Sebastian Polter hat eine Schwäche. Er isst vor Heimspielen ein Mettbrötchen. Das ist aber nicht der Punkt, erst auswärts wird daraus ein Problem. Denn da stehen eben keine Mettbrötchen im Medienraum, die er stibitzen könnte. Drei Heimspieltore hat er seit seiner Rückkehr nach Köpenick im Januar erzielt, noch keins in der Fremde. Polter lacht. „Vielleicht muss ich mir mal eins mitnehmen“, sagt der Stürmer. Wenn das dem 1. FC Union am Freitag ab 18.30 Uhr hilft, erstmals im Millerntor-Stadion beim FC St. Pauli zu siegen, werden die Ernährungsüberwacher sicherlich ein Auge zudrücken.

Warum es so schwer ist, auf St. Pauli zu gewinnen, weiß Dennis Daube nur zu gut. „Als ich da noch gespielt habe, haben wir selten zu Hause verloren“, sagt der Mittelfeldspieler mit 113 Profieinsätzen für St. Pauli. „Die Fans am Millerntor werden die Mannschaft 90 Minuten nach vorne peitschen und jeden Zweikampf feiern, der gewonnen wird.“ Er selbst wird aber nicht in seine alte Heimat mitreisen, obwohl er nach seiner Schulterverletzung seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft trainiert. In der Länderspielpause Ende März soll es Testspiele geben, die er nutzen will, um wieder in den Kader zu stoßen. Einen guten Rat an die Kollegen hat er aber schon jetzt: „Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren.“

Eine Herausforderung wird das auch, weil St. Pauli momentan fast genauso erfolgreich aufspielt wie Union. Mit 13 Zählern haben die Hamburger schon zwei Punkte mehr gewonnen als in der gesamten Hinrunde, die sie als Tabellenletzter abgeschlossen hatten. Nur Union (16) ist in der Rückrunde besser. Woran das liegt? Im Winter hat sich St. Pauli im Zentrum mit Johannes Flum (Eintracht Frankfurt) sowie den Leihspielern Lennart Thy (Werder Bremen) und Mats Möller Daehli (SC Freiburg) verstärkt. Zudem hat ein erzwungener Torwartwechsel Wunder bewirkt: Seit Philipp Heerwagen für den verletzten Robin Himmelmann zwischen den Pfosten steht, kassierte man nur fünf Gegentore in neun Spielen und holte 18 Punkte.

„Sie machen weniger Fehler, funktionieren besser als Mannschaft, machen die Räume enger und zeigen keine Auflösungserscheinungen mehr, wenn sie ein Tor kriegen“, sagt Union-Coach Jens Keller. Dennoch will er mehr „auf unsere eigene Leistung schauen, weniger auf den Gegner“. Hoffnung macht da die Tatsache, dass Polter auch ohne Mettbrötchen schon am Millerntor getroffen hat. 2008 war das im U18-Länderspiel gegen Österreich. In der 2. und 14. Minute.