Altglienickes Assistenztrainer Torsten Mattuschka und sein Chefcoach Karsten Heine favorisieren eine sportliche Entscheidung in der Regionalliga Nordost.
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BerlinIn der Regionallliga Nordost könnte eine Meisterschaft am Grünen Tisch ein juristisches Nachspiel haben. Die VSG Altglienicke und Energie Cottbus prüfen rechtliche Schritte, sollte der Titel mittels Quotient vergeben werden. „Bei Anwendung der Quotientenregel werden wir rechtliche Mittel prüfen. Das hat nichts mit Sport zu tun. Wir sind nicht bei der Mathe-Olympiade“, sagte Altglienickes Assistenztrainer Torsten Mattuschka. Der Cottbuser Präsident Matthias Auth sagte dem rbb, sein Klub wolle „keine Entscheidung über den Meister am Grünen Tisch" und werde im Fall der Fälle „rechtliche Schritte prüfen“.

Altglienicke führte die Tabelle beim Abbruch der Saison wegen der Coronavirus-Pandemie an. Der punktgleiche Verfolger 1. FC Lok Leipzig hat aber ein Spiel weniger ausgetragen und würde durch die Quotientenregel an der VSG vorbeiziehen. Dahinter folgte der ehemalige Bundesligist Cottbus, der laut Auth für eine sportliche Entscheidung offen ist. Energie ist derzeit auch der einzige Verein, der zumindest schon wieder in Kleingruppen trainieren darf.

Beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) werden momentan diverse Szenarien diskutiert. Die Quotientenregel ist eine Variante. Eine weitere Option ist ein Viererturnier der aufstiegswilligen Teams aus Altglienicke und Leipzig sowie Energie Cottbus und Hertha BSC II in Erfurt. Nach diesem Turnier-Modell soll im Erfurter Steigerwald-Stadion am 30. Mai im ersten Halbfinale Energie Cottbus auf die VSG Altglienicke treffen, danach der 1. FC Lok Leipzig auf Hertha BSC II. Zwei Tage später soll das Finale stattfinden.

Altglienickes Trainer Karsten Heine hat diese Vorgehensweise gegenüber dieser Zeitung abgelehnt. „Wir haben den Plan zur Kenntnis genommen, mehr nicht“, meinte Heine: „Dass Cottbus und Hertha II dafür sind, ist angesichts der Tabellensituation klar und verständlich. Sie bekämen plötzlich wieder eine Chance. Aber nur Energie trainiert seit dem 21. April wieder. Berlin und Leipzig hätten einen Nachteil. Außerdem müsste man mindestens drei Wochen vor solch einem Turnier Mannschaftstraining durchführen, um sich ordentlich vorbereiten zu können. Wenn die Saison aber auslaufen sollte, muss man entweder den aktuellen Tabellenstand nehmen oder die Herbstmeisterschaft werten. In beiden Fällen stehen wir als VSG vorn. So sehen wir das.“

Assistent Mattuschka favorisiert inzwischen ein anderes Modell: „Wir fordern ein Endspiel gegen Leipzig. Wir sind Herbstmeister und Tabellenführer und hätten am letzten Spieltag noch in Leipzig gespielt“, sagte Mattuschka.

Der Meister müsste sich später in der Relegation noch mit dem Vertreter der Staffel West auseinandersetzen. Sollte eine sportliche Entscheidung nicht mehr möglich sein, befürwortet Altglienicke eine zweigleisige 3. Liga, die mit mehreren Regionalligisten aus den fünf Staffeln aufgefüllt werden könnte. Die VSG gehört zu den 25 Unterstützern des Anliegens des Saarländischen Fußball-Verbandes. Auch Energie Cottbus befürwortet ein solches Szenario.

Eine mögliche Entscheidung am Grünen Tisch hatte NOFV-Präsident Erwin Bugar zuletzt in Aussicht gestellt. „Es kristallisiert sich immer mehr die Quotientenregelung heraus“, hatte Bugar am Freitagabend im MDR gesagt. In diesem Fall wäre der 1. FC Lok Leipzig direkt Meister. Eine Fortsetzung der Saison wie aktuell in der Bundesliga geplant, ist in der NOFV-Regionalliga derzeit recht unwahrscheinlich.

Cottbus zeigte sich in einer Mitteilung auf der eigenen Internetseite am Sonntag „äußerst irritiert“ von Bugars Aussagen. Der NOFV-Chef hatte in diesem Interview auch eine Videokonferenz mit den Vereinen angekündigt. Diese könnten die Cottbuser „bis dato nicht bestätigen“, hieß es: „Eine Einladung für den kommenden Dienstag liegt nicht vor.“