Berlin - Um es gleich zu sagen: Dies ist kein Whataboutism. Hier geht es nicht um ein rhetorisches Ablenkungsmanöver: What about? Und was ist mit ...? Obwohl diese Frage zu stellen ist, laut und deutlich sogar: Und was ist mit dem Profisport? Warum darf er im Lockdown weitermachen? Was ist dagegen mit den Amateuren und ihren Vereinen? Warum ruht für sie seit Wochen nun schon der Betrieb? Warum werden sie nicht einmal erwähnt im jüngsten Beschluss zum Kampf gegen die Pandemie, den Kanzlerin Merkel und die Spitzen der Bundesländer gefasst haben? Warum also werden Hobbysportler mindestens drei weitere Wochen weitgehend sich selbst überlassen?

Sicher: Restaurants und Hotels fehlen ebenfalls in ebendiesem Beschluss, aber das zu entgegnen ist nun wirklich Whataboutism. Außerdem: Jetzt geht es ausnahmsweise mal um Sport, den, der in der Freizeit ausgeübt wird. Und deshalb geht es zunächst um die Rolle der Profis, denn an ihr wird das Elend der Amateure deutlich. Erstere haben eine starke Lobby, letztere haben keine.

Zum Beispiel die Fußballbundesliga: Diskutiert wurde über ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor, herausgestrichen ihre Bemühungen als Vorreiter in der Pandemie bei der Umsetzung von Hygienekonzepten. Weitreichende Effekte scheinen sich bisher daraus nicht ergeben zu haben. Nicht für die Eventbranche, zu der die Bundesliga gezählt wird, nicht für die Amateure, ob sie nun Fußball, Handball, Eishockey spielen, ob sie radeln, rudern, rennen.

Deshalb noch einmal: What about? Was ist mit der sozialen Funktion des Profisports? Der Amateursport jedenfalls spielt eine enorme gesellschaftliche Rolle. Etwa bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Bei der Vermittlung von Fähigkeiten, die über die schulische Bildung hinausgehen. Bei der Inklusion von Behinderten. Bei der Integration von Geflüchteten. Er leistet wichtige Arbeit, hat das jedenfalls bis zum Lockdown getan, hat in Bereichen der staatlichen Daseinsvorsorge geholfen, bräuchte jetzt Hilfe vom Staat.

Was ist mit – den finanziellen Zuwendungen? Natürlich, die gibt es, doch den Vereinen laufen mit jedem Tag des Lockdowns immer mehr Mitglieder davon. Darunter auch jene, die den Amateursport maßgeblich tragen: die Ehrenamtlichen; sie trainieren, initiieren, organisieren. Eine der existenziellen Fragen für den Sport nach Corona wird daher sein, ob sie zurückkehren, denn ohne sie lässt sich das System nicht wieder auf sichere Säulen stellen.  

Was ist mit – der Chance, die angeblich in jeder Krise steckt? Auch diese Frage musste irgendwann kommen, ganz unabhängig von der Pandemie. Denn das Ehrenamt steckte schon vor Corona in der Krise. Veränderte Lebenswelten und Arbeitsbedingungen erschweren das freiwillige Engagement, zumal dann, wenn es unentgeltlich geleistet wird. Was ist mit – dem Berufsbild des modernen Trainers als Sozialarbeiter?

Dazu braucht es eine Lobby, im Sport selbst, und deshalb noch einmal: Was ist mit – den Profiklubs? In Berlin geht der Basketballverein Alba einen neuen Weg, versucht, Sport anders zu denken. Doch was ist mit - der Politik? Um Angelegenheiten des Sports kümmert sich der Bundesinnenminister sozusagen nebenbei gleich mit. Er ist für Kunstturner und Kriminelle zuständig, für Demonstrationen und Dauerlauf.

Bevor jetzt jemand ein eigenes Sportressort für Deutschland fordert, wie es bei den Nachbarn Frankreich oder Polen längst existiert: Was ist mit - Berlin? Klare Antwort: Die Stadt braucht erst mal einen eigenen Sportsenator.