Pflegen ein eher unterkühltes Verhältnis: Marc-André ter Stegen (l.) und Manuel Neuer.
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Berlin/LissabonDie jüngste Ansage aus Deutschland dürfte Marc-Andre ter Stegen einmal mehr überhaupt nicht gefallen haben. Er sei zwar „ein spektakulärer Kerl und beeindruckender Torhüter“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, Marc müsse aber weiter „geduldig sein, auch wenn dies für ihn hart ist“. Und überhaupt sei Manuel Neuer für Bundestrainer Joachim Löw neben Toni Kroos auch weiterhin der „wichtigste Spieler“.

Und als ob das nicht schon deutlich genug gewesen wäre, setzte Bayern Münchens Keeper Neuer im brisanten Kampf um die Nummer eins im DFB-Team mit seinem Konkurrenten vom FC Barcelona noch einen drauf. „Welcher Trainer würde Spieler aufstellen, die nicht die besten sind? Und ich bin der Überzeugung, dass ich der Beste bin“, unterstrich der 34-Jährige bei 11Freunde.

Dass er wirklich (noch) der Beste ist, kann Neuer mit (Groß-)Taten untermauern, wenn es am Freitag (21.00 Uhr/Sky) im Viertelfinale der Champions League zwischen den Bayern und Barça in Lissabon zum direkten Duell mit ter Stegen kommt. Das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen der beiden deutschen Nationalkeeper steht neben dem Vergleich der Topstars Robert Lewandowski und Lionel Messi im Estadio da Luz besonders im Fokus. Wer ist der Bessere?

Seit ter Stegen im Herbst 2019 offen seine Ambitionen auf den Platz im Tor der Nationalmannschaft bekundete und Neuer herausforderte, ist die Situation äußerst angespannt. Höhepunkt der Auseinandersetzung war die Attacke von Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß auf den 28 Jahre alten früheren Gladbacher. Ter Stegen, polterte dieser, habe „überhaupt keinen Anspruch. Neuer wird immer der Beste sein – da gibt es keine Diskussion.“

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wollte am Dienstag nicht noch weiteres Öl ins Feuer gießen. Löw könne sich „glücklich schätzen, dass er zwei so tolle Torhüter hat. Manuel ist weltklasse, ter Stegen auf dem Weg dahin“, sagte er diplomatisch. Rummenigge hoffe, dass „Manuel am Freitag die Null hält. Das heißt dann wahrscheinlich, dass wir ins Halbfinale kommen.“

Zuvor hatte Löw mehrmals beschwichtigend eingreifen müssen. Doch von seiner Rangfolge rückte der Bundestrainer deshalb in den vergangenen Monaten nicht ab: Für ihn ist sein Kapitän Neuer auch im Blick auf die EM 2021 weiterhin die unumstrittene Nummer eins.

Mit starken Leistungen in den vergangenen Monaten ließ Neuer keinen Zweifel am aktuellen Status aufkommen – auch wenn er am Samstag beim 4:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse gegen den FC Chelsea beim zwischenzeitlichen Anschlusstreffer patzte. Doch ter Stegen macht mächtig Druck: Er ist bei den Katalanen längst der große Rückhalt, gerade in der Champions League zeigte der 24-malige Nationalspieler oft genug seine große Klasse.

Rio-Weltmeister Neuer sieht die angespannte Lage im Torhüter-Duell mit ter Stegen nach 92 Länderspielen jedoch gelassen. „Wer bei Bayern und in der Nationalelf die Nummer eins ist, befindet sich ständig in einer Konkurrenzsituation“, sagte er zuletzt lapidar. Und dieser Situation will er sich zum Leidwesen von ter Stegen noch länger stellen. Er verspüre weiterhin „große Lust auf Fußball“, es gebe schließlich „immer etwas zu gewinnen“.

Erst im Mai verlängerte der 34-Jährige seinen Vertrag beim Rekordmeister bis 2023. Bei ter Stegen, der noch bis 2022 an Barcelona gebunden ist, ruhen die Verhandlungen über eine vorzeitige Verlängerung aufgrund der Corona-Krise. Grundsätzlich fühle er sich aber „sehr wohl“ in Barcelona.

Vom Nationalteam kann ter Stegen das kaum behaupten. Ter Stegen ist zwar der designierte Torwart der Zukunft im DFB-Team – doch wann diese Zukunft beginnt, hängt von Neuer und Löw ab.