren, um die Chance zu haben, einigermaßen gut auszusehen“, sagt er in Hinblick auf die bevorstehenden Matches in Berlin, „der Ehrgeiz ist nach wie vor in mir drin.“ Mit ein paar Freunden steht er in den USA häufig auf dem Tennisplatz, manchmal sogar vier-, fünfmal pro Woche. Nicht in epischen Tennismatches, aber doch noch gut genug, um in Bewegung zu sein und etwas für den Körper zu tun. 

Von seiner Form können sich die Tennisfans am Montag überzeugen. Um 16 Uhr spielt Haas im Steffi-Graf-Stadion auf Rasen gegen den 18-jährigen Jannik Sinner - ein Generationenduell. 2017 hat Tommy Haas sein letztes Match auf der ATP-Tour bestritten, in Berlin war er zuletzt vor fast 30 Jahren. „Ich werde mir zwar nicht sehr viel anschauen können“, sagte Haas, „aber sicher mal aus dem Auto raushüpfen, um ein paar Fotos zu machen.“ Und diese Fotos wird er sich auch mit seinen Fans auf Instagram teilen.