Vielbeachteter Spielball: die Champions League.
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Frankfurt am MainUli Hoeneß hatte die Milliarden schon im Sommer sprudeln gesehen, seine Vision könnte nun schon bald Realität werden. Der Online-Riese Amazon hat einen Teil der Live-Rechte für die Champions League erworben und steigt damit auch in Deutschland in den Wettstreit um Fußball-Übertragungen ein. Der nächste große Player auf dem ohnehin umkämpften Markt könnte den Elite-Klubs neue Rekordeinnahmen bescheren. Für die Fans bedeutet er wohl vor allem weitere Konfusion im TV-Dschungel.

„Vielleicht kommen eines Tages auch Amazon, Apple, Comcast, Disney, Google oder Netflix dazu“, hatte Hoeneß, der inzwischen aus dem Amt geschiedene Präsident des FC Bayern, im August in einem Interview der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“ geäußert: „Wenn die den Fußball für sich entdecken, werden wir noch über ganz andere Beträge reden. Da spielt eine halbe Milliarde, eine Milliarde keine Rolle. Dann könnten wir Dimensionen erreichen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“

Wir freuen uns auf die UEFA Champions League, einen der prestigeträchtigsten Klub-Wettbewerbe der Welt.

Alex Green

Keine vier Monate später ist es soweit. Ab der Saison 2021/22 bietet Amazon Live-Streams zu dem jeweiligen Topspiel der Königsklasse am Dienstagabend an. Eine entsprechende Meldung des Branchendienstes DWDL bestätigte der Konzern am Dienstag. „Wir freuen uns auf die Uefa Champions League, einen der prestigeträchtigsten Klub-Wettbewerbe der Welt“, sagte Alex Green, der Geschäftsführer von Prime Video Sport Europa.

Der Markt für die Champions-League-Übertragungen in Deutschland droht damit weiter zu zersplittern. Seit der vergangenen Saison war die Champions League in Deutschland ausschließlich beim kostenpflichtigen Streamingdienst DAZN und beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen. Die Frist für die Ausschreibung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) für die kommende Rechteperiode (2021/22 bis 2023/24) hatte Anfang Dezember geendet.

Auch im Tennis aktiv

Wer die weiteren Rechte an der Champions League in Deutschland erhält, ist noch nicht bekannt. Die Uefa teilte mit, dass man dazu keinen Kommentar abgeben könne, „da es sich um ein laufendes Ausschreibungsverfahren handelt“. Auch die bisherigen Rechteinhaber DAZN und Sky wollten sich vorerst nicht äußern, dazu hatten zuletzt auch das ZDF und RTL Interesse an Rechtepaketen signalisiert.

Amazon weitet durch seinen Einstieg jedenfalls Engagement im Bereich der Sport-Übertragungen weiter aus. Seit 2017 besaß der US-Konzern in Deutschland bereits die Rechte für Audio-Livestreams von Spielen der Fußball-Bundesliga. In Großbritannien hatte das Unternehmen zuletzt bereits unter anderem einzelne Partien der Premiere League und die US Open gezeigt, dazu jüngst weitere Rechte für Übertragungen von Tennisturnieren erworben.

Hohe Zuwachsraten

Die Erfahrungen, die Amazon dabei machte, waren anscheinend überaus positiv. Erst am Wochenende verzeichnete die Plattform „Prime Video“ im Zuge des komplett übertragenen 15. Spieltags der Premier League den höchsten Abonnenten-Zuwachs binnen einer Woche seit dem Start im Jahr 2007. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, sprach das Unternehmen von „Millionen Fußball-Fans“, welche die insgesamt zehn Partien verfolgt hätten.

Das Engagement in Deutschland ist derweil zunächst noch ein vorsichtiger Testlauf. Das Rechte-Paket ist von überschaubarer Größe, das finanzielle Investement wohl noch relativ gering. Schon im Mai werden allerdings auch die TV-Rechte für die nächste Periode der Bundesliga ab 2021 vergeben. Und wenn die Milliarden dann eines Tages tatsächlich sprudeln, darf sich Uli Hoeneß bestätigt fühlen.